Die Heiterkeit und Spröde Lippen im Lagerhaus

Heute leider ohne Männerchor

Die Heiterkeit: Sonja Deffner, Stella Sommer, Hanitra Wagner, Philipp Wulf (v.l.) - Foto: Malte Spindler
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Die Heiterkeit: Sonja Deffner, Stella Sommer, Hanitra Wagner, Philipp Wulf (v.l.) 

Bremen - Von Rolf Stein. Vielleicht versprach der Name Heiterkeit unangemessen gute Laune angesichts der Weltlage – oder die dann doch eher melancholische Musik der Band wurde angesichts der Gesamtsituation im Gegenteil als potenziell zu gefühlsverstärkend erachtet. Jedenfalls war es am Mittwoch nicht besonders voll im Lagerhaus, als das Hamburger Quartett mit dem irreführenden Namen dort auftrat.

Zuvor gab es noch die Bremer Formation Spröde Lippen zu hören, die ebenfalls in gedeckten Tönen musiziert, allerdings, tja, spröder, minimalistischer, an kratzigem Post-Punk orientiert. Und auch lyrisch ist das eher Punk. Der erste Song des Abends heißt „Der Drops ist gelutscht“ – was auch schon der gesamte Text ist. In „Es lebt“ singen sie von jungem Gemüse, das irgendwann alt wird, wenn man es ins Regal stellt.

Krach, synthetische Streicher und Chöre

Die Heiterkeit beweist im Anschluss, dass gerade in trüben Zeiten elegische Musik Wunder fürs Gemüt bewirken kann. Das Konzert eröffnet das Quartett um Stella Sommer dann auch noch mit dem Song „Hier kommt die Kälte“, wenig später folgt „Schlechte Vibes im Universum“, das, so Sommer, eigentlich immer passt. recht hat sie. Leider. Mit grabestiefer Stimme, die an die legendäre Nico erinnert, singt sie darin Zeilen wie: „Es sind schlechte Vibes im Universum / Ich gehe davon aus / Als jemand, der sich diesen öffnet / Brauch ich was man braucht“. 

Was andeutet, wie damit umzugehen wäre, nämlich mit einer dann doch wieder beinahe heiteren Gelassenheit, die auch in anderen Songs der Heiterkeit aufschimmert, wie in „Betrüge mich gut“ von dem monumentalen jüngsten Album „Pop & Tod I+II“, von einem Kritiker treffend als „ein sich geradezu euphorisch in Lethargie suhlendes Testament der Tristesse“ beschrieben. In dem nun Platz ist für Krach, synthetische Streicher und Chöre, ja gar für einen Männerchor im Finale „Haben die Kids“. Der am Mittwoch auch auf dem Programm steht, allerdings, wie Sommer lapidar verkündet: „Heute leider ohne Männerchor – aber was soll man machen.“ Keine Frage.

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