Riesenhaft und wundervoll: Tanztheater „Cry Love“ in Osnabrück

Irritierende Herzschläge

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Zum Weinen schön: Szene aus „Cry Love“. ·

Von Beate BößlOSNABRÜCK · Es ist die Stärke von Osnabrücks Tanzchefin Nanine Linning, Körper-, Bild- und Klangsprache verschmelzen zu lassen. In „Cry Love“, ihrer aktuellen Inszenierung im Theater am Dom, geschieht das erneut, jedoch auf eine bisweilen fast schmerzhaft zu ertragende Weise.

Gleich anfangs nämlich hängen die Tänzer kopfüber und für lange Minuten von der Bühnendecke. Das Publikum betritt derweil nicht über die normalen Seiteneingänge den Saal, sondern darf – wie bereits bei „Requiem“ – zunächst selbst ganz nah heran: Erst ein Rundgang über die spätere Tanzfläche, mit kurzen, besorgten Blicken nach oben, eröffnet den Weg auf die Sitzplätze.

Nicht wenige mögen dabei an geplatzte Adern gedacht haben. Oder an Menschen, die in misslicher Lage den Stillstand einer Achterbahn erleben müssen. Auf die Liebe bezogen, um die es in den gut 70 weiteren Minuten geht, scheint diese Assoziation nicht die unpassendste.

Entspannen kann man sich jedenfalls erst, als alle abgeseilt sind und, man mag es wirklich sagen, endlich getanzt wird. Dies wiederum geschieht intensiv, ästhetisch und in oft atemberaubenden Formationen. Alles kreist nun um Gier und die Begierde, um Eifersucht und Traurigkeit, um kämpfen – und gewinnen, manchmal. Besonders faszinierend aber sind die grandiosen, fast meditativen Tanzprojektionen, die das gesamte Stück durchziehen. Die Bühne ist vorn und auf der Rückseite mit transparentem Stoff bespannt, auf der Aufnahmen im Grundfarbton Orange lodern. Zu sehen sind ebenfalls die Tänzer aus Linnings „Amsterdamer Company“. Nahaufnahmen ihrer Gesichter, manchmal auch zusammengerollte Körper, die schwerelos wirken. Dass es sich um Unterwasseraufnahmen handelt, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, daran, dass hin und wieder winzige Wasserbläschen ausgeatmet werden.

Die Musik klingt derweil insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig und meist, als würden quälend langsam über die Saiten von Geige und Cello gezogen. Später kommt ein schneller, irritierender Herzschlag dazu. Just als man meint, es sei genug der Liebe, wird „Cry Love“ zum Weinen schön: Die Projektion zeigt nun Tänzer, riesenhaft und wundervoll, die scheinbar von innen in den Saal zu springen versuchen, während die realen Tänzer winzig auf der Bühne entschwinden.

Weitere Vorstellungen von „Cry Love“: unter anderem am 18., 25. und 20. Dezember sowie am 6. Januar, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Dom, Osnabrück.

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