Johann Sebastian Bach und seine Söhne im Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen

Das Herz rühren, die Leidenschaften bewegen

Tanja Tetzlaff

Von Ute Schalz-LaurenzeBREMEN (Eig. Ber.) · Wenn Mozart und Haydn bewundernd von Bach sprachen, dann meinten sie nicht Johann Sebastian, sondern dessen 1714 geborenen Sohn Carl Philipp Emmanuel, ein Sturm und Drang-Talent ohnegleichen, der maßgeblich zu der These beiträgt, dass die Zeit zwischen Barock und Klassik nicht eine diffuse „Vorklassik“ ist, sondern eine ganz eigene Zeit mit einem ganz eigenen Stil.

Das letzte Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie mit dem Titel „Väter und Söhne“ erzählte Interessantes von dem stilgeschichtlichen Wandel in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dieser Prozess war das nach wie vor unglaublich spannende Thema, nicht unbedingt, ob die Stücke auch toll waren.

Tatsächlich scheiden sich die Geister, wenn man Bachs unendlich komplizierte, mit Absicht rätselhafte Kanons hört: für mich persönlich eher eine lustvolle „Augenmusik“, für andere, wie ich im Publikum hörte, begeisternde Klarheit von Strukturen. Der Dirigent Reinhard Goebel musizierte sie mit den Streichern: glasklare Strukturen, Strukturen, Strukturen und damit natürlich weit weg die Frage nach „Interpretation“. Das ist richtig so und es stellt sich natürlich die Frage, ob das als „Werk“ in einen Konzertsaal gehört. Sicher, wenn man wie hier, ein so gutes Programm macht. Denn der Ausbruch danach, ja geradezu die Abrechnung mit dem Vater, Sinfonie und Flötenkonzert des 1710 geborenen Wilhelm Friedemann Bach, war die sehr viel interessantere Musikerkenntnis als die isolierte Qualität der Stücke.

Das war nicht so, die Sinfonie in F-Dur und das Flötenkonzert in D-Dur von Wilhelm Friedemann (brillant Bettina Wild) sind nette Plaudermusik. Ganz anders Carl Philipp Emmanuel mit der Sinfonie e-Moll und dem Cellokonzert a-Moll. Große Musik, die die „Neuheit mit der Schönheit“ vereint, wie Kopstock sagte. „Das Herz zu rühren und die Leidenschaften zu bewegen“ war Carl Philipp Emmanuels Ansinnen nach der für ihn verstörenden Rationalität vom Vater und das gelang der Kammerphilharmonie unter Reinhard Goebel mit ihrer sensiblen Solistin Tanja Tetzlaff bestens. Reinhard Goebel, der mit der „Musica Antiqua Köln“ seit 1973 Interpretationsgeschichte schrieb, überraschte mit einem erregten und bestimmenden, in keiner Weise zur Musik passenden Dirigierstil, der auch unbedingt erforderliche Sensibilitäten der Musiker untereinander eher zu verhindern schien. Trotzdem: nicht unbedingt ein tolles Konzert, sondern ein still informatives mit einer großartigen Programmidee.

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