Jan Garbarek in der Glocke

Jenseits der Stille

Komplexe Erdung: Jan Garbarek und seine Band in der Bremer Glocke. ·
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Komplexe Erdung: Jan Garbarek und seine Band in der Bremer Glocke.

Bremen - Von Andreas Schnell. Jan Garbarek hat einmal in einem Interview gesagt, nichts schätze er so sehr wie die Stille. Und bei Konzerten falle es ihm jedes Mal schwer, sie zu brechen. Und doch tut er es immer wieder.

Wahrscheinlich tastete er sich deshalb am Donnerstagabend in Bremen auch so langsam und vorsichtig aus ihr hinaus. Mit ein paar sorgsam gesetzten Tönen, unterstützt von sphärischen, fast schon kitschigen Synthesizerflächen.

Und bis es dann doch ein wenig bewegter zuging, dauerte es dann auch eine ganze Weile. Aber Garbarek, sein ständiger Begleiter, der Pianist Rainer Brüninghaus, Bassist Yuri Daniel und der indische Perkussionist Trilok Gurtu hatten auch viel Zeit mitgebracht. Einschließlich einer Zugabe dauerte der Auftritt der Formation zwei Stunden, eine Pause im Set gab es nicht, auch zwischen den Stücken gab es oft keine Unterbrechungen, schufen die Musiker fließende Übergänge. Und als wäre in dieser Zeit also ohnehin schon genug Geräusch, sparte sich Garbarek konsequent jegliche Ansage zu den Stücken oder die Vorstellung seiner Mitmusiker.

So konnten nur Garbarek-Insider wissen, was da genau gespielt wurde. Aber das war wahrscheinlich auch gar nicht so wichtig. Schließlich gab es zwischen den Stücken immer wieder viel Raum für Improvisation, Soli und Zwiegespräche in verschiedenen Kombinationen. Und es waren vor allem jene Momente, in denen der gelegentlich als allzu gefällige, gelegentlich allzu gediegen wirkende Sound Garbareks wohltuend aufgebrochen wurde.

Dabei sorgte grundlegend schon Trilok Gurtu für eine komplexe Erdung der schwebenden Kantilenen Garbareks, und mit einem ausgedehnten Solo, das ihn von klassischen Percussion-Werkzeugen bis hin zu einem mit Wasser gefüllten Eimer durch sein Arsenal führte, sorgte er für einen der Höhepunkte des Abends.

Ein weiterer war das Solo des die meiste Zeit in regungsloser Konzentration spielenden Rainer Brüninghaus, der ein unermüdliches Boogie-Thema immer wieder mit energischem Cluster-Spiel aufbrach, um danach, als wäre nichts geschehen, wieder brav weiterzujazzen. Garbarek selbst glänzte an Tenor- und Altsaxophon mit seinem typischen Sound, gelegentlich mit Hall und Echo-Effekten zugespitzt und ins Freie geführt.

Das Publikum war begeistert, nicht wenige spendeten ihren Applaus im Stehen, auch wenn der Auftritt nicht ohne Längen auskam.

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