Da passt auch im Sitzen alles zusammen: Sir Roger Norrington und die Deutsche Kammerphilharmonie

Mit Humor und Grandezza

Eigentlich hat Sir Roger Norrington seine Konzerttätigkeit sehr eingeschränkt – für die Deutsche Kammerphilharmonie macht er aber eine Ausnahme.
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Eigentlich hat Sir Roger Norrington seine Konzerttätigkeit sehr eingeschränkt – für die Deutsche Kammerphilharmonie macht er aber eine Ausnahme.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Dem Dirigenten Sir Roger Norrington sitzt der Schalk im Nacken: Nach der „Mauerischen Trauermusik“ KV 477 von Mozart, mit der das vierte Premieren-Abonnementkonzert der Deutschen Kammerphilharmonie beginnt, wendet er sich an das Publikum: „Dieses Stück ist so schön, so berührend – und so kurz!“ Spricht‘s und spielt das Werk von fünf Minuten Spieldauer gleich noch einmal.

Aber in der Kürze liegt – so abgedroschen es auch klingen mag – manches Mal die Würze: Die „Mauerische Trauermusik“ mit ihren Bezügen zur Freimaurerei ist mit ihren Wechseln in der Tonart von c-Moll über Es-Dur bis zu C-Dur und dem dunklen Klang der Bassetthörner und des Fagotts von besonders aparter Wirkung. Norrington und die Deutsche Kammerphilharmonie geben diesem Auftakt mit sonorem Klang und ernster Grundstimmung besonderes Gewicht – bei der Wiederholung sogar mit verstärkter Intensität.

Roger Norrington, inzwischen 83 Jahre alt, hat seine Konzerttätigkeit sehr eingeschränkt und arbeitet nur noch mit ausgewählten Ensembles. Die Deutsche Kammerphilharmonie gehört dazu, hier scheint das gegenseitige Verständnis besonders ausgeprägt zu sein. Norrington dirigiert zwar im Sitzen, dafür aber auswendig, mit verschmitztem Humor und viel Grandezza. Wie sehr die Zusammenarbeit durch pure Freude am Musizieren geprägt ist, wird beim Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur KV 447 von Mozart, das als das bedeutendste seiner vier Hornkonzerte gilt, besonders deutlich. Das Motto des Abends lautet „Tiefgründig mit Augenzwinkern“ und findet in diesem Moment seine volle Berechtigung. Das Allegro mit seinen lieblichen Melodien führt in eine ausgesprochen heitere Mozart-Welt. Der tschechische Hornist Radek Baborak ist ein Meister seines Fachs und beherrscht sein Instrument perfekt, und dass, obwohl das Horn sehr schwer zu spielen ist. Wie Baborek nicht nur alle spieltechnischen Klippen umschifft, in seiner Solokadenz glänzt und zudem mit einer fein differenzierten Interpretation überzeugt, hat großes Format. Beifall zwischen den Sätzen – bei Norrington ist es erlaubt und sogar erwünscht. Das träumerische Larghetto wird vom Solisten und dem Orchester mit feinsinniger Delikatesse zelebriert, bevor im finalen Allegro Fröhlichkeit pur angesagt und Baboreks Virtuosität gefordert ist. Letzterer bedankt sich mit „Le rendez-vous de chasse“ von Gioachino Rossini und einer russischen Fantasie.

Die bekannteste unter den Serenaden Mozarts ist die Nr. 13 („Eine kleine Nachtmusik“), eine der gewichtigsten die Nr. 9 D-Dur KV 447 („Posthorn-Serenade“). Das machen Norrington und die Deutsche Kammerphilharmonie gleich in dem sehr sinfonisch angelegten Eingangssatz (Adagio maestoso) mit einer energiegeladenen Wiedergabe deutlich. Mozart widmete die Serenade den Studenten der Universität Salzburg, die nach ihrem Abschluss in ihre Heimat zurückkehrten. Ungewöhnlich ist die Verwendung eines Posthorns, das allerdings erst im 6. Satz der Serenade (im 2. Trio) zum Einsatz kommt. Die insgesamt sieben Sätze sind sehr unterschiedlich. Durchgehend herrscht eine heitere Grundstimmung vor, aber im Andantino (5. Satz) finden sich auch verschattete, fast melancholische Klänge. Das Finale schließlich ist ein turbulenter Kehraus.

Norrington und die Kammerphilharmonie finden stets den angemessenen Ausdruck. Die Tempi sind immer „richtig“, weil sie stets einen organischen Fluss der Musik garantieren. Neben dem Posthorn tritt auch die Flöte wiederholt solistisch auf und bestreitet insbesondere im Andante grazioso (3. Satz) einen anregenden Dialog mit dem Orchester. Mozart, Norrington und die Deutsche Kammerphilharmonie – hier passt alles zusammen.

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