750 Millionen verkaufte Hefte

„Fix und Foxi“: Eher Kleinstadt als New York

Das Titelbild des „Fix und Foxi“-Sammelbandes Nr. 45 - Grafik: Your Family Entertainment AG
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Das Titelbild des „Fix und Foxi“-Sammelbandes Nr. 45.

Hannover - Von Jörg Worat. Lupo, Pauli und Professor Knox – wenn das kein Kult ist. Durchaus erstaunlich daher, dass es in Deutschland bislang noch nie eine umfassende Schau über „Fix und Foxi“ gegeben hat. Immerhin handelt es sich dabei um den wichtigsten eigenständigen Beitrag zur hiesigen Comicgeschichte. Und einen zumindest streckenweise höchst erfolgreichen: Von über 750 Millionen verkauften Heften ist die Rede, die in den besten Zeiten eine wöchentliche Auflage von 400 000 erreichten und sogar „Micky Maus“ übertrumpften.

Der Vater dieses Universums heißt Rolf Kauka, gemeinhin gefeiert als der „deutsche Walt Disney“. Der gebürtige Leipziger, später in München zuhause, hatte ursprünglich auch eine Karriere als Produzent von Trickfilmen im Sinn, was indes nicht recht ins Rollen kam. Um so besser entwickelten sich die Comics, die im Wilhelm-Busch-Museum nicht nur als fertige Hefte und als Merchandise-Artikel zu sehen sind – ein Gutteil der Ausstellung zeigt erfreulicherweise Originalzeichnungen vom Scribble bis zur Tuschvorlage.

Alle bekannten Charaktere sind vertreten, vor allem die Titelhelden, die anfangs noch eher tatsächlich nach Füchsen aussahen und erstmals 1953 als Nebenfiguren in einem Magazin namens „Eulenspiegel“ auftraten. Ihre Beliebtheit sorgte sehr schnell dafür, dass sie ihre eigene Heftreihe bekamen, und bald nahmen sie die bekannte knuffige Gestalt an: Fix mit der Haartolle und der gelben Hose ist schnell von Begriff, während sein blau gekleideter Bruder Foxi einen Hang zur Dussligkeit mitbringt.

Mit bösartigen Zügen

Das Duo erlebt zwar allerlei Abenteuer und ist manchmal recht kess, wirkt aber doch im Grunde kreuzbrav. Der heimliche Liebling der Leser wurde so ein anderer: Lupo, namensgemäß zunächst sehr wölfisch dargestellt und mit bösartigen Zügen, entwickelte sich parallel zur äußeren Veränderung zu einem gefräßigen und nicht immer ganz gesetzeskonformen Faulpelz, also zu einer Figur, die gern mit dem Begriff „Lebenskünstler“ beschrieben wird. Lupo war derart populär, dass er schließlich eigene Sonderhefte bekam, die sich teilweise an ein älteres Publikum wandten – ein solches Exponat bezieht sich etwa auf die Geschichte des Jazz.

Das kesse Lupinchen, die sparsame Oma Eusebia, das Cowboy-Indianer-Gespann Tom und Biber, der fidele Maulwurf Pauli und der etwas eitle Erfinder Professor Knox sind weitere Figuren in einem Kosmos, der doch recht regelmäßig Parallelen zur Walt-Disney-Welt aufweist. Er ist allerdings deutlich provinzieller – war Entenhausen noch eher New York nachempfunden, gleicht Fuxholzen, wo Kaukas Stammpersonal sein Zuhause hat, eher einer gemütlichen Kleinstadt. „Kauka hat sich immer stark nach den Leserwünschen gerichtet“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, „und gerade im süddeutschen Raum kam ein solch beschauliches Umfeld offenbar besser an. Auch die Entwicklung der Geschichten verläuft genau andersherum, als man es vermuten könnte. Sie waren am Anfang weltläufiger, da flog man auch schon mal zum Mond.“

Ähnlich wie Walt Disney betrieb Rolf Kauka eine recht rigide Mitarbeiterpolitik, die etwa die Namensnennung der Zeichner nicht vorsah. Inzwischen sind sie bekannt, wobei ein Ausnahmetalent wie der legendäre Donald-Duck-Zeichner Carl Barks bei „Fix und Foxi“ nicht zu finden ist. Zu den wichtigsten Namen gehört Walter Neugebauer, der aus Jugoslawien stammte, der dynamischste Stil findet sich aber bei „Becker-Kasch“. Wer auch immer das sein mag – die Identität ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, und es gibt sogar unterschiedliche Meinungen zur Frage, ob sich hinter dem Namen ein Einzelkünstler oder ein Duo verbarg.

Endgültiges Aus im Jahr 2010

Die Ausstellung setzt einen klaren Schwerpunkt bei den frühen Zeiten von „Fix und Foxi“. Das Magazin hatte eine wechselhafte Geschichte, erschien zunächst bis 1994. Zwischenzeitlich verkaufte Kauka seinen Verlag, erwarb ihn später zurück und unternahm in seinem Todesjahr 2000 einen vergeblichen Versuch, das eingeschlafene Heft zu reanimieren. In der Folge gab es einige weitere Bemühungen, bis 2010 das endgültige Aus für die Heftreihe folgte. Heute gehören die Rechte einem Neffen des ehemaligen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch: Stefan Piëch betreibt einen Bezahlsender mit den Figuren, und aus seiner Sammlung stammen die Ausstellungs-Exponate.

Ein zugleich ehrenwertes und peinliches Kapitel aus dem Schaffen Kaukas wird übrigens nicht ausgespart. Der rührige Verleger erkannte als erster das Potenzial von frankobelgischen Comics, die heute als Klassiker gelten, und zeigte etwa Lucky Luke oder die Schlümpfe. Doch nahm er sich bei den Übersetzungen Freiheiten, am schlimmsten bei Asterix und Obelix, die zu Siggi und Babarras mutierten, während die Ostgoten plötzlich sächselten und überhaupt jede Menge unangebrachte Anspielungen auf BRD und DDR auftauchten. Das Ende vom Lied war, dass Kauka der Lizenzvertrag gekündigt wurde. Was freilich in keinster Weise das Vergnügen an dieser vielseitigen Ausstellung schmälern sollte.

„Fix und Foxi – Rolf Kaukas großer Welterfolg“, bis zum 26. März, Wilhelm-Busch-Museum, Hannover.

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