Die Jazzahead feiert ihre zwölfte Ausgabe

Finnische Wochen

Tausendsassa Jimi Tenor (m.) ist mit Tenors Of Kalma im Rahmen der Finnish Night in Bremen zu Gast. - Foto: Maarit Kytöharju

Bremen - Von Rolf Stein. Ob der Umstand, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich die Veröffentlichung der ersten Jazz-Schallplatte zum hundertsten Mal jährt, auch Finnland als eigenständiger Nationalstaat seine ersten hundert Jahre feiert, mehr ist als nur Zufall, weiß Peter Schulze, gemeinsam mit Uli Beckerhoff künstlerischer Leiter der Jazzahead, nicht zu sagen. Dass ausgerechnet in diesem Jahr Finnland das Partnerland der Jazzahead ist, scheint zumindest nicht von langer Hand geplant. Aber es ist natürlich eine schöne Geschichte.

Und die nimmt man gern mit. Denn beim zwölften Mal sind Dinge in der Regel einfach nicht mehr ganz so spannend wie beim ersten Mal. Was andererseits alles andere als schlecht ist. Aber da erst im vorvergangenen Jahr zehn Jahre Jazzahead gefeiert wurden und zudem die Zeiten rasanten Wachstums vorerst vorbei sind, ist beim Branchentreff mit Festival eine Art Alltag eingekehrt.

Klar gibt es auch dieses Jahr wieder eine Club Night, ganz selbstverständlich auch ein Gala-Konzert, und kulturell ist in der ganzen Stadt seit Jahren schon ein Partnerland präsent.

Allerdings garantieren freilich schon diese alljährlich wechselnden Partner, die für Kontext und, pardon, Content sorgen, dass die Routine eine relative ist. Dass die Jazzahead in diesem Jahr Finnisch feiert, wissen aufmerksame Zeitungsleser spätestens seit der Eröffnung der Ausstellung „Dreamaholic“ mit moderner und zeitgenössischer finnischer Kunst in der Weserburg, die, also die Eröffnung, sozusagen das Soft Opening der diesjährigen Jazzahead war.

Jazz funktioniert als universelles Prinzip

Das seit einigen Jahren das Vorfeld der Messe bestimmende Kulturfestival beginnt am Samstag kommender Woche mit einem bunten Programm im Theater am Goetheplatz. Allerdings tut sich auch vorher schon etwas. So eröffnet heute im Haus der Bürgerschaft in Bremen eine Ausstellung mit Arbeiten des finnischen Fotografen Stefan Bremer und seines irakischstämmigen Kollegen Ahmed Alalousi. Unter dem Titel „Borderline“ zeigt Bremer Fotografien von Geflüchteten, die wiederum als Bild im Bild die wichtigste Fotografie zeigen, die sie auf ihrem Smartphone haben. Momente der Flucht, die Dokumentation einer geglückten Überfahrt, aber auch Bilder von Familie und Freunden daheim sind zu sehen. Alalousi seinerseits zeigt Bilder seiner Heimatstadt Mossul, die er verließ, als die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kam und die Stadt, wie Alalousi sie kannte, zerstörten.

Mit Jazz hat das zunächst nichts zu tun – und mit Finnland auch eher vermittelt. Migration, Flucht – das gibt es schließlich überall. Aber natürlich liegt genau da der Hase im Pfeffer. Die Welt ist ja nicht erst seit gestern ein Schauplatz von Wanderungsbewegungen, Vertreibung und Verschleppung. Und so wären wir dann doch wieder beim Jazz, der bekanntlich eine Erfindung der Nachkommen afrikanischer Sklaven ist.

Dass er andererseits als globale musikalische Sprache, als universelles Prinzip funktioniert, dürfte sich im Rahmen der Jazzahead-Messe erweisen, auf der sich 40 von Fachleuten aus 600 Bewerbungen ausgewählte Bands präsentieren, verteilt auf die German Jazz Expo, eine Overseas Night und das European Jazz-Meeting sowie die Finnish Night. Denn das Recht der ersten Nacht hat traditionell das Partnerland. Acht Bands aus Finnland sind also dann zu erleben, wie gewohnt im fliegenden Wechsel auf drei Bühnen, von denen zwei in Halle 7 aufgestellt sind, eine im benachbarten Kulturzentrum Schlachthof.

Die Pausen lassen sich einschlägig mit finnischem Streetfood und in einer Sauna verbringen – oder beim Spätprogramm mit finnischen Sounds im Magazinkeller des Schlachthofs.

Das Jazzahead-Festival eröffnet am Samstag kommender Woche um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz; die offizielle Eröffnung der Jazzahead-Messe ist am Donnerstag, 27. April, 17 Uhr, Halle 7, Messe Bremen; bereits heute Abend um 18 Uhr wird in der Bremer Bürgerschaft die Ausstellung „Borderline – meine allerwichtigste Fotografie“ eröffnet, die bis zum 8. Mai montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr zu sehen ist. Mehr unter: www.jazzahead.de.

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