Tanja Tetzlaff mit Dvoráks Cellokonzert in der Glocke

Kein Platz für Vornehmheit

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Charismatisches Können: Tanja Tetzlaff überzeugte in der Glocke mit Antonin Dvoráks Cellokonzert. ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeAb und zu gibt es die Situation, dass man kaum Worte finden kann, um das erlebte Niveau eines Konzertes angemessen zu beschreiben. Nun war es im Premierenkonzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wieder so: Sir Roger Norrington dirigierte Werke von Antonín Dvorák und Tanja Tetzlaff war die Solistin des Cellokonzertes.

Die langjährige Solocellistin der Deutschen Kammerphilharmonie war schon öfters als Solistin zu hören. Sie war immer gut, immer sehr gut sogar, aber eher selten außerordentlich. Und das war an diesem Abend der Fall, als sie mit Dvoráks Cellokonzert ein geradezu charismatisches Können präsentierte.

Die Musik des Brahms-Freundes scheint so dermaßen ihre Sache zu sein, dass es nicht zu viel behauptet ist, hier von einer Sternstunde zu sprechen. 1894 hatte der Komponist das Konzert als letztes Werk in New York geschrieben, ehe ihn das Heimweh übermannte und er zurück nach Prag ging.

Von überragender Sauberkeit und Genauigkeit gestaltete Tetzlaff einen wunderbaren Reichtum an immer neu überraschenden Klangfarben, sie spielt ungemein flexibel und vor allem kommunikativ. Wie sie die Impulse des Orchesters aufnahm, hatte sicher einen Höhepunkt in den Dialogen mit den Orchesterinstrumenten, dem mit der Klarinette, der Flöte und besonders auch der Violine. Da floss eine unfassbare Energie, die natürlich ihre wunderbaren musikalischen, fast magischen, eben unbeschreiblichen Auswirkungen hatte. Sicher trug das Orchester unter der Leitung des langjährigen Kammerphilharmoniefreundes Roger Norrington das seine zu dem großen Gesamteindruck bei.

Und die neunte Sinfonie des Komponisten: auch komponiert in Amerika, verströmt „Aus der neuen Welt“ eine solche Fülle von berstenden Ideen und klanglichen Schönheiten, dass man wieder einmal sagen muss: diese Sinfonie ist eine der ganz großen. Dass wir sie vor noch nicht einmal zehn Monaten in dieser Wiedergabe schon einmal gehört haben: die Kammerphilharmonie wiederholt sich eben öfters mal.

Man kennt – und genießt – den Dirigierstil von Norrington. Er schaut sich öfter mal um, fordert nach den Sätzen zu Beifall auf, als wollte er sagen: Sind die Musiker nicht toll, und ist das nicht einfach tolle Musik? Kein Platz bei ihm für bildungsbürgerliche Vornehmheit, erst am Ende zu applaudieren. Und immer seltsam die Bewegungen des demnächst Achtzigjährigen, der aus der Alten Musik kommt und einer der ersten war, die auch die Musik des neunzehnten Jahrhunderts auf historischem Instrumentarium interpretierte.

Oft kann man keine Entsprechung zur fabelhaft klingenden Musik sehen, oft scheint er einfach selber nur zuzuhören, dann reißt es ihn dann doch mit. Er gibt aber weniger führende Impulse, als dass er in dem ganzen irgendwie drin steckt. Einzigartig ist dieser Dirigierstil und einzigartig das Ergebnis. Eingangs noch eine kleine feine szenische Komposition von Dvorak: die „Mittagshexe“. Beifallstürme ohne Ende.

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