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„Ich interessiere mich nicht für die Romantik der Dunkelkammer“

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Die Rückseite des Bildes. - Foto: Michael Schmid
Die Rückseite des Bildes. © Michael Schmid

Neuenkirchen - Von Radek Krolczyk. Beinahe kunstlos wirken die Arbeiten des in Ulm geborenen und in Bremen lebenden Künstlers Michael Schmid, dessen Werke auch schon in New York zu sehen waren. Allerdings nur auf den ersten Blick. Oft verweisen sie eher auf angewandte Kunst, zeigen Logos, Markenzeichen. Der zweite Blick offenbart bald eine kunstvolle Bearbeitung. Der Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen zeigt derzeit eine Auswahl der Arbeiten von Schmid.

Ihre Fotos beziehen sich auf eine eher indirekte Weise auf die Welt da draußen. Obwohl Sie diese äußere Wirklichkeit abbilden, wirken viele Ihrer Bilder sehr abstrakt. Was interessiert Sie an der Fotografie?

Michael Schmid: Mich interessiert die Fotografie an sich und ihre Bedingungen, so wie etwa Licht, Räumlichkeit und Fläche. Seit 2006 habe ich zunächst in Bremen, dann in Leipzig Fotografie studiert. Ich habe bald aber an diesen Diskurs der Dokumentarfotografie nicht mehr geglaubt und bin in die Freie Kunst gewechselt. Damals habe ich zwar auch schon sehr abstrakt gearbeitet, habe Strukturen fotografiert, es ging dabei aber noch um konkrete Orte, ein Hafengebiet etwa.

Womit haben Sie sich konkret beschäftigt?

Schmid: Ich habe mich mit meiner ländlichen süddeutschen Heimat auseinandergesetzt und das Aufeinanderprallen von Natur und Industrie untersucht. Es gibt in Baden-Würtemberg eine starke Industrie und die hat Auswirkungen auf die Landschaft. Das hat mich dann aber irgendwann nicht mehr interessiert.

Können Sie sagen, warum?

Schmid: Ich glaube nicht mehr, dass man durch die Produktion solcher Bilder etwas über die Wirklichkeit sagen kann. Ich war unzufrieden. Mir war das Studium der Fotografie viel zu begrenzt, man pflegt nur seinen dokumentarischen Diskurs und nimmt andere Kunstformen überhaupt nicht wahr. Die Fotografie hat sich auch in den letzten zehn Jahren massiv verändert und es gibt neue Formen die eher unserer Zeit entsprechen.

Welche Rolle spielt die fotografische Technik für Sie? Haben Sie eine Dunkelkammer in Ihrem Atelier?

Schmid: Nein, ich habe keine Dunkelkammer, so eine Art der Arbeit interessiert mich auch nicht. Obwohl ich sowohl digital als auch analog fotografiere. Der technische Vorgang ist für mich wichtig, aber er muss in meinen Bildern nicht unbedingt sichtbar werden. Ich interessiere mich weder für die Romantik der Dunkelkammer noch den damit verbundenen philosophischen Diskurs. Mich reizt auch nicht ihre Materialität, das Fotopapier und die Entwicklerschale. Fotografie ist schließlich auch etwas Industrielles, etwas Kühles und Distanziertes. Wichtig ist mir das, was auf dem Bild zu sehen ist und nicht welche Prozesse dazu geführt haben.

Wobei es eine Fotoarbeit von Ihnen gibt, auf der der Ausschnitt einer Alu-Dibond Platte zu sehen ist. Das ist das Material, auf das Sie Ihre Fotos aufziehen lassen, bevor sie gerahmt werden.

Schmid: Es geht bei dieser Arbeit natürlich darum, dass eine solche Platte sich hinter der Fotografie befindet, also die Rückseite des Bildes, die hier nach vorne drängt. Wichtig ist mir aber vor allem der kompositorische Aspekt dabei. Der Markenschriftzug taucht in unterschiedlichen Fragmenten auf und ist nie vollständig lesbar, sondern muss vom Betrachter zusammengesetzt werden.

Sprechen wir über ein anderes Bild – das in diesem Jahr realisierte „Farben“. Es ist ausnahmsweise eine Farbfotografie, auf der unterschiedlich farbige Becher zu sehen sind, die auf einem Tuch stehen, das mit Sternchen übersät ist. Diese Sternchen spiegeln sich in den Bechern und die Becher mit ihren Spiegelungen wiederum spiegeln sich ineinander. Was interessiert Sie an einer solchen Komposition?

Schmid: Es ist tatsächlich das Zusammenfallen verschiedener Prozesse in einem Bild: Spiegeln, Verdecken und Verzerren, sowie Wiederaufgreifen der Farben.

Wie entsteht so ein Bild?

Schmid: Oft beginnt es mit einem Gegenstand, der mir auffällt und mit dem ich mich dann anfange zu beschäftigen. Wichtig ist für mich, dass ich ihn auf eine Weise in Szene setze, in der nicht mehr nur dieser bloße Gegenstand, sondern in gewisser Weise seine Erscheinung verhandelt wird.

Sie haben im Sommer an der großen Gruppenausstellung „Photography is Magic“ in New York teilgenommen. Wie kam es dazu?

Schmid: Die Ausstellung wurde von der britischen Fotokuratorin Charlotte Cotton gemacht. Sie verfolgt in ihren Büchern und Ausstellungen einen Ansatz, in dem Fotografie eben als Kunst verstanden wird. Es wurden viele neue und interessante Positionen gezeigt, die man hier teilweise gar nicht kennt. Ich wurde eingeladen und es hat mir sehr gut gefallen.

Michael Schmids Ausstellung „Moment,“ ist noch bis zum 16. Oktober im Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen zu sehen. Mehr Informationen gibt es im Internet

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