Eine Geschichte von Liebe und Freiheit: „Shadowland 2 – Das neue Abenteuer“ in Bremen

Ab in den Karton

Noch ein Drink zum Feierabend: Auch die Entspannung der Schatten nach getaner Arbeit ist hinter den Leinwänden Thema. - Foto: Kai Heimbers

Bremen - Von Wolfgang Denker. Es ist schon ein paar Jahre her, dass die amerikanischen Tänzer des bereits 1971 gegründeten Ensembles Pilobolus mit ihrem Schattentheater „Shadowland“ weltweit begeisterten. Jetzt gibt es mit „Shadowland 2 – Das neue Abenteuer“ eine Fortsetzung – auch in Bremen.

Auch wenn eine Mischung aus Tanz, Schattenspiel und Akrobatik mit Schattenspielen das Herzstück der Produktion ist, werden aber auch einige Szenen vor den Leinwänden getanzt. Eine Szenerie, die Steven Banks (unter anderem Autor von „Spongebob“) konzipiert hat und die den Zuschauer in eine Lagerhalle führt. Einem trostlosen Ort, an dem Arbeiter in blauen Overalls Tag für Tag eintönig Kartons transportieren. Natürlich ohne zu wissen, was in den Kartons steckt. Es ist verboten, sie zu öffnen. Streng verboten – über die Einhaltung wacht ein böser Aufseher. Ein Liebespaar tut es dennoch und entdeckt ein Straußenbaby. Ein Symbol für Glück, Liebe, Fantasie und Freiheit.

In dem von den Tänzern eindrucksvoll gestellten Bild „Evolution“ ist denn auch folgerichtig nicht der Mensch, sondern der Strauß die Krone der Schöpfung. Der kleine Vogel nimmt die beiden Liebenden mit auf eine fantastische, abenteuerliche Weltreise. Publikum und Ensemble fliegen in den Weltraum und sehen, wie Tiere der Wildnis – bis hin zum Elefanten – von roboterartigen Wesen in besagte Kartons gesperrt und mit einer Rakete abtransportiert werden. Aber keine Sorge, natürlich endet alles gut: Am Schluss findet sich der Bösewicht im Karton wieder.

Liebe und Freiheit triumphieren über das Schlechte in der Welt: Diese Geschichte ist zwar gut gemeint, in ihrer simplen Philosophie aber auch eine Schwachstelle der Produktion. Das tut der Faszination der Show aber keinen Abbruch. Der Zuschauer staunt immer wieder, wie die Tänzer verschiedene Tiere und Requisiten verblüffend naturgetreu zum Bild werden lassen – ob es nun Big Ben, ein Auto oder ein Motorrad, Pferde oder Fantasiewesen sind. Wenn diese Bilder dann in fließender Bewegung aufgelöst werden, entstehen sofort wieder neue Eindrücke. Einzelne Szenen beeindrucken immer wieder, etwa wie in mehrfacher Wiederholung der immer gleiche Tagesablauf dargestellt wird, vom Klingeln des Weckers, über die Fahrt im Bus beziehungsweise Auto, die monotone Arbeit und die Entspannung nach Feierabend.

Sehr poetisch ist auch der Traum vom glücklichen Leben: Heirat, Schwangerschaft und Heranwachsen der Tochter. In einer wirkungsvollen Beziehung dazu stehen die Lichteffekte, die das Geschehen in wunderschöne Farben tauchen. Eine Darstellung, die ganz ohne Worte auskommt, nur untermalt und getragen von teils rockigen, teils gefühlvollen Songs aus der Feder von David Poe. Die Musik und die Tanzchoreographie sind in enger Verzahnung entstanden. Und das spürt man.

Speziell für ihr Bremer Gastspiel hat die Truppe dann auch noch eine kleine Überraschung im Gepäck: Zu sehen sind der Roland, der Dom und die Bremer Stadtmusikanten. Und die Tänzer formten mit ihren Körpern die Worte „Danke Bremen“. Da kann es nur eine Antwort geben: Danke Pilobolus!

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