„Irish Celtic“ beleuchtet im Musical Theater Bremen die Seele Irlands – den Pub

Darauf ein Guinness

+
Zum Fässerschleppen ist er zu schmächtig, aber beim Besentanz macht ihm so schnell keiner etwas vor: Diarmuid Meade.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Anträge, Hochzeitsfeiern, trauernde Familien, Auswanderer kurz vor ihrer Reise in eine ungewisse Zukunft – an irischen Theken passiert viel. In mehr als hundert Jahren sogar ziemlich viel. Denn so lange gibt es den Pub „Irish Celtic“ schon – zumindest wenn man seinem Besitzer glauben mag. Am Freitagabend öffnet Paddy Flynn im Musical Theater Bremen die Türen zu seiner traditionsreichen Kneipe und zur irischen Seele.

Tatsächlich glaubt man nach zwei Stunden, ihr nun endlich auf die Spur gekommen zu sein, der Anziehungskraft der grünen Insel. Die Rolle des Reiseführers übernimmt an diesem Abend der Kneipier (Jonathan Agar) höchstpersönlich, natürlich stilecht mit einem Glas Guinness in der Hand und dem wichtigsten irischen Wort auf den Lippen: Sliánte. Vom Widerstand gegen die Engländer und der Koalition mit den Kämpfern um „Braveheart“ William Wallace erzählt er, auch die Titanic kommt in diesem Ritt durch die irische Geschichte vor. Immerhin waren es vor allem Flynns Landsleute, die die Pritschen der dritten Klasse belegten und mit dem Boot untergingen. Den Grund für das Versinken kennt der Kneipenbesitzer übrigens auch: die Engländer. Wenn die beim Bau oder hinter dem Ruder eines Schiffes ihre Hände im Spiel haben, kann dabei nichts Gutes herauskommen. Wenn aber die Iren mit anpacken, dann sieht das ganz anders aus, sagt zumindest Paddy Flynn. Der übrigens nicht tanzen kann, zumindest überlässt er das an diesem Abend dem 14-köpfigen Ensemble.

Der Tanz, das ist es doch, was jeder, egal ob er schon einmal dort war oder nicht, mit Irland verbindet. Hohe Erwartungen also, die von den Tänzern noch übertroffen werden. Beeindruckend, wie die Männer und Frauen beim Step-Dancing blitzschnell die Hacken vor den Beinen zusammenschlagen, nur um diese Bewegung einen Wimpernschlag später hinter dem Körper zu wiederholen. Dabei toben sie sich nicht nur auf dem Boden aus, auch die großen Whiskyfässer und die Theke werden kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert. Immer untermalt von der unnachahmlichen Geräuschkulisse der im Takt anziehenden Füße beim Jig, die den Wunsch untermauern, doch lieber Ire zu sein, ein Schuhplattler sieht nicht halb so elegant aus.

Doch der Tanz der grünen Insel besteht nicht nur aus Step-Elementen in der Gruppe, es ist auch der Sean-nós dance. Aus Connemara und Munster stammend, sind seine Regeln nicht so streng wie beim Step-Dance: Hier dürfen auch die Arme mitschwingen und die Füße geben stampfend den Takt an. Einer, der es in dieser Disziplin bereits zum Meistertitel gebracht hat, ist Diarmuid Meade. Im Musical Theater gibt er den Sohn des Kneipiers, der eines Tages den „Irish Celtic“ übernehmen soll, sehr zum Leidwesen seines alten Herren. Der ist so gar nicht zufrieden mit seinem Spross, den ganzen Tag tanzt sein Filius nur mit seinem Besen herum, zum Schleppen der Fässer ist er zu schmächtig, und die Frau fürs Leben hat er auch noch nicht gefunden. Das ist natürlich enttäuschend, obwohl dem zukünftigen Pub-Besitzer beim Brush Dance keiner so schnell keiner etwas vor macht. Keine Überraschung, lernte Meade den Tanz doch bereits als Kind. Zu den rhythmischen Klängen der Band hüpft er über dem auf dem Boden liegen Besen, nur um den Stiel wenig später auf Hüfthöhe hochzuheben – und trotzdem noch sein Bein ohne eine Berührung hinüberzuschwingen.

Überhaupt die Band, sie ist der dritte Pfeiler dieses Abends. Fünf Musiker sind es, die in einer Ecke Position bezogen haben, fast genauso wie in einer „echten“ irischen Kneipe. Passend zu den Geschichten, die Paddy Flynn zum Besten gibt, spielen sie mit Geige, Knopfakkordeon, Gitarre und den Uilleann Pipes bewaffnet träumerische Weisen oder Stücke aus den Soundtracks der Hollywood-Streifen „Titanic“ und „Braveheart“. Doch nicht nur das, auch irische Volkslieder wie „Whisky In The Jar“ oder „Wild Rover“ gehören zu ihrem Repertoire, das die Pubatmosphäre ziemlich schnell bis in die Zuschauerränge ausdehnt. Dort wird mitgesungen und geklatscht, was das Zeug hält, so schnell werden aus Bremern Iren ehrenhalber.

Die ihre Wahl besonders nach dem letzten Stück nicht bereuen: „The Parting Glass“ in einer A-cappella-Version von den männlichen Mitgliedern des Ensembles gesungen. Das alte Lied wird traditionell zum Ende eines Treffens mit Freunden angestimmt – irgendwie treffend zu einem Abend, der Irland vor allem eines verschafft hat: jede Menge neue Freunde.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Ihrer Zeit voraus

Ihrer Zeit voraus

Jeder Scheinwerfer ein Universum

Jeder Scheinwerfer ein Universum

Kommentare