Mal was mit Hip-Hop

Tanztheater International stellt das Thema „Formen“ in den Vordergrund

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„Hidden in plain sight“ von der österreichischen Compagnie „Hungry Sharks“ ist eine Deutsche Erstaufführung mit Hip-Hop-Einschlag. Sie ist am 7. September zu sehen.

Hannover - Von Jörg Worat. Jedem Anfang, das wusste schon Hermann Hesse, wohnt ein Zauber inne. Mal sehen, wie zauberhaft das Festival „Tanztheater International“ ausfällt, das traditionell die hannoversche Kultursaison einläutet. Die 33. Ausgabe steht vom 30. August bis zum 8. September an, das Programm wurde jetzt vorgestellt.

Das Motto „Form“ stellt die künstlerische Leiterin Christiane Winter diesmal in den Vordergrund, und in der Tat sind bei den elf Produktionen, darunter vier Uraufführungen und drei Deutsche Erstaufführungen, unterschiedlichste Philosophien der Bewegungskunst vertreten.

Schon seit einigen Jahren interessiert sich Winter für Elemente aus dem Hip-Hop. Diesbezüglich haben der US-amerikanische Choreograf Kyle Abraham und seine Compagnie „A.I.M“ eine Menge zu bieten; das Stück „Live! The Realest MC“, das als Deutsche Erstaufführung das Festival in der Orangerie eröffnen wird, macht aber auch die Einflüsse von Modern-Dance-Pionieren wie Merce Cunningham oder Martha Graham deutlich.

„Hidden in plain sight“ von der österreichischen Gruppe „Hungry Sharks“, angesetzt für den 7. September, ist ebenfalls eine Deutsche Erstaufführung mit Hip-Hop-Einschlag, und auch die steht in der Orangerie an. Das war‘s dann allerdings mit den Gemeinsamkeiten, denn Choreograf Valentin Alfery hat sich für das Oktett auf der Bühne – in dem er selbst mitwirkt – einen besonderen Zugriff ausgedacht: „Es gibt bei den Bewegungsabläufen Wiederholungen“, beschreibt‘s Christiane Winter, „aber der Raum wird für die Tänzer immer enger. Durch diese Verdichtungen entstehen ständig neue Konstellationen.“

Auch „Commedia Futura“, eine freie Gruppe aus Hannover, ist beim Festival vertreten. Die Produktion „Two“ hat eine spezielle Vorgeschichte: Vor 30 Jahren sorgten die Japanerinnen Yumiko Yoshioka und Minako Seki für Aufsehen, als sie in Deutschland ihre Version des Grotesktanzes Butoh vorstellten. Zwischenzeitlich trennten sich die Wege des Duos, bis die beiden Damen gleichsam als „Best Ager“ wieder zusammenfanden. Das Stück hat hervorragende Resonanz erfahren, jetzt ist es am 2. September im Ballhof Zwei zu sehen.

Tags darauf, dann wieder in der Orangerie, will die belgische „Siamese Cie“ um das Choreografie-Doppel Koen Augustijnen und Rosalba Torres Guerrero ein Fass aufmachen: Neben sieben Tänzern werden sich drei Profi-Boxer auf der Bühne tummeln. Mal sehen, ob der Begriff „Kampftanz“ an diesem Abend eine neue Bedeutung gewinnt.

Der in Großbritannien lebende Israeli Hofesh Shechter, ein Star der Szene, steht für ausgeprägt physischen Tanz. Wenn also sein für die Junior-Company „Shechter II“ entwickeltes Stück den Titel „Show“ trägt, dürfte das kein leeres Versprechen sein. Ein Kritiker hat es Mischung aus „Zirkusparade, barockem Fest, Techno Rave, Karneval und Guerillakrieg“ beschrieben – nach der Vorstellung am 4. September im Schauspielhaus wissen wir mehr.

Und der Abschluss wird wohl kaum ein Freudenfest werden: Unter dem Motto „In girum imus nocte et consumimur igni“ (Wir irren des Nachts im Kreise umher und werden vom Feuer verzehrt) schickt der italienische Choreograf Roberto Castello am 8. September ein Quartett auf die Bühne der Musikhochschule, dessen Bewegungskanon – dies deutet zumindest der Videoteaser an – viel Suchendes und wenig Erlösung symbolisiert. „Ob es das Bühnenlicht ist oder die Kleidung der Tänzerinnen und Tänzer“, sagt Christiane Winter, „hier gibt es im Prinzip nur Hell oder Dunkel.“

Weitere Infos und auch die Karten gibt es unter www.tanztheater-international.de.

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