Ein Hoch auf die Heulsusen

Oper „La fille du régiment“ begeistert mit leichtfüßiger Inszenierung

Mit schmalem Grat zur Blödelei: Marie (Sooyeon Lee) ist das heißgeliebte Zentrum des Soldatenchors – da kann auch die adelige Mutter nichts gegen ausrichten. - Foto: Stephan Walzl

Oldenburg - Von Corinna Laubach. Dieser Opernabend ist pures Vergnügen. Mit einer leichtfüßigen und humorvollen Inszenierung von „La fille du régiment“ (Die Regimentstochter) ist dem Staatstheater Oldenburg ein großer Wurf gelungen. Der Abend verspricht einen vorgezogenen Festrausch für alle Sinne. Und das, obwohl Regisseur Felix Schrödinger mutig auf minimale Kostüme und Kulisse setzt. Erst nach und nach entwickelt sich dieser Oper von einer rein konzertanten zu einer halbszenischen Aufführung. Ein Konzept, das aufgeht und bei dem jedes Detail pointiert sitzt – auch Dank des großartig singenden und spielenden Ensembles.

Felix Schrödinger und Josefine Smid (Bühne und Kostüme) bescheren dem vom ersten Takt an entzückten Publikum ganz viele Glücksmomente. Wie sich alles spielend leicht ineinanderfügt, ist eine große Freude. Orchester, Solisten und Chor sorgen dafür, dass die etwas mehr als zwei Stunden zu einem hinreißenden und humoresken Erlebnis werden. Dabei beginnt die Komische Oper von Gaetano Donizetti ganz nüchtern. Das Staatsorchester sitzt auf der Bühne, davor sechs Stühle für die Solisten. In Abendgarderobe und mit ernster Mine treten sie vor. Allerdings hat die dichte und temporeiche Ouvertüre da schon einen Hinweis auf einen beschwingten Abend gegeben. Und Vito Cristòfaro bleibt bei dieser Vorgabe. Er führt seine Musiker exzellent und akzentuiert durch die Partitur.

An der Rampe nuschelt Stefan Vitu (grandios komisch) als gelangweilter Erzähler die Rahmenhandlung herunter. Dies gibt einen weiteren Vorgeschmack auf das humorvolle Augenzwinkern, mit dem Schrödinger die Donizetti-Oper durchzogen hat. Der schmale Grat zur bloßen Blödelei ist eine Herausforderung, der sich das Team in Oldenburg mit Bravour gestellt hat.

Die Geschichte der Oper ist schnell erzählt. Als Findelkind bei Soldaten aufgewachsen, ist Marie (überragend: Sooyeon Lee) der Liebling des Regiments. Sie verliebt sich in den Tiroler Tonio (großartig: Philipp Kapeller), der ihr zuliebe dem Militär beitritt. Feldwebel Sulpice (solide: Ill-Hoon Choung) und der Soldatenchor geben der jungen Liebe daraufhin eine Chance. Doch, die tragische Wende tritt ein. Plötzlich taucht die Mutter, die Marquise de Berkenfield (stark: Hagar Sharvit), wieder auf, und will ihre verloren geglaubte Tochter standesgemäß im Adel verheiraten. Da hat sie schlussendlich allerdings die Rechnung ohne die resolute Marie und das treue Soldatenkorps gemacht.

Ein Soldatenchor, der alles gibt

Bevor sich Marie und Tonio in Oldenburg in die Arme schließen dürfen, warten noch einige Glanzpunkte auf das Publikum. Da wäre zum einen der wunderbar von Thomas Bönisch einstudierte Soldatenchor, der auch spielerisch alles gibt. Wie die harten Burschen zu Heulsusen werden und mit überdimensionalen Taschentüchern Maries Abschied von der Garnison feiern, das ist großartig. In nichts steht dem Tonios Arie „Ah! Mes Amis“ nach. Donizetti spielt hier mit dem hohen C und Tenor Philipp Kappeler nimmt mit großer Wärme alle Klippen, während sich die Soldaten bei Marshmallows und Bier der Kameradschaft besinnen. Wer wäre da nicht hingeschmolzen?

Hinreißend ist zudem Neuzugang Sooyeon Lee in der Rolle der Marie. Die agile Südkoreanerin, deren Sopran blendend in den Höhen funkelt, ist ein wahrer Glücksgriff. Man darf auf weitere Rollen gespannt sein. Die Herzen des Publikums hat sie mit ihrem Charme im Nu erobert. Mit großem Jubel feiert das Premierenpublikum einen herausragenden Abend – musikalisch wie mimisch.

Nächste Vorstellungen am 6. und 29. Dezember sowie 7. Januar, jeweils um 19.30 Uhr, Großes Haus im Oldenburgischen Staatstheater.

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