„Horch ma zua“: Rebekka Bakken scheut sich in der Lagerhalle Osnabrück nicht vor süßem Kitsch

Hinter der Elfe verbergen sich fünf Sissis

Rebekka Bakken

Von Beate BößlOSNABRÜCK (Eig. Ber.) · Ende vergangenen Jahres stellte die Deutsche Bahn die aktuelle CD von Rebekka Bakken in ihr ICE-Radioprogramm.

Ein freundlicher Zug, denn es ist der perfekte Sound, um Landschaften an sich vorbeirauschen und den Blick über schlafende Reisende streifen zu lassen, deren Handys und Laptops frühmorgens noch so friedlich schlummern wie sie selbst. Dass das neue Album „Morning Hours“ heißt, passte hervorragend. Dass die Musik auch zu späteren Stunden gefällt, bewies die Norwegerin bei ihrem Konzert in der Lagerhalle Osnabrück.

Dort rückte sie, logisch, ihre 13 neuen Titel in den Fokus, die nicht nur durch die stimmliche Qualität sondern zugleich durch einen hohen Wiedererkennungswert auffallen. „I can always forget“ oder „Sometimes“ gehören dazu. Aber auch „Ghost in this House“, den vor ihr allerdings andere gesungen haben und der einem vielleicht auch deshalb bekannt vorkommen mag. Live klingt das alles lupenrein, sehr CD-identisch – aber dadurch nicht weniger schön.

Interessant wurde der Auftritt jedoch vor allem durch das Zusammenspiel mit den vier hervorragenden Bandmitgliedern, die gern ausgedehnte Soli einfließen ließen. Zum anderen gefiel es, wenn die 39-Jährige ein wenig aus dem Rahmen fiel. Wie zum Beispiel bei „Powder Room Collapse“, das sie hübsch auflockerte und nett mit einer kleinen Geschichte über ihr „very good Schminkezimmer“ im Hotel einleitete, um beim Singen dann verspielt mit der Stimme zu quietschen, als sei sie ein amerikanisches Filmpüppchen. Ganz eindeutig überwog am Abend jedoch die eloquente Jazzerin, die in ihrem Auftreten, ihrem Stimmenspiel, vor allem ganz sie selbst ist. Und deshalb war es auch überflüssig, Rebekka Bakken – wenn auch nur in ein, zwei Songs – zusätzlich mit Hall zu unterlegen. Kann sein, es sollte nach Elfen-Rufen in Fjorden klingen. Tatsächlich dachte man aber, es sei so süßlich kitschig, als würden einem fünf Sissis von fünf Fernsehgeräten entgegenwinken.

Apropos Österreich: Es gab auch ein deutsches Lied, weil, so erklärte die Sängerin, der Wiener Liedermacher Ludwig Hirsch sie einst bei einem Aufenthalt in Wien sehr beeindruckte. Besonders gefiel, wie hübsch und passend doch der Refrain war: „Horch ma zua. Und der Schnee draußen schmilzt.“

Rebekka Bakken singt heute Abend (20 Uhr) in der Music Hall Worpswede.

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