Musiker in Bremen

Cellist Julian Steckel: Als ob die Zeit stillsteht

Julian Steckel Foto: Marco Borggreve
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Julian Steckel

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Der 1982 geborene Cellist Julian Steckel war schon häufiger in Bremen und hinterließ stets einen hervorragenden Eindruck, sowohl in der Kammermusik als auch in Orchesterkonzerten. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum das Sonntagskonzert der Bremer Philharmoniker so gut besucht war.

Zuerst erklingt Antonín Dvoráks opulentes Cellokonzert op. 104 (1896). Und gemeinsam mit der Orchesterleistung unter der Leitung von Marko Letonja gelingt ein schwelgerisch-verführerisches Klangbad, an das man sich noch lange erinnern wird. Es zeichnet Letonja aus, dass er mit einem enormen Vorwärtsdrang dirigiert, dem das Orchester wunderbar folgt; es zeichnet ihn aus, dass er trotz oder gerade wegen sauber gespielter Strukturen stets Emotionen in den Vordergrund stellt, denen sich kaum ein Zuhörer entziehen kann. Es zeichnet ihn aus, dass er mit seiner Körpersprache gezielt auf Spannungen und Explosionen zusteuert, lange, bevor diese mitreißenden Stellen dann wirklich kommen.

So ist das Orchester für Steckel sicherlich ein Traumpartner, denn auch dem jungen Mann gelingt mit seinem satten und kraftvollen Ton genauso wie mit seinen introvertierten Pianissimo-Phasen — im Gesang des zweiten Satzes schien die Zeit stillzustehen - ein explosives Strahlen dieser außerordentlichen Musik. Unvergesslicher Moment: die energiegeladene Zwiesprache mit der Geigerin Anette Behr-König.

Dann folgen zwei Meilensteine der Musik des 20. Jahrhunderts, und es ist schon erstaunlich, wie bei den „Atmosphères“ von György Ligeti mit seinen unbarmherzigen, nahezu unhörbaren Klangteppichen bei immerhin 14 ersten Geigen eine Spannung entsteht, die alle Huster verstummen lässt. Mit diesen fast unmerklich wechselnden, geradezu rhythmus- und intervalllosen Flächen protestierte der Ungar Ligeti 1961 gegen die damals überpräsente serielle Musik und löste bei seiner Uraufführung in Donaueschingen Begeisterung aus.

Danach darf es in der Glocke wieder krachen mit einem Stück, das sich deutlich gegen avantgardistischen Experimente positioniert: mit den Klangfarben und anspruchsvollen Bläser-Soli in der Sinfonie „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith (1934), mit denen der Komponist den „Gefühlszustand, den die Bilder im Beschauer auslösen“, ausdrücken wollte. Die Bilder des Tryptychons sind die drei Sätze der Sinfonie: „Engelskonzert“, „Grablegung“ und „Versuchung des heiligen Antonius“.

Termine:

Das Konzert wird am Montag- und Dienstagabend um 19.30 Uhr im Bremer Konzerthaus Glocke wiederholt.

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