Judith Holofernes singt in Bremen

Kauf‘ dir einen Kaftan

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Judith Holofernes ·

Bremen - Von Andreas Schnell. Mit rund 800 Besuchern war die Kesselhalle im Bremer Kulturzentrum Schlachthof am Mittwochabend gut gefüllt: Judith Holofernes eröffnete ihre Deutschland-Tournee.

Nachdem die Mannheimer Soul-Popper Malky um den Sänger Daniel Stoyanov kurz nach 20 Uhr den Abend eingeleitet hatten und vom Publikum mit warmem Applaus bedacht waren, betrat die Sängerin mit fünfköpfiger Begleitband die Bühne und begann ihr Set mit dem perkussiven „Lose Kanone“, dem sich neben den Songs ihres im Februar erschienenen Solo-Debüts „Ein leichtes Schwert“ auch einige ältere Stücke anschlossen: Lieder, die Holofernes bereits 1999 auf der EP „Kamikazefliege“ unter eigenem Namen veröffentlicht hatte.

Damit kam zwar genug Material zusammen, um ein abendfüllendes Programm zu gestalten – allerdings immerhin so viel, dass sich die Sängerin für gelegentliche Textunsicherheiten entschuldigen musste. 18 Songs hätten sie schließlich einstudieren müssen, gestand sie mit mädchenhaftem Gestus.

Auch die Dramaturgie des Abends zeichnete sich durch eine gewisse Unsicherheit aus. So brauchte es am eine ganze Weile, bis die Band sich endlich freigespielt hatte. Das mag daran liegen, dass Holofernes’ Repertoire stilistisch breiter aufgefächert ist als die Musik ihrer alten Band, zu klassischem Indie-Rock gesellen sich Country-Einflüsse und klassische Rock-Formen und die aufwendigere Arrangements, die auf der Bühne auch Trompete, Mandoline und Steel-Gitarre einbezogen, für die Calexico-Musiker Martin Wenk zuständig war.

Lyrisch knüpft Holofernes allerdings an die milde Verweigerungshaltung mit naiver Note an, mit der ihre Band zu Lieblingen des linksliberalen Feuilletons wurde. In „Nichtsnutz“ gründet sie eine „Müßig-Gang“, „Danke, ich hab‘ schon“ weist sie die Permanenz der Konsumangebote zurück, in „John Irving“ schreibt sie dem Schriftsteller und diversen seiner Kollegen ins Stammbuch, sie habe genug von „perfekten Katastrophen“, statt einem Ende von biblischer Gewalt werde sie lieber alt, wobei immer wieder gezielt albern gereimt wird: „Johnnie Safran / Kauf‘ dir einen Kaftan / Schau dir noch ein Kaff an / Aber lass mich in Ruh“.

Etwa im letzten Drittel des Konzerts hatte sich die Band dann eingespielt, und auch das Publikum, bislang eher freundlich applaudierend, kam langsam aus sich heraus. Und erklatschte sich am Ende noch zwei Zugaben. Damit war das Repertoire dann endgültig ausgeschöpft.

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