Till Brönner & Band im Bremer „Modernes“

Als der Jazz den Funk entdeckte

Till Brönner im Bremer „Modernes“. ·
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Till Brönner im Bremer „Modernes“. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingEs ist ein Programm für kleinere Clubs. Till Brönner mag größere Häuser füllen können. Doch wenn sich Deutschlands bekanntester Jazzer auf sein Kerngeschäft konzentriert, bleibt auch bei ihm der Publikumszulauf überschaubar.

Dass es am Donnerstag im Bremer „Modernes“ nicht drangvoll ist, tut der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Diejenigen, die gekommen sind, wissen mit dem Auftritt des Brönner-Quintetts was anzufangen. Man genießt Grooves, eingängige Themen und ausgreifende Improvisationen.

Mitgebracht hat Brönner viel Material seiner aktuellen CD. Die ist seit einer Woche im Handel und trägt als Titel schlicht den Namen des Trompeters. Viele Eigenkompositionen sind dabei, aber auch Klassiker etwa von Freddie Hubbard, den Brönner hier nicht nur als ein trompeterisches Vorbild würdigt, sondern auch als Stellvertreter einer besonderen Epoche, die in CD und Konzert neu auflebt.

Schon Besetzung und Instrumentarium verweisen auf die 70er Jahre, in denen Jazzer Elektronik und Pop-Sound entdeckten. Pianist Jasper Soffers legt am Fender Rhodes den instrumententypischen Teppich aus halligen Akkordflächen und prägnanten Riffs. Christian von Kaphengst bildet ein klangvolumenreiches und zugleich pointiertes E-Bass-Fundament, das allerdings durchaus mehr perkussive Höhenanteile vertragen könnte. Immer wieder ein Genuss in der Mischung aus Drive, Coolness, Spielwitz, sicherstem Begleitdienst und solistischer Brillanz ist Wolfgang Haffner. Sein ebenso dramaturgisch gekonntes wie entfesseltes Solo kann als einer der Höhepunkte des Abends gelten.

Mit den ersten beiden Songs, die auch das Album einleiten, setzen Brönner und Saxofonist Magnus Lindgren die klanglichen Grundfarben und musikalischen Leitstrukturen des Konzerts: Funkig treibende Themen in reibungsvollem Bläsersatz, virtuose Soli und Dialoge zwischen Trompete und Saxophon, deren Wettstreit- und Gesprächscharakter die beiden Bläser am Ende unterhaltsam persiflieren.

Brönner schöpft auf höchstem technischen Niveau aus einem breiten Repertoire, schließt an bluesige Patterns auch schon mal klassisches Laufwerk an, lässt Pop-Gängiges auf harmonisch freie Passagen treffen, kühl Beherrschtes auf Expressives. Lindgren ist gleichfalls ein exzellenter Musiker mit einer Phrasierungsbandbreite, die vom fast aufreizenden Laid-Back bis zum Furor auf der Überholspur reicht. Beide Bläser nutzen reichlich Effektgeräte, können‘s aber auch pur. In der Ballade „Lazy Afternoon“ artikuliert Brönner vom gehauchten Tupfer bis zur hart konturierten Linie, vom Fragment bis zur ausformulierten melodischen Sequenz. Gesungen hat er diesmal nicht. An lyrischen und kantablen Passagen fehlte es neben dem Funk-Feuerwerk dennoch nicht.

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