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„Jazzahead!“ wieder mit Konzerten vor Live-Publikum

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Von: Ulla Heyne

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„Endlich wieder live“ heíßt es bei der Jazzahead.
„Endlich wieder live“ heíßt es bei der Jazzahead. © Ulla Heyne

Nach der coronabedingten Absage 2020 und einer abgespeckten Version 2021 ist die „Jazzahead“ zurück. Nicht nur mit einem Programm, das endlich Kanada in den Mittelpunkt rückt, sondern auch mit Live-Konzerten.

Bremen – Die Erleichterung ist den Veranstaltern anzumerken: Endlich wieder Jazz, und „Endlich Kanada!“ Nach einer ganz abgesagten Ausgabe 2020 sowie 2021, als die Messe samt Konzerten rein digital über die Bühne ging, habe sich das zweimal vertröstete Partnerland das Präfix redlich verdient, findet die Projektleiterin der „Jazzahead“ Sybille Kornitschky.

Seit der ersten „Jazzahead“ vor elf Jahren ist Kanada das erste nicht-europäische Land, dem ein Schwerpunkt bei den rund 400 Konzerten eines der wichtigsten Treffen der Jazzszene gewidmet wird – und noch dazu eins, das mit zehn Provinzen, mehreren indigenen Völkern und viel „Multi-Kulti“ auch für Vielfalt steht, betont die kanadische Botschafterin in Deutschland Andrea Elisabeth Meyer. Die Besucher haben reichlich Gelegenheit, sich selbst davon zu überzeugen: Neben den „Showcases“, die das Gastland mit Themenabend Kanada featuren, und der Clubnight, wo unter den insgesamt 40 Acts auch jeweils fünf aus dem „Sehnsuchtsland“ im Metropoltheater und in der Schaulust zu hören sind, stehen auch das Galakonzert mit Laila Biali und Malika Tirolien in der Glocke sowie das Eröffnungskonzert mit Soulsängerin Erin Costello ganz im Zeichen des Gastlandes.

Zahlreiche Veranstaltungen flankieren das Festival

Die vielen unterschiedlichen Strömungen des Partnerlandes manifestieren sich nicht nur in den musikalischen Beiträgen, sondern auch in einer Vielzahl von Veranstaltungen, die die „Jazzahead“ flankieren – von Lesungen über Theater und Ausstellungen bis zu gleich fünf Tanzproduktionen. Meyer freut sich nicht nur, dass ihr Land sich in seiner Diversität präsentieren darf, sondern auch über den internationalen kulturellen Austausch: „Hierdurch werden diplomatische Beziehungen gestärkt.“ Expliziter muss sie nicht machen, dass der Ukrainekrieg auch die „Jazzahead“ überschattet. „Kunst muss Stellung beziehen, sie kann per se nicht unpolitisch sein“, stellt der künstlerische Leiter Uli Beckerhoff klar. Zum ersten Mal hatte die Ukraine sich als Messeaussteller angemeldet, man ist auch in diesen Tagen mit dem Kulturinstitut des Landes in Kontakt. „Jetzt erst recht“, sei dort die Devise beim Bestreben, trotz aller Schwierigkeiten ukrainische Künstler wie geplant auf die Bühne bringen.

Denn die Live-Konzerte, sie stehen neben der Fachmesse auch in dieser Ausgabe im Vordergrund. Hybrid wird nur die Messe selbst abgehalten; das Fachpublikum kann sich online dazuschalten. Der Versuchsballon im Vorjahr, die live gestreamten Konzerte später einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, habe sich nicht gelohnt, stellt Kornitschky fest: „Der Aufwand war zu groß, die Resonanz angesichts des Überangebots im Netz relativ klein.“ Immerhin: Eine Neuerung ist denn doch dem Exkurs in die digitale Welt zu verdanken, nämlich das Zelt auf der Bürgerweide. Ursprünglich nur zur Übertragung eines Großteils der Showcase-Konzerte geplant – die Planungsunsicherheiten angesichts der Pandemie lassen grüßen –, soll es nun auch für Live-Konzerte genutzt werden. Dort geben sich am 30. April, dem letzten Abend, Künstler das Mikro in die Hand, die einer besonderen Kooperation entspringen, nämlich Nominierte des Deutschen Jazzpreises. Der zum zweiten Mal verliehene „Echo“-Nachfolger der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, hält in Bremen Einzug. „Eine positive Allianz“, findet Tina Sikorski, Geschäftsführerin der Initiative Musik, die vom idealen Nährboden und der internationalen Strahlkraft der Hansestadt schwärmt. Nach der Verleihung der Preise in sieben der insgesamt 31 Kategorien werden vier der Nominierten am 27. April auch live zu erleben sein, und das symbolträchtig im Metropoltheater, wo die Idee zur „Jazzahead“ vor elf Jahren ihren Ursprung hatte. Mit vier Künstlerinnen ist nicht nur dieser Abend von Frauenpower geprägt.

Hoher Frauenanteil

Der hohe Frauenanteil sei jedoch nicht nur Verdienst der Veranstalter, sondern spiegele die Szene wider – sagt einer, der es wissen muss: Der künstlerische Leiter Uli Beckerhoff hat sich mit seinem Mitstreiter Peter Schulze vorab die Musik der 800 Bewerber dieses Jahr angehört. „Frauen spielen im Jazz eine Rolle, nicht nur am Mikro oder Klavier, sondern auch an so gut wie allen anderen Instrumenten und als Bandleiterinnen“, so der Jazztrompeter. Ein Umstand, der den ehemaligen Professor für Jazztrompete an der Folkwang Hochschule in Essen ungemein begrüßt: „Frauen spielen anders, sie bringen eine andere Emotionalität und Stimmung in Bands ein.“ Der Grund für die hohe Präsenz im Vergleich zu anderen Musikstilen sei immanent: „Der Jazz bietet mehr Freiräume, mehr Platz, sich Freiheiten zu nehmen!“

Akute Sorgen um die durch die Pandemie gebeutelte Jazzszene müssen sich die Veranstalter nicht machen; statt der sonst üblichen 1 000 Bewerbungen gingen immerhin 800 ein, Absagen habe es keine gegeben. Langfristig sind Beckerhoffs Prognosen allerdings nicht so positiv: Die Anzahl derjenigen, die sich für ein Studium einschreiben, sei in den vergangenen beiden Jahren stark zurückgegangen.

Tickets sind erhältlich

Für einen Großteil der Veranstaltungen im Rahmen der „Jazzahead“ wie die Showcases vom 28. Bis 30. April, die Clubnight am 30. April, das Galakonzert am 29. April und das Eröffnungskonzert am 14. April mit Erin Costelo im Theater am Goetheplatz sind, ebenso wie für die Verleihung des Deutschen Jazzpreises am 27. April, bereits Karten erhältlich. Tickets gibt es unter jazzahead.de

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