Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“

Jauchzen und frohlocken – auch am Werktag

Kreiszeitung Syke
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Syke - Von Johannes Bruggaier. Vieles ist verzichtbar von all der vorweihnachtlichen Klangpracht. Ohne „Stille Nacht“ und „Oh du Fröhliche“ zum Beispiel lässt es sich immer noch bestens auskommen.

Und den Popschlagern mit Glockengebimmel sollte man ohnehin entsagen, wo es nur geht. Das alles ist verzeihlich, wenn nicht gar zu wünschen, solange nur dieses eine Werk im CD-Regal zu finden ist: das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach.

Wer dieses Opus Magnum weihnachtlicher Musikliteratur noch immer nicht sein eigen nennt, dem bietet sich jetzt eine neue Gelegenheit. Das Label „Berlin Classics“ hat den Live-Mitschnitt eines Konzerts in der Dresdner Frauenkirche veröffentlicht – und für die Bewerbung dieses Produkts einen reichlich unorthodoxen Weg gewählt. Keineswegs nämlich, so heißt es, seien darin „angereiste Weltstars“ zu hören. Vielmehr wirkten ausschließlich Musiker, die „zur Frauenkirche und ihrem Umfeld gehören“ mit. Es gehe um das „besondere Identitätsgefühl“.

Nun sind natürlich auch „im Umfeld“ der Frauenkirche befähigte Sänger und Instrumentalisten zu finden. Die Sopranistin Jana Büchner oder der Tenor Markus Brutscher zum Beispiel. Und auch im „ensemble frauenkirche“ benannten losen Zusammenschluss von Dresdner Musikern stößt man auf manchen bekannten Namen wie etwa Thomas Käppler, Solopauker der Staatskapelle Dresden.

Dessen Schläge sind es dann zwar auch, die etwas allzu ruppig die Eingangskantate „Jauchzet, frohlocket!“ aufmischen. Dafür besticht das Ensemble mit einem klaren Klangbild und ausgewogener Dynamik. Dass entgegen dem Trend ein modernes Instrumentarium dem barocken bevorzugt wird, ist zu würdigen: Dem an sich schon problematischen Streben nach historischer Authentizität setzt das Ensemble unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert eine Idealvorstellung im Geiste Bachs entgegen. Das mag konventionell erscheinen und offenbart in der Phrasierung manchmal eine Tendenz zum Effekt. Vor allem aber zeigt sich darin ein Mut zur Bestimmtheit, zur scharfen Ausformulierung und präzisen Akzentuierung.

Bach selbst hatte an eine Aufführung der einzelnen Teile an den Sonn- und Feiertagen nach Heiligabend gedacht. An diese Hörempfehlung muss man sich nicht halten: Das „Weihnachtsoratorium“ ist auch werktags großartig.

Johann Sebastian Bach: „Weihnachtsoratorium – Live aus der Dresdner Frauenkirche“, Berlin Classics; 2 CDs, 20,99 Euro.

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