Heute wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden

Der Mercedes unter den Männern

Er hatte Stimme: Auch nach Jahren auf der Bühne arbeitete Frank Sinatra an seinem Auftritt.
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Er hatte Stimme: Auch nach Jahren auf der Bühne arbeitete Frank Sinatra an seinem Auftritt.

New York - Manche nennen ihn den größten Entertainer des Jahrhunderts. Des 20. Jahrhunderts allerdings, denn der Mann ist Geschichte: aus einer Zeit, als man im Smoking und mit Whiskeyglas in der Hand sang, Millionen Frauen nervös und Millionen Männer neidisch machte. Als es okay war, auf der Bühne lässig eine Zigarette zu rauchen, im Publikum machte es ja auch jeder, und angeblich Verbindungen zur Mafia zu haben. Als es aber auch auf Stimme mehr ankam als auf dance moves. Das war die goldene Zeit von Hollywood, das war Vegas – und das war Frank Sinatra. Heute wäre der Mann, der (zumindest ein bisschen) auch etwas mit dem Zusammenbruch des Ostblocks zu tun hat, 100 Jahre alt geworden.

Sinatra-Doktrin nannte man die Öffnung der Sowjetunion Ende der 1980er-Jahre, weil Moskaus Außenamtssprecher Gennadi Gerassimow gesagt hatte: „Sie kennen Frank Sinatra und sein Lied ‚I did it my way‘ (Ich machte es auf meine Art)? Nun, Polen und Ungarn machen es jetzt eben auf ihre Art.“ Und der Song war nicht einmal der größte Hit des Mannes, der mehr als 150 Millionen Alben verkaufte. Sinatra war eine Legende, das fleischgewordene Showbusiness, wenn er mit dem Mikrofon in der Hand, das Kabel lässig hinter sich herziehend, die Bühnentreppe hinabschritt. Sinatra war eine Zangengeburt. Bei dem schwierigen Eingriff platzte ein Trommelfell und das Neugeborene erlitt Verletzungen, die zeitlebens als Narben im Gesicht sichtbar bleiben sollten. Als Rowdy war er, obwohl immer auffallend schmächtig, von der Schule geflogen. Alles nicht die besten Voraussetzungen für eine Weltkarriere als Frauenschwarm.

Dennoch war er das schon in seiner Jugend, nachdem er als singender Kellner für 15 Dollar die Woche angefangen hatte oder einfach nur für eine warme Mahlzeit oder Zigaretten sang. Als er selbst Platten aufnahm, verkauften die sich erst schlecht, aber mit Bühnenauftritten wurde er die erste Ein-Mann-Boyband der Musikgeschichte. Tausende Teenager lagen ihm zu Füßen.

Was war das Geheimnis des Italo-Amerikaners, der nicht so gut aussah wie Dean Martin und nicht das Charisma von Sammy Davis jr. hatte? Er hatte Stimme. Eine Stimme, die er trainierte, er, der Perfektionist, der sich nie zu schade war, zeitlebens zu lernen. Die blauen Augen von „Old Blue Eyes“ taten ihr Übriges. Und Sinatra verstand es vor allem auch, sich selbst zu inszenieren. Der Junge aus Hoboken, New Jersey, war ein Star, als er längst noch kein Star war.

Was nicht heißt, dass es keine Täler gab. Nach der „Frankie“-Hysterie war Sinatra erst einmal abgemeldet. In den 1950ern wollte die Jugend Rock‘n‘Roll hören. Er blieb beim Jazz – und ging zum Film. Für die Nebenrolle im Pearl-Harbor-Drama „Verdammt in alle Ewigkeit“ bekam er einen Oscar. Dann war da noch Las Vegas. Neben Casinos gehören heute Shows zum Alltag in der Hotelstadt, ob Celine Dion oder die Blue Man Group. Mit Sinatra hatte alles angefangen.

Ach ja, die Mafia. Enge Verbindungen wurden ihm nachgesagt, die er immer wieder bestritt. Aber mit einigen der berüchtigtsten Mafiosi spielte er Golf oder Poker, trank mit ihnen Whiskey oder investierte mit ihnen in Casinos.

Und die Frauen: Viermal war Sinatra verheiratet, zumeist endete es mit tiefem Hass. Bleibt nur zu sagen, was Marlene Dietrich über ihn dachte: „Frank Sinatra“, sagte sie nach einer kurzen Affäre, „ist der Mercedes-Benz unter den Männern“.

dpa

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