Sieben Ausstellungen liefern in den nächsten Monaten Einblicke in die Kulturgeschichte

Von Kaisern und Klerikern

Ludwig II. im Jahre 1910: Der junge König präsentiert sich auf einer Postkarte seinen bayrischen Untertanen.

Von Veit-Mario TiedeSYKE · Die Eintracht von Braukunst und Klosterleben, die Zwietracht zwischenSalierkaisern und Päpsten, Krieg und Frieden auf einerFernhandelsroute, Uta und der Naumburger Meister, ein Klaviervirtuose und Schürzenjäger sowie das tragische Schicksal eines frauenscheuenMärchenkönigs: Kulturhistorische Ausstellungen an geschichtsträchtigen Schauplätzen geben in den nächsten Monaten spannende Einblicke in die deutsche und europäische Vergangenheit.

Was wäre Europa ohne das auf Benedikt von Nursia (um 480/90-550/60) zurückgehende Mönchtum? Klöster waren Horte des Wissens und der Wissenschaft. Das veranschaulicht ab Juli im Kloster Dahlheim, Kreis Paderborn, die Ausstellung „Macht des Wortes“. Sie zeigt, in welch vielfältiger Weise der Benediktinerorden als europäischer Kulturträger das Bild des Kontinents bis heute beeinflusst. Populärstes Beispiel ist die von den Benediktinern kultivierte Braukunst. Eines der berühmtesten Benediktiner-klöster war Lorsch. Im Museumszentrum Lorsch und auf dem Klostergelände wird ab Mai die Ausstellung „Vom Reichskloster Karls des Großen zum Weltkulturerbe der Menschheit“ gezeigt.

Prominentestes Bauwerk des Herrschergeschlechts der Salier ist der Dom zu Speyer, der dieses Jahr sein 950. Weihejubiläum feiert. Als Grabstätte der vier Salierkaiser ist er das größte Exponat der ab April laufenden Ausstellung „Die Salier. Macht im Wandel“. Im benachbarten Historischen Museum vermitteln Funde aus den Kaisergräbern und andere wertvolle Exponate Einblicke in eine von dramatischen Umbrüchen geprägte Zeit. Wie der Kaiserdom zu Speyer ist auch der Mitte des 13. Jahrhunderts vollendete Naumburger Dom ein Kulturdenkmal ersten Ranges.

Jeder Kreuzworträtsellöser kennt die Frage: „Stifterfigur im Naumburger Dom mit drei Buchstaben“. Die Antwort lautet bekanntlich „Uta“. Sie und die elf anderen lebensgroßen Stifterfiguren sind die prominentesten Schöpfungen des Naumburger Meisters, dem im Dom und an weiteren Schauplätzen in Naumburg ab Juni eine große Ausstellung gewidmet sein wird.

Während seiner Wanderschaft war der Naumburger Meister auf der „via regia“ unterwegs. Diese historisch bedeutsamste Fernhandelsstraße zwischen West- und Osteuropa tritt in die Stadt Görlitz durch eine imposante Kanonenbastei aus dem späten 15. Jahrhundert ein: den Kaisertrutz. In ihm wird ab Mai die Schau „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ stattfinden.

Im Blickpunkt stehen das Leben der Menschen an und auf der Straße, der Warenhandel sowie den Austausch von Kunst und Kultur. Ein Ausläufer der via regia führt bis nach Kiew. Dort gab der als gefeierter Komponist und Klaviervirtuose ganz Europa bereisende Franz Liszt 1847 ein für sein weiteres Leben folgenreiches Konzert. Auf der anschließenden Feier lernte der für seine zahlreichen Frauenaffären bekannte Musiker Jeanne Elisabeth Carolyne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein kennen. Die Fürstin zog 1848 nach Weimar, gefolgt von Liszt. Dort lebten sie die nächsten zwölf Jahre zusammen. Es waren die produktivsten in Liszts Künstlerleben, wie die anlässlich seines 200. Geburtstags in Weimar ab Juni präsentierte Schau zeigt.

Ein Exzentriker wie Liszt war auch der bayerische König Ludwig II. (1845-1886). Beide starben vor 125 Jahren. Der für geisteskrank erkärte und entmündigte „Märchenkönig“ wurde tot im Starnberger See gefunden. Der Frauenreizen unempfängliche Ludwig gab Unsummen für den Bau von Märchenschlössern aus. Das und seine bis heute nicht geklärten Todesumstände haben ihn für die Nachwelt unsterblich gemacht. In seinem Neuen Schloss Herrenchiemsee ist ihm ab Mai eine Schau gewidmet. Inszeniert ist sie als ein Drama des Landes und seines Königs, erzählt nach dem Muster der klassischen Tragödie.

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