Juan Diego Flórez mit neuem Repertoire

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Juan Diego Florez

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Der 1973 geborene peruanische Tenor Juan Diego Flórez ist ein Ausnahmesänger. Nicht nur in Bezug auf seine durch und durch perfekte, charismatische Stimme, sondern auch in Bezug auf seinen Umgang mit ihr. Flórez hat noch nie Partien gesungen, die ihm nicht liegen, nur weil sie gut bezahlt waren. Das nimmt der Größe seines Gesanges jegliche Künstlichkeit, macht jeden Ton zu seiner Natur.

Früher sang Flórez, dessen Vater ein Volkssänger war, in atemberaubender Weise Donizetti, Bellini und Rossini, jenes Fach, das man in der heute überholten Fachsprache als „Tenore di grazia“ bezeichnete. Es ist nicht lange her, da entschied der in Wien lebende Vater zweier Kinder, dass es „höchste Zeit sei, das Repertoire umzustellen“. Für einen 43-Jährigen ist das normal: Die Stimme verliert an biegsamer Leichtigkeit, sucht ihren Fokus im natürlichen, nicht angelernten Umfang – im Fachjargon wird das als „Tessitura“ bezeichnet. Flórez selbst sagt: „Die Mittellage, also das Zentrum meiner Stimme, hat sich gefestigt, so dass ich mehr Farben denn je aufbieten kann“. Und zwei Jahre zuvor: „Ich war 40 geworden. Da ändert sich viel im Körper. Wenn ich heute Interviews von mir nachhöre, muss ich immer lachen, wie hoch meine Sprechstimme früher klang. Die Gravitation verlangt ihr Recht! Alles hängt irgendwie herunter. Auch die Stimme! Es war der Grund dafür, dass ich mich dann dramatischeren Rollen zugewandt habe“.

Wer sich für Stimmen und ihre Entwicklung interessiert, kann im neuen Repertoire von Flórez Erstaunliches erleben: In der Glocke singt er Verdi: den Herzog aus „Rigoletto“, „Attila“, „I Lombardi“ „I due foscari“ und „La Traviata“. An dieser Auswahl lässt sich sofort die Verantwortlichkeit für seine Stimme erkennen: Es sind die geschmeidig leichten Rollen, weit entfernt vom Heldentenor-Verdi.

Nach einem Ausflug ins virtuose Land der Operetten von Franz Lehár („Land des Lächelns“, „Paganini“ und „Giuditta“) erwartet das Publikum ein weiteres Experiment: das französische Repertoire mit Arien von Massenet und Berlioz. „Die französischen Partien vereinigen Romantik, Passion und Delikatesse, das mag ich sehr“, bekennt Flórez. Er schließt mit „Che gelida manina“ von Puccini, und sicher wird er dann einmal mehr zeigen, wie sehr er mit differenzierten Glanz und Farben seelische Zwischenräume aufspüren und gestalten kann. Eines Tages will und wird er Mozart singen.

Hören und Sehen

Dienstag, 20 Uhr, Glocke, Bremen.

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