Ute Lemper spricht über den Tango und verrät ihre Stärken und Schwächen

Keine Geduld für Smalltalk

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Mag Jazz, Kurt Weill und das französische Chanson: Ute Lemper. ·

Bremen - Von Jörg Worat„Cats“ und Kurt Weill, „Das Erbe der Guldenburgs“ und „Cabaret“, Michael Nyman und „Arielle, die Meerjungfrau“: Man könnte die Liste der Stichworte, die auf die eine oder andere Weise mit Ute Lemper zu tun haben, endlos weiterführen.

Die Sängerin, Musicaldarstellerin und Filmschauspielerin ist stets neue Wege gegangen. Das will die 48jährige, die mittlerweile in New York lebt, auch weiter so halten. Bei ihrer kommenden Tournee, die sie am 1. Dezember in die Bremer „Glocke“ führt, hat Ute Lemper viel Tango im Angebot – das und mehr verriet sie im Interview.

Werden Sie ein reines Piazzolla-Programm singen, oder sind auch andere Komponisten vertreten? Verraten Sie doch schon mal zwei, drei Programmpunkte.

Ute Lemper: Das Piazzolla-Sextett aus Buenos Aires und ich werden 12 Piazzolla-Stücke vorstellen, auf spanisch, englisch, französisch, portugiesisch und deutsch. Außerdem singe ich auch einige Stücke von Piaf, Brel und Weill, die vom Sextett wunderbar arrangiert sind.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Tango Nuevo? Und wie haben sie die Band mit Astor Piazzollas Enkel Daniel kennen gelernt?

Lemper: Ich singe schon seit ein paar Jahren Piazzolla-Stücke. Als mir eine Kooperation mir dem Sextett angeboten wurde, habe ich mich unwahrscheinlich gefreut. Es handelt sich um einige der Original-Piazzolla-Veteranen, die damals mit ihm in den 80ern die Welt erobert haben. Es war eine große Herausforderung für mich, die Songs im Original-Spanisch zu lernen und zudem mit dem argentinischen Akzent von Buenos Aires. Seit vielen Jahren mache ich auch in Argentinien Konzerttourneen. Bei meiner letzten Tournee vor einem Jahr habe ich alle Musiker kennengelernt und wir haben ein wenig gejammt, herumexperimentiert. Schließlich haben wir im Frühjahr in Hongkong unsere Konzertreihe eröffnet. Es ist eine große Ehre für mich.

Wie geht es Ihnen eigentlich heute, wenn Sie Songs aus „Cats“ oder „Starlight Express“ hören?

Lemper: Schrecklich! Das sind alte Erinnerungen.

Hören Sie privat auch manchmal Musik, die man Ihnen gar nicht unbedingt zutraut? Techno oder Death Metal zum Beispiel?

Lemper: Die Beispiele, die Sie nennen, sind furchtbar. Ich habe keine Geduld für diese Musik. Die erste ist zu fabriziert und unmenschlich, die andere viel zu aggressiv. Ich höre gerne Jazzmusik. Meine Teenage-Kinder spielen mir viel gute Rock- und Popmusik vor von Coldplay bis Adele, Dave Matthews Band, John Legend und vielen anderen.

Ihr Lebensgefährte Todd Turkisher ist Schlagzeuger und hat mit sehr unterschiedlichen Musikern zusammengearbeitet. Hat er Ihnen „neue Klänge ins Ohr gesetzt“? Gibt es Musik, bei der Sie beide völlig unterschiedlicher Meinung sind?

Lemper:Mein Mann und ich haben denselben Geschmack in der Musik und sind aus derselben Generation. Wir sind beide mit Pink Floyd, Steely Dan, Joni Mitchell, The Crusaders und so weiter aufgewachsen. Wir lieben Al Jarreau, Seal und Miles Davis. Er hat mich mehr mit brasilianischer Musik und grooviger, jazziger Musik inspiriert, und ich habe ihn mit klassischer Musik aus dem 20. Jahrhundert und auch mit Kurt Weill und französischem Chanson inspiriert.

Haben Sie aktuelle Filmpläne?

Lemper: Nein, keine Filmpläne im Moment.

Welcher Ihrer bisherigen Filme liegt Ihnen besonders am Herzen? Und an welche(n) Schauspielerkollegen/-kollegin denken Sie besonders gern zurück?

Lemper: Film war immer nur eine kleine Seitenstraße für mich. Ich habe keine weltbewegenden Film-Erinnerungen. Natürlich war der Robert-Altman-Film (Anm. d. Autors: „Prêt-à-Porter“ von 1994, u.a. mit Sophia Loren, Marcello Mastroianni und Kim Basinger) eine aufregende Aufnahmezeit mit wunderbaren Schauspielern.

Stammen Sie eigentlich aus einer musischen Familie?

Lemper: Mein Vater spielte Geige, Klavier, Gitarre und schrieb gerne Lieder zu allen möglichen Anlässen. Meine Mutter war Opernsängerin, Sopran. Die Eltern liebten auf jeden Fall Musik, aber hatten ein sehr konventionelles Leben mit sicheren Berufen als Bankkaufmann und Sekretärin.

Was wollten Sie als Kind werden?

Lemper: Als Kind wollte ich Eiskunstläuferin oder Ballerina werden. Später dachte ich eher an Lehrerin oder Forscherin. Dann irgendwann als Teenager haben die Musik und das Theater mich übermannt.

Sind Sie eine Diva?

Lemper: Gerne auf der Bühne ... im Spiel ... Im privaten wirklichen Leben bin ich’s nicht. Da bin ich sehr einfach und „down to earth“, immer zum Spaß aufgelegt.

Gibt es eine Schwäche, an der Sie nach wie vor arbeiten? Und eine Stärke, auf die Sie besonders stolz sind?

Lemper: Ich habe keine Geduld für Smalltalk und Longtalk, Republikaner, Materialisten und religiöse Freaks. Das ist meine Schwäche und Stärke.

Auftritt der Wunschfee: Sie dürfen sich unabhängig von der zeitlichen Epoche einen Komponisten aussuchen, der ein Lied für Sie schreibt, einen Maler, der Sie porträtiert, und einen Dichter, der Verse über Sie verfasst. Welches Trio würden Sie wählen?

Lemper: Ravel, Klimt, Goethe.

Ute Lemper und das Piazolla-Sextett gastieren am 1. Dezember 2011 in der Bremer Glocke.

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