Bremer Pianist Parvis Hejazi gibt sein Debüt bei den Philharmonikern

Immer mit Druck nach vorn

Marco Letonja
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Marco Letonja

Bremen – Wie schön, dass vielleicht einer der großen Pianisten der Zukunft aus dem Bremer Ostertor stammt! Wobei sich das „Vielleicht“ nach dem ersten Philharmonischen Konzert dieser (196.) Spielzeit in ein „wahrscheinlich“ verwandelt. Der 21-jährige Parvis Hejazi, Student an der Londoner School of Music, gab gestern sein Debüt bei den Bremer Philharmonikern. Insider sprechen schon lange von ihm, spätestens seit seiner Studienzeit als Jungkomponist und Jungpianist an der hiesigen Hochschule für Künste. Nun spielte er Ludwig van Beethovens zweites Klavierkonzert op. 19 und war damit gut beraten. Denn dieses 1793 bis 1795 entstandene Werk entsprach seinem Alter und seinem Anspruch ideal. Der Komponist war damals 24 Jahre alt und hatte den Anspruch, sich in Wien mit diesem Werk erfolgreich vorzustellen – es gelang. So auch Hejazi. Dieser überzeugte durch strukturelle Klarheit, eine feine und nuancenreiche Anschlagskultur, pfiffige Artikulationen. Wunderschön poetisch erklang der zweite Satz, und die vertrackten Synkopen des letzten Satzes sind wie immer beim Hören dieses Werkes unvergesslich. Insgesamt war auch sehr eindrucksvoll eine grundsätzliche Haltung und Begabung Hejazis: immer einen mitreißenden Druck nach vorn zu haben, ohne aufzudrehen.

Begleitet wurde er von den Bremer Philharmonikern unter Marko Letonja, der mit diesem Abend erneut beweisen konnte, dass seine Wahl als Generalmusikdirektor richtig war. Die Londoner Sinfonie Nr. 96 aus dem Jahr 1791 von Joseph Haydn mit dem Titel „The Miracle“ und das Divertimento für Streichorchester von Béla Bartók (1940) waren „wundervoll“– so der Titel des Programms – geeignet, den historischen Stellenwert von Beethoven zu verdeutlichen. Ebenso vorsichtig wie prägnant wurden die andauernden Überraschungen der Haydn’schen Klangsprache herausgearbeitet: unerwartete und geheimnisvolle Modulationen, fetzige Spontaneitäten und hochdramatischer „Sturm und Drang“ ergänzten sich mitreißend. Nicht unerwähnt bleiben soll das große Oboensolo im Trio des Menuetts. Bartók füllt die barocke Form des Concerto grosso – also den Wechsel zwischen Solostimmen und dem Orchester – mit seiner originellen, ungarisch verwurzelten Klangsprache aus. Schön gelangen die Soli der ersten Pulte, erschütternd der Trauermarsch, frech-ironisch die Pizzicati, die einen Salonstil parodieren. In den herzlichen Applaus mischte sich die Dankbarkeit, dass es jetzt wieder weitergeht – wenn auch unter sehr veränderten Vorzeichen.

Hören

Heute und morgen um 19.30 Uhr in der Glocke.

Von Ute Schalz-laurenze

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