Konzert in Bremen

Happy hilft nicht weiter

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Schwarz, aber nicht traurig: Am Freitag kommt Frau Schmidt nach Bremen.

Bremen - Von Andreas Schnell. „A modern day Marlene Dietrich“ nannte der Sydney Morning Herald die gerade mal 22-jährige Elisa Schmidt, die sich, eigentlich ganz unglamourös, unter ihrem Nachnamen aufmacht, die Popwelt zu erobern. Dabei erhielt sie prominente Schützenhilfe: Guy Chambers, der schon Robbie Williams produzierte und Songs für Künstler wie Kylie Minogue und INXS schrieb, nahm mit Schmidt das Album „Femme Schmidt“ auf, Elton John nahm sie mit auf Tournee.

Pop Noir nennt Schmidt ihre Musik, eine Mischung aus balladeskem Pop und sanftem Jazz, zu der die junge Sängerin mit rauchiger Stimme vom ewigen Thema Liebe singt. Gegenüber unserer Zeitung spricht sie über die Zusammenarbeit mit Guy Chambers, ihr neues Album und ihre Vorliebe für die Farbe Schwarz.

Sie sind also die Frau, die Guy Chambers, den Produzenten von Robbie Williams, veranlasst hat, doch nochmal ein ganzes Album zu produzieren. Wie haben Sie das geschafft?

Schmidt:Das war ein bisschen Zufall. Wir hatten das nicht geplant. Aber beim ersten Treffen haben wir uns beide kreativ sehr befruchtet. Da ging eine Tür auf, durch die wir gehen wollten. Es fing an mit dem Song „Shadowman“, und dann wollten wir herausfinden, was dahinter steckt. Dann wurden ganz schnell zwölf Songs draus.

Aber wie trifft man so einen Mann? Der läuft einem ja nicht beim Einkaufen über den Weg.

Schmidt:Ich lernte Guy durch meine Plattenfirma kennen. Die hatten einen Song von ihm, den ich unbedingt für mein Album haben wollte. Guy hat gesagt: Du kannst ihn haben, aber nur, wenn ich ihn produzieren darf. Da hab ich natürlich sofort zugesagt. Ich bin für zwei Tage zu ihm gefahren, und am Ende des zweiten Tages war klar, dass wir weitermachen.

Danach ging es rasant aufwärts. Sie waren sogar mit Elton John auf Tour.

Schmidt:Das war letztes Jahr im November. Bis zur ersten Show konnte ich gar nicht realisieren, dass das jetzt wirklich passiert.

Haben Sie denn auch persönlichen Kontakt zu Elton John gehabt, oder bekommt man so jemanden gar nicht wirklich zu Gesicht?

Schmidt:Wir sind voll in die Familie aufgenommen worden, haben uns an einem freien Tag zusammen Coldplay angeschaut, das war schon alles sehr entspannt.

Wie war das, auf einmal vor so vielen Leuten zu stehen?

Schmidt:Unglaublich. Ich glaube, es gibt keine bessere Droge auf dieser Welt, als vor 20 000 Menschen aufzutreten. Als ich von der Bühne kam, haben mich meine Freunde gefragt, was ich denn genommen hätte. Davon hätten sie auch gern was.

Ihre Musik wird immer wieder mit Burlesque in Verbindung gebracht.

Schmidt:Das kommt wahrscheinlich, weil ich mich lyrisch ausziehe. Ich bin sehr direkt in meinen Texten.

Die Musik auf Ihrem Album „Femme Schmidt“ hat ja durchaus etwas Nostalgisches.

Schmidt: Wir haben uns von den zwanziger Jahren beeinflussen lassen, auch ein bisschen von den sechziger Jahren, eigentlich von allem, was gerade um uns herum passiert ist. Als ich im Dezember 2010 nach London gegangen bin, gab es da ein Zwanziger-Jahre-Revival. Wir kamen nicht darum herum, uns darin ein bisschen zu verlieren. Aber ich finde schon, dass wir auch zeitgemäß sind. Ich mag allerdings das Lebensgefühl, das damals herrschte, und möchte das für mich bewahren, dass man sich auch mal treiben lässt, nicht so viele Regeln hat. Heute müssen die jungen Leute mit 23 schon einen Bachelor haben, sonst ist in ihrem Leben alles schiefgelaufen. Das finde ich falsch. Als junger Mensch ist man so kreativ und sollte seine Zeit damit verbringen, sich immer wieder neu zu erfinden, um dann mit 30 genau zu wissen, was man machen will, wo man hin will.

Was fasziniert Sie an der Farbe Schwarz?

Schmidt:Ich hab schon als Kind oder als Jugendliche immer einen Hang zu Melancholie gehabt, aber nicht in einem traurigen Sinne. Im Moment bekomme ich zum Beispiel feuchte Augen, wenn ich spüre, wie schön das Leben ist und was für ein Glück ich habe, das machen zu können, was ich will. Das ist eigentlich eine sehr schöne Melancholie. Und selbst wenn es mir mal nicht so gut geht, koste ich das voll aus. Wenn immer alles happy ist, entwickelt man sich ja nicht weiter. Songs zu schreiben ist für mich so etwas wie eine Selbsttherapie.

In Ihren Texten geht es sehr oft um Sex, um Erotik, um Liebe. Inwieweit ist das eine Therapie?

Schmidt:Es geht eher um Momente in meinem Leben, die ich niedergeschrieben und verarbeitet habe. Songwriting passiert ja eher aus einer Emotion heraus. Ich glaube, man macht sich da gar nicht so viele Gedanken. Meine Songs sind wahrscheinlich das einzig Stetige in meinem Leben, wo ich etwas festhalten kann, was dann für immer dort bleibt. Ansonsten ist alles ziemlich verrückt.

Schmidt tritt am Freitag, den 8. März um 20 Uhr in der Schwankhalle in Bremen auf.

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