Bremer „Outnow!“-Festival ist ein Rundum-Paket für junge Bühnenkunst

„Hollywood und Kasperltheater“

Eine „Mauerschau“ unternimmt Nele Stuhler. Foto: Katharina Seibt

Bremen - Von Rolf Stein. Dass sich Hamdi Lakhdher, Choreograf und Tänzer, für körperliche Arbeit interessiert, das ist eigentlich kaum bemerkenswert. Allerdings: Dass ausgerechnet die Bewegungen von Bauarbeitern Thema eines Tanzabends sind, das klingt dann doch etwas seltsam. Verstehen lässt sich das nicht zuletzt aus Lakhdhers Biografie. In der tunesischen Stadt, aus der er komme, werde sehr viel gebaut, erklärt er. Und wenn das Geld knapp wird, gebe es eben vor allem in der Baubranche oft viel zu tun.

„I Listen, (You) See“, ein einstündiges Tanzstück, mit dem Lakhdhers französisch-tunesische Compagnie Hamdu Dridi heute Abend das „Outnow!“-Festival eröffnet, greift die Körperbewegungen von Arbeitern auf und überführt sie in zeitgenössischen Tanz, der wiederum beeinflusst ist von traditionellen Formen und Streetdance.

Damit sind der Eröffnung des Festivals für den Theaternachwuchs, zu dem die Schwankhalle seit 1994 allein und seit 2013 mit dem Theater Bremen einlädt, gleich mehrere Themen eingeschrieben, die das „Outnow!“ prägen. Schon traditionell geht es dort nämlich weniger um klassisches Sprechtheater als darum, herauszufinden, „wie weit man den Begriff von Theater strecken kann“, wie Pirkko Husemann, künstlerische Leiterin der Schwankhalle, sagt.

Um in diesem Sinne weitere Dehnungen zu ermöglichen, ist in diesem Jahr erstmals auch die Bremer Hochschule für Künste mit an Bord: Die Studenten der Klasse von Asli Serbes verbinden unter anderem mit einer mobilen Küche, skulpturalen Brückenschlägen und performativen Elementen die beiden Theaterhäuser, zwischen denen sich das Publikum immer wieder bewegen muss.

Dass sich dieser Weg auch in diesem Jahr wieder lohnt, das lässt sich nicht nur wegen der Qualität bisheriger Festivaljahrgänge erahnen. Ein Indiz für den Ruf, den sich das „Outnow!“ erworben hat, ist auch die mit rund 300 durchaus imposante Zahl der Bewerbungen aus Deutschland, Europa und darüber hinaus. Florian Ackermann, in der Schwankhalle mit Husemann für das Programm zuständig, weiß zu berichten, dass unter den Einsendungen immer weniger klassisches Sprechtheater vertreten sei, während die meisten Produktionen an Schnittstellen verschiedener Disziplinen zu verorten sind.

Max Schaufuß setzt sich beispielsweise in „Faust. Montagearbeit am deutschen Klassiker“ anhand von Goethe und Elfriede Jelinek mit Männerbildern auseinander – „zwischen Hollywood und Kasperletheater“ beschreibt Florian Ackermann.

Während die Grenzen zwischen den Künsten heute offenbar recht durchlässig sind, tut sich die Welt mit den politischen Grenzen schwer. Am Donnerstag stand noch nicht fest, ob „I Listen, (You) See“ zur Festivaleröffnung mit drei Tänzern über die Bühne gehen kann. Houcem Boukarucha wartete bei Redaktionsschluss noch auf sein Visum. Lakhdher und Feteh Khiari haben aber angekündigt, ihr Stück notfalls auch zu zweit aufführen.

Termine:

„Outnow!“, Freitag bis Montag, Schwankhalle und Theater Bremen; Eröffnung Freitag, 20 Uhr mit „I Listen, (You) See“ im Kleinen Haus des Theaters Bremen.

Das Gesamtprogramm im Internet: outnowbremen.de

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