John Allen veröffentlicht heute sein neues Album „Sophomore“ bei Gunner Records

Wie im Punkrock-Märchen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Hamburg - Von Pascal Faltermann. Das Musikmachen hatte John Allen 2013 fast aufgegeben. Die Gitarre lag schon im Kasten. Doch was dann passierte, erscheint surreal. Für den Neu-Hamburger wird es lebensverändernd. Jetzt, ein Jahr später, veröffentlicht Allen sein Album „Sophomore“ über das Bremer Label Gunner Records. Eine Platte mit folkigem Punk-Flair, das durch die raue, weiche Stimme besticht. - Von Pascal Faltermann.

Ein Punkrock-Märchen: Der Lehrer John Allen, seit zwei Jahren wohnhaft in Hamburg, spielt vor der Halle eines Frank-Turner-Konzertes für seine Freunde ein paar Songs. Plötzlich steht Turner neben ihm und begleitet ihn bei dem Counting-Crows-Cover (Mr. Jones) auf der Mundharmonika. Später steht Allen selbst mit dem britischen Musiker auf der Bühne. Nach dem Konzert werden E-Mail-Adressen ausgetauscht, und einige Wochen darauf kommt die persönliche Einladung von Turner, ihn auf seiner Tour zu begleiten. So tritt Allen plötzlich vor 3000, statt bisher 30 Leuten auf. Die Gitarre verschwindet nicht, sondern mit ihr und Produzent Kay Petersen wird in den Hamburger Elevate Studios „Sophomore“ eingespielt.

All das Erlebte dürfte ihn geprägt haben beim Arbeiten an seiner neuen Platte. Das Album „Sophomore“ wächst aus einem Konglomerat aus Einflüssen. Allens musikalische Heimat liegt zwischen Singer/Songwriter, Folk, Country, Punk und Americana. Vorbilder wie Bob Dylan, Bruce Springsteen und Tom Waits klingen heraus.

Der Name „Sophomore“ kommt dabei aus dem Griechischen und ist ein Mix aus Sophos – ein sehr kluger Mensch – und Moros, jemand, der sehr dumm ist. Musik und Texte sind auf dem Werk ambivalent. Fidel, Hintergrund-Schlagzeug aus der Garage, Akkordeon oder Klavier stempeln neben der Akustikgitarre die zehn Stücke.

„Wenn du nach einem Zuhause suchst, dann gehe dorthin, wo es dein Herz dir sagt“, heißt es übersetzt in dem Song „Home“, bei dem Turner im Background singt. Allen hat sich seine musikalische Heimat gesucht und dabei auch einen Weg gefunden, das Album mit einer Crowdfunding-Campagne zu finanzieren. Selbstironie, ernste Gefühle, kleine Lebensweisheiten und hoffnungsvollen Liebeskummer verarbeitet er in seinen Songs. Es geht um Frauen, in die man sich verliebt, die aber keine Träne wert sind. Hier und da streut Allen englische Flüche ein. Lyrisch ist das reif, die Melodiebögen sind eindringlich. Ein Stück weit ist das Biografiearbeit.

Der erste Song „New Years Day“ zeigt musikalisch die Nähe zu Turner und textlich die Abneigung gegen den Silvesterabend. Wie auch bei dem genannten „Home“ oder dem an Tom Petty erinnernden „Rock‘n‘Roll Romeo“ drückt die Rauheit seiner Stimme den Rock'n'Roll durch. „It's Raining Every Day“ klingt unbehandelt, erscheint wie eine unbearbeitete Demo-Aufnahme und hat dadurch seinen Charme. Und das mit Absicht.

Großartig ist das Klavierspiel des Titels „Famous Last Words“. Bei „Blood Brothers“ klimpert es passend ruhig und leise im Hintergrund. Das Herausstechende an Allens Musik ist die stimmliche Rauheit, als hätte er 20 Jahre lang täglich eine Flasche Whiskey geleert.

John Allen, Sophomore

Gunner Records

CD/LP 11,90 Euro

Mehr Informationen

john-allen.de

gunnerrecords.com

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