Mehr als 150 Arbeiten sind im Künstlerhaus Güterbahnhof zu sehen

Mensch und Natur aus Sicht der Blaumeier-Künstler

Ein aus  Capri-Sonne-Verpackungen bestehender Kreis hängt zwischen zwei Stahlträgern im Bremer Güterbahnhof.
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Capri-Sun-Verpackungen, gefunden auf der Straße: „sehnsucht – in tüten gefüllt“ von Christian Plep.

Mehr als zwei Jahre lang haben 48 Blauermeier-Künstler in den Ateliers oder den heimischen vier Wänden zum Thema „Mensch und Natur“ gearbeitet. Herausgekommen sind circa 175 Gemälde, Installationen und Keramiken, die ab sofort im Künstlerhaus Güterbahnhof zu sehen sind.

Bremen – Wer genau hinguckt, sieht sie überall. Auf dem Boden von Bushaltestellen, in Parks oder im Gebüsch. Gedankenlos weggeworfen, nachdem der Durst gelöscht ist. Dass die Verpackung der Capri-Sonne niemals verrottet? Egal.

„Schafe in New York – Natur und Mensch bei Blaumeier“ lautet der Titel einer Ausstellung, die aktuell im Künstlerhaus Güterbahnhof zu sehen ist. 48 Künstler mit und ohne Behinderung oder psychischer Erkrankung haben dafür in den vergangenen rund zweieinhalb Jahren Malereien, Keramiken, Installationen oder Texte geschaffen. Arbeiten, die perfekt in eine Zeit passen, in der uns einmal mehr vor Augen geführt wird, dass das Verhältnis Mensch-Natur in eine gefährliche Schräglage geraten ist. Und auch wenn die vergangenen anderthalb Jahre uns allen viel abverlangt haben, die Künstler im Blaumeier-Atelier haben ungleich mehr unter den Beschränkungen gelitten. Einschränkungen, die sie natürlich vor allem schützen sollten – aber die gemeinsame Arbeit in den Ateliers viel zu lange unmöglich machten.

Der Natur ausgeliefert

Trotzdem haben die Blaumeier-Künstler fabelhafte Arbeiten geschaffen, die vom Aussterben bedrohte Tiere zeigen, Kämpfer für Gerechtigkeit porträtieren oder durchaus kritisch auf unsere angebliche Überlegenheit gegenüber der Natur blicken. So auch bei Brigitte Eickmeier, in deren Gemälde der Mensch häufig auf eine nahezu übermächtige Natur trifft. Zum Beispiel in „Der Weg“ aus dem vergangenen Jahr. Eine Gruppe Spaziergänger in kurzen Hosen, Shirts und Kleidern schlendert durch eine Art Urwald. Umgeben von hohen Bäumen und dichtem Gestrüpp gehen sie auf ein unbekanntes Ziel zu. Neugierig, immer dicht beisammen sind sie unterwegs, an diesem Ort möchte wirklich niemand verloren gehen. Die Menschen in dieser Szenerie sind dem, was da im Schutz der Pflanzen lauert fast schutzlos ausgeliefert. Sicher, sie konnten immer noch weglaufen. Doch wohin? Mit dem Unabwägbaren konfrontiert sind diese Menschen dann doch nicht mehr ganz so überlegen.

„Das Schaf am Hudson River-Fluss in Manhattan“ von Colette Boberz.

Weniger geheimnisvoll aber nicht weniger ausdrucksstark geht es derweil in den Bildern von Colette Boberz zu – Arbeiten, die der Ausstellung ihren Namen gegeben haben und Schafe in New York zeigen. Nicht im Zoo, sondern mitten zwischen den Hochhäusern streifen sie umher oder gehen in einen Laden, um Pullover zu kaufen. Weil ihre Wolle vom Menschen kommerzialisiert wurde, bleibt den Tieren nichts anderes übrig, als sie gegen Geld zurückzubekommen. Ob sie das Kleidungsstück wirklich bei Zweibeinern gekauft haben, bleibt allerdings fraglich: Denn Menschen sieht man keine in dieser Stadt. Klar, ihre Häuser ragen hoch zum Himmel empor, aber das war’s dann auch. Wo früher Autos, Gedränge und Lärm herrschten, haben nun die Tiere übernommen. Durchaus ein Blick in die Zukunft: Man muss sich nur einmal verlassene Gebäude angucken, um zu sehen, dass die Natur früher oder später all unsere Spuren ausradiert.

Verpackungen, die niemals verrotten

Zumindest, wenn man sie lässt. Denn die Verpackungen von Capri-Sonnen, oder heute Capri-Sun, auszuradieren, gelingt auch der ambitioniertesten Pflanze nicht. Wie denn auch, bestehen die Safttüten doch aus Plastik und Aluminium – Stoffe, die nun einmal nicht abbaubar sind. Sicher, die Strohhalme sind mittlerweile per Gesetz aus Pappe – kleben aber von einer Plastikhülle ummantelt an einer ebenso unkompostierbaren Hülle. Christian Plep hat genau diese Verpackungen gesammelt – und 2 265 von ihnen zu einer großen Rauminstallation zusammengefügt. Sie hängt nun zwischen zwei Stahlträgern über einem alten Gleisbett – als eine Art untergehende Sonne. Doch diese Sonne hat nichts Idyllisches an sich – trotz des Titels „sehnsucht – in tüten gefüllt“. Sie läutet vielmehr den Abgesang der Menschheit ein. Denn dass wir eines schönen Tages an unserem Müll ersticken werden, scheint abgemacht. Jedenfalls, wenn die Menschen nicht ziemlich zügig etwas an ihrem Verhältnis zur Natur ändern. Wie uns die vergangenen anderthalb Jahre gezeigt haben, aber leider ein ziemlich frommer Wunsch.

Besuch der Ausstellung

„Schafe in New York – Mensch und Natur bei Blaumeier“ ist bis zum 25. Juli von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr im Künstlerhaus Güterbahnhof zu sehen.

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