Ingo Metzmacher präsentiert das Programm der Kunstfestspiele Herrenhausen

Keine Angst vor Freitag, dem 13.

Eine Art Kronos Quartet in Jung: Das Jack Quartet
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Eine Art Kronos Quartet in Jung: Das Jack Quartet

Hannover - Von Jörg Worat. „Vor dem Datum habe ich keine Angst“, sagt Ingo Metzmacher. Dass die „KunstFestSpiele Herrenhausen“ an einem 13. beginnen, der zudem ausgerechnet auf einen Freitag fällt, scheint den neuen Intendanten in der Tat wenig zu beeindrucken.

Gut gelaunt stellt Metzmacher sein Programm vor und gebraucht dabei regelmäßig Formulierungen wie „sehr spannend“. Besagter 13. ist übrigens der des Monats Mai, womit die erste Neuerung schon benannt wäre – zuletzt fand das Festival vorwiegend im Juni statt. „Es soll jetzt immer früher starten“, kündigt Metzmacher an. „Der Mai ist ein Monat des Aufbruchs.“ Am 29. ist diesmal Schluss, dann wird es rund 50 Veranstaltungen mit 21 Produktionen gegeben haben.

Einst hieß die Veranstaltungsreihe „Festwochen Herrenhausen“ und bestand größtenteils aus gediegenen Barockkonzerten. Als Elisabeth Schweeger 2009 die Intendanz übernahm, sorgte sie mit einem spartenübergreifenden Programm avantgardistischer Prägung für Aufsehen, Befremden und teils erbitterte Diskussionen, fand schließlich aber doch ihr Publikum. Kam Schweeger vom Theater, ist Metzmacher ein Mann der Musik, gerne auch zeitgenössisch – Pianist und Dirigent beim „Ensemble Modern“, Generalmusikdirektor in Hamburg, Chefdirigent in Amsterdam und Berlin sind einige Stationen seiner Karriere.

Dass Hannover eine derart renommierte Persönlichkeit gewinnen konnte, hat sicherlich damit zu tun, dass Metzmacher hier geboren wurde und an der hiesigen Hochschule studiert hat, wo wiederum Vater Rudolf, ein Cellist, als Professor tätig war. Das Hören steht also bei dieser Familie im Mittelpunkt, und als Präambel zum Festival ist denn auch am 12. Mai ein Gespräch im Herrenhäuser Schloss angesagt: „Wer Ohren hat – Wie wir das Hören neu lernen können“.

„Wie Sie hören, hören Sie nichts“ könnte derweil das Motto der Videoinstallation von Melanie Manchot lauten, die an diesem Abend in der Orangerie eröffnet wird: Paare tanzen auf einem Pariser Platz, bewegen sich nach unterschiedlichsten Rhythmen, weil sie und nur sie per Kopfhörer die jeweilige Musik vernehmen.

Tags darauf zieht es Metzmacher in seine Hochschule zurück, wo er einen echten Kracher präsentieren wird: Steve Reich, der Nestor der Minimal Music, wird mit seiner Gattin, der Videokünstlerin Beryl Korot, zugegen sein, wenn das „Ensemble Modern“ die „Three Tales“ zu Bildern spielt, die vom Unglück des Hindenburg-Zeppelins, den Atombombenversuchen auf dem Bikini-Atoll und dem Klonschaf Dolly handeln, also von den Grenzen der Wissenschaft. Zudem wird erstmals das Stück „WTC 9/11“ aufgeführt, eine musikalische Spiegelung der Ereignisse des 11. September 2001.

Am 15. Mai stehen im wiedereröffneten Kuppelsaal Arnold Schönbergs „Gurre-Lieder“ auf dem Programm. Metzmacher selbst dirigiert zwei örtliche Orchester, zehn lokale Chöre und Solisten wie Anja Kampe und Thomas Quasthoff. Besonderheit: Bei freier Platzwahl werden Karten für 14 Euro angeboten. „Ich möchte“, so der Intendant, „dass auch Besucher mal ganz vorn sitzen, die sich das sonst nicht leisten können.“ Der vorletzte Festivaltag sieht ein Nachtkonzert von 23 bis 4 Uhr im Galeriegebäude vor, bei dem das Jack Quartet, eine Art Kronos Quartet in jung, das Gavin Bryars Ensemble und Metzmacher als Pianist auftreten (O-Ton: „Ich spiele Satie, weiß aber noch nicht, was.“)

Zum Finale sind 60 Schlagzeuger im Großen Garten beim Stück „Inuksuit“ von John Luther Adams zugange. Und bevor der Verdacht aufkommt, das Festival böte nur Konzerte: nein, keineswegs. Am 22. heißt Maguy Marins Tanzperformance zwar „Singspiele“, die akustische Ebene steht aber gerade nicht im Vordergrund, wenn Akteur David Mambouch mit Kleidungsstücken und vors Gesicht gehaltenen Fotos ständig die Identitäten wechselt. „Recompose“ vom samoanisch-neuseeländischen Multikünstler Lemi Ponifasio soll am 14. „Installation-Zeremonie/Performance-Dialog“ vereinen.

Ganz genau genommen geht das Festival übrigens schon am 21. April los: Dann nämlich gehen draußen im Großen Garten Klanginstallationen in Betrieb, deren Aufbau Carsten Seiffarth kuratiert hat. „Das wird“, sagt Ingo Metzmacher, „sehr spannend.“

Der Vorverkauf hat begonnen, nähere Informationen zu Inhalten und Tickets im Internet: kunstfestspiele.de.

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