„Die Geburt der Romantik“: Greifswald stellt Werke von Friedrich, Runge und Klinkowström aus

Hoffnungsschimmer Mondlicht

Von Veit-Mario ThiedeGREIFSWALD (Eig. Ber.) · Dass die Romantik in der Umgebung von Greifswald das Licht der Welt erblickte, veranschaulicht das Pommersche Landesmuseum mit Einträgen aus drei Taufregistern.

Caspar David Friedrich (1774-1840) wurde als Sohn eines Lichtgießers in Greifswald geboren. Der vor 200 Jahren gestorbene Philipp Otto Runge kam 1777 als Sohn eines Reeders in Wolgast zur Welt. Und Friedrich August von Klinkowström (1778-1835) wurde als Sohn eines Gutsbesitzers im zwischen Greifswald und Wolgast gelegenen Schloss Ludwigsburg geboren.

Die Schau in Greifswald ist die erste, welche die Freundschaft der drei Maler aus Pommern beleuchtet und ihr Schaffen zueinander in Beziehung setzt. Aufgeboten sind 30 Gemälde und 80 Grafiken der berühmten Romantiker Friedrich und Runge sowie des von 1802 bis 1811 als Künstler tätigen Klinkowström, dessen Schaffen der Öffentlichkeit bislang völlig unbekannt ist.

Wie Klinkowström sahen auch Friedrich und Runge die Aufgabe der Künste darin, im Menschen ein religiöses Gefühl zu wecken. Ein bevorzugtes Thema war dabei das Aufblühen, Wachsen und Vergehen in Menschenleben und Natur. Ausstellungskuratorin Birte Frenssen erläutert: „In ihren Tages-, beziehungsweise Jahreszeitenzyklen verliert der Mensch nach der paradiesischen Unschuld des Morgens das Göttliche aus den Augen, um am Abend des Lebens erneut nach dem Unvergänglichen zu streben.“ In diesem Geiste schuf Klinkowström das Aquarell „Ossian zwischen Morgen und Abend“ (1807) und Runge die Kupferstiche (1807) „Morgen“, „Tag“, „Abend“ und „Nacht“. „Denk an deinen Tod“, so Birte Frenssen, lautet die Botschaft von Friedrichs Gemälde „Ruine Eldena im Riesengebirge“ (1830/34): Von der prächtig gelben Abenddämmerung wandert unser Blick hinab auf Erden. Dort entdecken wir in der Dunkelheit einen abgestorbenen Ast und eine Ruine als Sinnbilder der Vergänglichkeit.

Aber die Hoffnung auf Erlösung bleibt. Klinkowström feiert sie mit seinem Ölgemälde „Heilige Nacht“ (1806), einer großformatigen Kopie nach Correggio. In den Stürmen des Lebens bietet Jesus Halt, wie Runges Sepiablatt (1805/06) und Gemälde „Petrus auf dem Meer“ (1806) zeigen: Die aufgewühlte See wird durch Christus im tröstenden Mondlicht geglättet. Daneben hängt Friedrichs Gemälde „Schiffswrack im Mondschein“ (o.J.). Im grauschwarzen Wolkengeschiebe ist nur ein Stückchen vom hell leuchtenden Mond auszumachen. Doch schon das genügt, um auf dem Wasser einen kleinen „Hoffnungsschimmerreflex“, wie Birte Frenssen das nennt, zu erzeugen. Sie resümiert: „Klinkowström starb 1835 in Wien. Dreißig Jahre nach Runges Tod folgte, verarmt und vergessen, Friedrich in Dresden: Drei, die ohne großes Bordgepäck losgezogen waren, um – geleitet durch einen schlichten Herzensglauben – eine neue Kunst im Aufgang einer neuen Zeit zu schaffen.“

„Die Geburt der Romantik“: 28 August bis 21. November 2010 im Pommerschen Landesmuseum, Rakower Straße 9, Greifswald. Di.-So. 10-18 Uhr.

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