Zum ersten Mal in Deutschland

Das Gerhard-Marcks-Haus zeigt Ricardo Brey

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Raum für persönliche Wahrnehmung: Ricardo Breys Arbeit „Spieluhr“ aus dem Jahr 2019.

Bremen - Von Frank Schümann. Es ist leicht und fast schwebend, wie Ricardo Brey im Bremer Gerhard-Marcks- Haus auftritt. Dort, wo er ab 1. Dezember für drei Monate ausstellt: leicht und schwebend wie seine Kunst. Das Schwebende, das Fließende, das sich treiben lassen (gleich Adrift) ist nicht nur ein zentrales Thema im Werk des Bildhauers, Zeichners und Installationskünstlers, sondern auch im Leben von Ricardo Brey, der 1955 in Havanna geboren wurde und der seit 1991 in Belgien lebt. Er habe sich auf Kuba immer wie ein Fremder gefühlt, sagt Brey: „Es fühlte sich selbstverständlich an, wegzugehen. Wie ein weiterer Schritt. Ich war der Erste in der Gruppe, der gegangen ist. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich etwas verlor. Was ich brauchte, kam alles mit mir.“

In jedem karibischen Menschen sei ein Universum enthalten, schreibt Erica Moiah James in einem Essay, das dem parallel zur Ausstellung erscheinenden Buch „Ricardo Brey – Adrift“ vorangestellt ist: „Karibisch zu sein bedeutet, deine eigene Existenz als fließend, unfixiert, (…) weltlich und heilig, individuell und verbunden sowie unendlich menschlich zu verstehen.“ Ricardo Breys Werk reise durch dieses Universum, schreibt James weiter – und schafft damit eine Beschreibung seines Werks, wie sie kaum besser möglich ist.

Denn die Arbeiten von Brey, von denen etwa 70 im Gerhard-Marcks-Haus zu sehen sind – teils Zeichnungen, teils Assemblagen und Installationen – zeigen zwar offensichtlich, wie der Künstler sein altes mit seinem neuen Leben verbindet. Darüber hinaus lassen sie in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Poesie aber auch sehr viel Raum für persönliche Wahrnehmungen – und birgen viele Geheimnisse, die es zu ergründen gilt. Wenn man das denn will. So wie die Boxen, die in einem der Museumsräume ausgestellt sind, und von denen immer wieder andere geöffnet werden. Wie das verbeulte Rad mit dem Titel „Du wirst nie erraten, was als nächstes kommt“, das an eine Planetenkonstellation erinnert, oder auch wie manche der Zeichnungen, die auf deutsch „Erster Traum“, „Realität“ oder „Hölle“ heißen.

Bereits 1981 war es, als der damals noch junge Künstler in seiner kubanischen Heimat bei den Mächtigen aneckte – als Teilnehmer der Gruppenausstellung „Volumen I“ war er in einen handfesten Skandal verwickelt. Zudem knüpfte seine Kunst schon damals an westliche Strömungen an, was in seiner Heimat natürlich verpönt war. So war seine Ausreise zehn Jahre später genauso folgerichtig wie der Umstand, dass seine Kunst seither vom „zwischen den Kulturen leben“, vom Menschsein an sich und von der Vergangenheit erzählt und dabei immer wieder auch die Beziehung zwischen Mensch und Natur in den Vordergrund stellt – versehen mit einem, wie erwähnt, eminent großen Interpretationsspielraum.

„Er will uns nicht sagen wie manch anderer, was wir denken sollen“, sagt Direktor Arie Hartog und führt dies als möglichen Grund dafür an, dass Brey in Deutschland noch nicht so bekannt ist – in diesem Land der Denker. Dabei schrieb er hier bereits vor fast 30 Jahren Geschichte, war er doch der erste kubanische Künstler, der auf der Documenta in Kassel ausstellte; 1992, ein Jahr nach seiner Ausreise aus Kuba. Im niederländisch-belgischen Raum, in dem Brey seither lebt, ist das naturgemäß anders, wird Breys Werk sehr stark wahrgenommen und geschätzt. Das Interesse an der Kunst des Exil-Kubaners stieg in den vergangenen Jahren stetig an, was auch an seiner Teilnahme an der Biennale 2015 lag. Hartog hofft nun natürlich, dass das Interesse an Brey künftig auch hier wächst: „Wir sind in Deutschland die Ersten, die ihn ausstellen – und ich glaube, es ist ein sehr guter Zeitpunkt.“

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