„Earth, Wind and Fire“ überzeugen im Hamburger Stadtpark

Kein bisschen kantig

Stimme ohne Altersspuren: Philip Bailey von „Earth, Wind and Fire“. · Archivfoto: dpa
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Stimme ohne Altersspuren: Philip Bailey von „Earth, Wind and Fire“. · Archivfoto: dpa

Hamburg - Von Rainer Beßling. Verdine White bringt die siebziger Jahre auch im Outfit auf die Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark: goldene Glitzerhose, Rüschenhemd, fliegendes Langhaar.

Würden die Bewegungen des Bassisten bei aller zappeligen Vitalität nicht ein wenig eckig ausfallen, könnte man von Ferne meinen, die Zeit wäre stehen geblieben.

Kein bisschen kantig kommt der Groove daher, den White voluminös und wohldosiert verzerrt auf die Bühne bringt. Whites prägnante Linien sind ein Baustein von „Earth, Wind and Fire“.

Vor mehr als 40 Jahren gegründet, schuf die US-amerikanische Band Klassiker in einer Zeit, in der schwarzer Soul und weiße Disco-Musik nicht unbedingt freundschaftlich um Beachtung und Marktanteile rangen. Ihre Wurzeln im Rhythm‘n‘Blues konnten beide Lager nicht leugnen. Gemeinsam schufen sie die Grundlagen des Funk, bis heute unverwüstlich und in unterschiedlichste Spielarten auffächert.

Unverwüstlich ist offenbar auch das Trio aus der Ursprungsformation der Band, das an diesem hochsommerlichen Donnerstagabend immer wieder die Nähe zum Publikum sucht. Neben Verdine White ist noch dessen Bruder Maurice mit dabei. Ehemals Drummer der Gruppe, tritt er jetzt als Percussionist und Vokalist auf. Der dritte ist Philip Bailey, dessen Stimme erstaunlicherweise keinerlei Altersspuren aufweist.

Die Band hat sich zwar mit zwei jüngeren Sängern verstärkt, und was die Choreografie angeht, mit aktuellen Performance-Standards ausgestattet. Gesanglich jedoch ist sie auf keine Frischzellen-Kur angewiesen. Bailey ruft immer noch die Höhen ab, die zum Klangbild von Earth, Wind and Fire gehören. Seine Balladen sind mit bestem Soul-Schmelz ausgestattet. Die funkigen Dance-Floor-Nummern bringt er mit ungebrochenem Drive auf den Weg.

Die Zuschauer in der gemütlichen Hamburger Open-Air-Arena, die meisten um die Pensionierungsmarke, dürfen in Nostalgie schwelgen, das musikalische Geschehen aber wirkt keineswegs verstaubt. Hits wie „Boogie Wonderland“, „September“, „I‘ll Write a Song For You“, „Fantasy“ oder das mitreißend treibende „Serpetine Fire“ kommen in den effektvollen Live-Arrangements von Myron McKinley, zugleich Pianist der Band, zeitlos daher. Drummer John Paris verleiht dem Auftritt im Schulterschluss mit Bassist White ein makelloses, ebenso kraftvolles wie filigranes Gerüst.

Die Bläser-Gruppe, ein weiteres Aushängeschild der historischen Formation von „Earth, Wind and Fire“, ist komplett neu besetzt. Und wie. Bedauerlicherweise müssen sich Trompeter und Posaunist auf die Arbeit im Satz beschränken. Dafür liefert Gary Bias ein Tenor-Saxophon-Solo ab, das zwischen erdig-groovigen Rhythm‘n‘Blues-Patterns und jazzigen Linien mit immer wieder neuen melodischen Wegen und harmonischen Wendungen begeistert.

Es ist die Mischung aus mitreißender Show und Musikalität auf höchstem Niveau, zwischen tanzbaren Rhythmen, die keinen Zuhörer still stehen lassen, und virtuosen Instrumentalvorträgen, die diese herausragende Band bis heute ausmachen. Die Musiker haben sich nicht auf ihrem Ruhm ausgeruht, sie aktualisieren ihren Beitrag zur Pop-Geschichte auf bemerkenswerte Weise. Im kommenden September erscheint ein neues Album.

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