John Garcia auf der Suche

Fast schon tragisch

Technische Unstimmigkeiten trübten John Garcias Auftritt.
+
Technische Unstimmigkeiten trübten John Garcias Auftritt.

Bremen - Von Andreas Schnell. Eigentlich hatte John Garcia am Donnerstagabend im Aladin auftreten sollen, so wie beim letzten Mal, als er in Bremen zu hören war, damals allerdings mit der Formation Kyuss Lives.

Und offensichtlich war es vor zwei Jahren nicht zuletzt der Name Kyuss, der ein größeres Publikum anzog. Mangels Nachfrage wurde der Abend dieses Mal kurzfristig in den wesentlich kleineren Club Tower verlegt, der dafür immerhin gut gefüllt war.

Was allerdings auch bezeichnend ist für Garcias Karriere. Seine Projekte wie Slo Burn, Unida und Hermano taten sich stets schwer damit, das Kyuss-Erbe zu transzendieren, während Josh Homme, Gitarrist der legendären Wüsten-Rocker, mit seiner Band Queens Of The Stone Age auf musikalische Weiterentwicklung setzte und damit zugleich enorme Erfolge feierte.

Insofern hatte der Auftritt von Garcia und Band eine fast schon tragische Note. Auch diesmal trat er unter ausdrücklichem Verweis auf vergangene Großtaten an, das Plakat zierte die Verheißung: „playing past & present – from Slo Burn to Kyuss“. Und auch wenn Garcia im vergangenen Sommer sein erstes Album unter eigenem Namen veröffentlichte, auf dem ihm unter anderem Door-Gitarrist Robbie Krieger zur Hand ging, mag er bis heute nicht recht aus dem großen Schatten hervortreten.

Das könnte natürlich immer noch ein nostalgisches Vergnügen sein. Das allerdings durch technische Unstimmigkeiten getrübt wurde. Im vor allem am Anfang undifferenzierten Klangbild ging Garcias markante Stimme oft unter, nur langsam gelang es, einen halbwegs klaren Sound einzustellen. Was dann aber auch nur umso deutlicher werden ließ, dass seine aktuelle Begleitformation keineswegs die Klasse von Kyuss hat. Statt eines visionären Gitarristen wie Homme steht ihm mit Ehren Groban eher ein solider, aber wenig einfallsreicher Blues-Rock-Gitarrist zur Seite, lediglich Schlagzeuger Greg Saenz wusste eigene Akzente zu setzen. Und Garcia selbst hat zwar mittlerweile seine Stimme deutlich besser im Griff als zu Kyuss-Zeiten. Doch wird dadurch die Formelhaftigkeit seines Stils umso deutlicher, der sich in den letzten zwanzig Jahren ebenfalls kaum weiterentwickelt hat.

Dass sich allerdings auch aus dem alten Material noch Funken schlagen lassen, bewies direkt vor Garcias Auftritt die Londoner Band mit dem eigentümlichen Namen Steak: Gelegentlich gefährlich nah am Plagiat konstruieren sie eine gelungene Variante des Genres, mit rollendem Bass und flirrenden psychedelischen Obertönen sowie einem Sänger, dessen Helden Ozzy Osbourne und Glen Danzig heißen dürften. Sie verstehen sich auf Dynamik und Komposition und zeigten in ihrem rund halbstündigen Auftritt nicht nur, wie weit der Einfluss von Kyuss reicht, sondern eben auch, dass daraus auch heute noch schöne Rockmusik entstehen kann. Womit wir bei der dritten Band des Abends wären: Die Eindhovener Komatsu zeigten eher, wie das nicht funktioniert. Durchaus engagiert arbeiteten sie sich an Genre-Konventionen ab und ließen es leider auch hörbar an handwerklicher Akkuratesse mangeln.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Meistgelesene Artikel

Theaterabend vor dem Computer: Online beim dritten Gong

Theaterabend vor dem Computer: Online beim dritten Gong

Ulrich Mokrusch über Schließung wegen Corona: „Eine traumatische Erfahrung“

Ulrich Mokrusch über Schließung wegen Corona: „Eine traumatische Erfahrung“

Yung Kafa und Kücük Efendi: Die neuen Sterne am deutschen Rap-Kosmos - So gut ist ihr Mixtape „Dickicht“

Yung Kafa und Kücük Efendi: Die neuen Sterne am deutschen Rap-Kosmos - So gut ist ihr Mixtape „Dickicht“

Antenne Bayern und Bayern 3 verlieren zahlreiche Hörer - anderer BR-Sender gewinnt

Antenne Bayern und Bayern 3 verlieren zahlreiche Hörer - anderer BR-Sender gewinnt

Kommentare