„Privatbesitz“: Sammlungen Bremer Künstlerinnen und Künstler

Von heimischen Wänden

Bremer Netz: Bild von Sibylle Springer aus der Sammlung Marina Schulze. ·
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Bremer Netz: Bild von Sibylle Springer aus der Sammlung Marina Schulze. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingDie große Ausstellungshalle der Städtischen Galerie Bremen konnte mit ihrer Wandelbarkeit schon häufig überraschen. Trotz markanter Architektur häutet sie sich immer wieder neu. Mit ihrem aktuellen Auftritt weiß sie erneut zu verblüffen.

Dicht an dicht hängen blockweise Bilder und Blätter aller künstlerischen Gattungen. Sockel mit Skulpturalem und Vitrinen mit Kleinteiligem ergänzen das Wandgewusel. 562 Exponate sind insgesamt aufgeboten, um öffentlich zu machen, was sich sonst im Privaten verbirgt. Die Sammlungen von Künstlerinnen und Künstlern aus Bremen und der Region, genauer gesagt Teile aus 15 Kollektionen, gastieren vom Wochenende an bis zum 11. November am Buntentorsteinweg. Um den häuslichen Charakter der Konvolute anschaulich zu machen, wählten die Ausstellungsmacher eine Patchwork-Präsentation, die das Auge herausfordert. So ist das eben im begrenzten heimischen Ambiente, darf der Besucher schlussfolgern, wenn jeder Wandquadratzentimeter ausgenutzt werden muss. Außerdem soll die Hängung samt beigestellter Wohnzimmer stühle wohl schon den speziellen Charme der von persönlichem Geschmack, Zufälligkeiten und freundschaftlichen Verbindungen geleiteten Ansammlungen widerspiegeln.

Die Idee zu dem Projekt hatte Marikke Heinz-Hoek, Künstlerin, Kuratorin und nicht zuletzt eine Bremer Kunstszenen-Größe, die über kaum zu toppende Verbindungen zu Künstlerinnen und Künstlern und langjährig angesammelte Einblicke in die Szene verfügt. Das sogenannte Netzwerk, das heißt, wer wen schätzt, wer mit wem was getauscht hat, wer für wen vielleicht mal eine Dienstleistung erbracht und dafür mit Kunst entlohnt worden ist, das soll die ausgreifende Schau mit dem schmalen Titel „Privatbesitz“ abbilden. Die Kuratorin gönnt ihrer Sammlung selbst einen umfassenden Auftritt.

Wer die Ausstellenden ein wenig kennt, wird in den angehäuften Exponaten vielfach Parallelen zum Werk des sammelnden Künstlers finden. Die Strenge, die beispielsweise Nicholas Bodde in seiner Farbfeldmalerei pflegt, leitet offenkundig auch den Aufbau oder das Anwachsen – man weiß es ja nicht genau –  seiner Kollektion. Dass Edeltraut Rath, vorzugsweise im Ornamentalen unterwegs, viel und gerne den asiatischen Raum bereist, erschließt sich schnell. Ebenso offenkundig wird, dass Eugenia Gortchakova ihre persönlichen Kunstschätze in engem Zusammenschluss mit der Sammlung ihres Mannes, des Kunstkritikers Jürgen Weichardt, sieht. Der kennt sich in der Kunst Osteuropas nicht nur blendend aus, sondern besitzt auch viel Bildhaftes aus diesen Ländern. Weichardt wird übrigens zur morgigen Ausstellungseröffnung sprechen, irgendwie hängt in der Bremer Kunstszene ja doch alles mit allem und jeder mit jedem zusammen.

Ästhetische Nähe und Ateliernachbarschaft kennzeichnet die Korrespondenz von Marina Schulze und Sibylle Springer. Der Austausch von Kunst erscheint fast zwangsläufig, wechselseitige Wertschätzung ist damit nicht notwendigerweise verbunden, wird aber in den Präsentationen der beiden erkennbar.

Am wenigsten Ansammlungscharakter vermittelt die Auswahl aus dem umfangreichen Besitz des Bremer Zeichners Dieter Rogge. Rogges Konvolut beinhaltet denn auch weniger Tauschware und Zugriff auf den Output Bremischer Ateliers, sondern vielmehr gezielte Ankäufe von international hochrangiger Kunst. Zum Profil der Sammlung trägt auch die Fokussierung auf Druckgrafik bei.

Begleitend zur Kunstschau hat Kuratorin Heinz-Hoek, die im Konvolut gern die Persönlichkeit des Sammlers aufgesucht haben möchte, Anekdoten zum Privatbesitzzugriff gesammelt. Rogge etwa erzählt von einer frühen Begegnung mit der Kunst Robert Rauschenbergs in einer Hannoveraner Ausstellung. Das Seherlebnis sei ein Schock gewesen und offenbar auch Antrieb, ein wenig von diesem Ereignis lange im häuslichen Alltag nachklingen zu lassen. Nun besitzt Rogge drei Rauschenberg-Lithografien aus der Serie, die er 1970 im Kunstverein Hannover gesehen hatte.

Dass Anja Fußbach da offenbar deutlich spontaner agiert, mehr der jüngeren Pop-Kultur zugeneigt ist und einer anderen Generation angehört, zeigt sich in Rogges direkter Nachbarschaft. Sicher wird sich kaum ein Mitglied der großen Bremer Kunstfamilie diese Schau öffentlich gewendeter Privatkabinette entgehen lassen, bietet sie doch auch Insidern manche neuen Einsichten und können die Betrachter doch angesichts der ausgestellten Vorlieben und Verbindungen ihren eigenen Geschmack in Stellung bringen und über den Rang der Exponate debattieren.

Städtische Galerie Bremen, Buntentorsteinweg, bis 11. November. Di- Sa 12-18 Uhr,

So 11-18 Uhr. Eintritt: 4 Euro

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