Fünfter Geburtstag

„Horn to be Wild“-Festival: „Es war uns zu ruhig“

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Alles ehrenamtlich –  auch beim 5. „Horn to be Wild“-Festival.

Bremen - Noch ein Festival? Im Jahre 50 nach Woodstock herrscht, könnte man meinen, doch wahrlich kein Mangel an Freiluftvergnügungen für Musikliebhaber. Und doch schickte sich vor etwas mehr als fünf Jahren eine Gruppe junger Menschen an, ein weiteres Festival zu gründen: das „Horn to be wild“. Heute wird das erstmals zweitägige Festival zum fünften Mal eröffnet. Rebecka Gödecke, von Anfang an dabei und für Presse und Marketing zuständig, erklärt im Interview, warum es eben doch ein „Horn to be wild“ braucht.

Wie sind Sie damals auf die Idee für Ihr Festival gekommen?

Der wesentliche Punkt war, dass es eben in Bremen kein Festival dieser Art gab. Wir waren eine kleine Gruppe von Freunden, die damals zwischen 16 und 18 Jahren alt waren. Bei einer Jugendfreizeit hatten wir einen Workshop, wo wir einfach spinnen sollten, was wir gern machen würden. Zwei von uns hatten die Idee zu einem Musikfestival.

Aber damit hat man ja noch kein Festival gegründet.

Ja, das war erstmal eine Schnapsidee. Zwei Monate später ist der Horner Beirat auf alle Einrichtungen der Jugendarbeit zugegangen und hat Geld für Projekte in Aussicht gestellt. Dann haben wir uns mit dieser Festivalidee beworben. Wir haben dann erstmal Geld für ein kleines Konzert im Jugendfreizeithaus mit fünf Schülerbands bekommen. Da haben wir zeigen können, dass wir wissen, was man für so eine Veranstaltung braucht. Uns war der Stadtteil Horn auch immer etwas zu ruhig. Das war auch ein Grund, warum wir Lust hatten, hier ein Event entstehen zu lassen.

Danach hat der Beirat das Festival gefördert?

Ja. Wir haben uns mit einem neuen Konzept beworben, und der Beirat war begeistert, dass Jugendliche so etwas vorlegen. Im Nachhinein finde ich das auch selbst noch beeindruckend, dass wir mit 16, 17 Jahren die Motivation hatten, uns da einzuarbeiten.

Rebecka Gödecke

Wie groß ist der Etat für Ihr Festival?

Die Veranstaltung kostet dieses Jahr um die 30.000 Euro. Wir bekommen es eigentlich immer hin, mit 10.000 Euro plus aus der Veranstaltung rauszukommen, die wir ins Folgejahr mitnehmen. Im ersten Jahr waren wir noch im Minus, aber ab dem zweiten Jahr sind wir immer im Plus gelandet.

Ist es denn immer noch der gleiche alte Freundeskreis, der das Festival plant und durchführt?

Der harte Kern von sechs Leuten ist immer noch der gleiche, aber insgesamt sind wir inzwischen um die 30 Leute.

Es ist doch eine Menge Arbeit, so ein Festival zu organisieren, oder?

Ja, ich muss selbst immer aufpassen, dass das Festival nicht vor die Uni rutscht.

Studieren Sie alle noch?

Zum Teil haben wir auch Schüler im Team, aber die Hauptverantwortlichen studieren auch. Das ist gar nicht einfach, das unter einen Hut zu bekommen.

Wollen Sie nach dem Studium weitermachen?

Das werden wir nächstes Jahr sehen. Zwei tragende Personen, ich und ein Kollege, sind nach dem Festival mit dem Bachelor-Studium fertig und haben vor, uns etwas zurückzuziehen. Wir werden sehen, wie gut das dann klappt. Wir haben auf jeden Fall ein kleines Nachwuchsproblem. Wir waren ursprünglich ja ein Jugendprojekt, inzwischen sind wir aber alle schon relativ alt und müssen schreiben: Jugendliche und junge Erwachsene.

Die „Neuen“ müssen sich ja auch in so dröge Dinge wie Kalkulation und derlei mehr einarbeiten.

Genau, das ist das größte Problem. Es gibt oft Leute, die kommen zu ein oder zwei Treffen und sind hochmotiviert, und dann sind sie weg, weil sie gemerkt haben, dass sie sich da in etwas wirklich hineindenken müssen. Das verstehe ich auch. Wenn man das nicht mitgegründet hat, gibt es auch nicht so eine enge Bindung, dass man pro Woche mindestens eine Stunde aufbringen muss. Direkt vor dem Festival sind es bei mir dann sogar fünf bis sechs Stunden am Tag. Und alles ehrenamtlich.

Könnten Sie sich nicht eine Aufwandsentschädigung zahlen?

Daran haben wir kein Interesse.

Wie kommt das Programm zustande?

Es war von Anfang an unser Ziel, jungen Bands die Gelegenheit zu geben, zu spielen, denn es gibt viele Bands, aber wenig Auftrittsmöglichkeiten. Deswegen war uns wichtig, dass das Durchschnittsalter von 25 Jahren innerhalb der Band nicht überschritten wird. Unser Booker trifft eine Vorauswahl, danach darf das Team abstimmen. Elf Bands haben wir dieses Jahr ausgewählt, die zwölfte hat ihren Auftritt bei der Musikvideo-Show gewonnen.

Gibt es eine stilistische Linie?

Der eigene Geschmack ist schon wichtig. Im wesentlichen geht es in Richtung Pop und Indie. Aber über die Jahre hatten wir eigentlich schon alle Genres außer Heavy Metal.

Hören und Sehen

Ab Freitag, 16. August um 16 Uhr und am Samstag um 13 Uhr in Almers Park im Rhododendron-Park in Bremen; mehr im Internet: horntobewild-festival.de

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