Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt Schostakowitsch und Mendelssohn – mit Geiger Daniel Hope als Gast

Handgranate eines Anarchisten

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Daniel Hope

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „D-Es-C-H“ ist das selbstbewusst herausgeschleuderte Viertonmotiv von Dimitri Schostakowitschs Kammersinfonie c-Moll, op. 110 a.

An einen Freund hatte er geschrieben, dass wahrscheinlich nach seinem Tod niemand mehr an ihn denken wird und deswegen wolle er das nun selber tun: die Noten sind die Anfangsbuchstaben seines Namens.

Die Deutsche Kammerphilharmonie trug im letzten Konzert ihren Teil dazu bei, dass das gelingen könnte: ohne Dirigent, mit extremer, auch bruitistischer Wucht und unbeschreiblicher Zartheit, mit bewundernswert gehaltener Spannung und ebenso bewundernswerter Homogenität gelang den Streichern ein interpretatorisches Meisterstück. Doch nicht nur da: Auch die Wiedergabe des frühen Oktettes für acht Streicher op. 11, gelang als „Handgranate eines Anarchisten“, wie ein Uraufführungskritiker 1925 schrieb. Dass die „sozialitische“ Musikkultur unter Stalin nicht nur die berühmte „Lady Macbeth“ nicht vertrug, sondern schon dieses kraftvolle Werk des Neunzehnjährigen, machten die MusikerInnen geradezu beglückend klar.

Schon viele Jahre war ein Konzert mit dem britischen Geiger Daniel Hope gewünscht. Hope ergänzte das beispielhaft gute Programm mit der führenden ersten Geige im Oktett Es-Dur op. 20, dem Geniestreich eines Wunderkindes: Felix Mendelssohn Bartholdy war 16 Jahre alt, als er es schrieb. „Dies Oktett muss im Style einer Sinfonie in allen Stimmen gespielt werden, die Pianos und Fortes müssen sehr genau und deutlich gesondert und schärfer hervorgehoben werden, als es sonst bei Stücken dieser Gattung geschieht.“ Genau das vollzogen die Streicher perfekt. Unnachahmlich schnell und zart zog die feehnafte Geisterwelt des Scherzos an uns vorüber, riss uns die wilde Schlussfuge in einen überwältigenden Bann und blühte im ersten Satz reine Streicherlust auf.

Höhepunkt allerdings des ohnehin schon an Höhepunkten reichen Konzertes war dann zum Schluss die Wiedergabe des Violinkonzertes in e-Moll, op. 64 von Mendelssohn Bartholdy. Hier erfüllte Daniel Hope natürlich alle hochvirtuosen Forderungen, darüberhinaus aber gelang ihm eine Wiedergabe von bewegender Tiefenchärfe. Besonders in der Kadenze des ersten Satzes entdeckte und spielte er tragische Akzente, die dann wieder landeten in einem unbescheiblichen Schmelz schöner Klanggebung. Das kann man vielleicht anders machen, strenger, klassizistischer, aber nicht besser. Überraschend dann Hopes Ansage für die geforderte Zugabe: mit einem solchen Orchester im Hintergrund spielt man nicht alleine! Und so setzte er sich als Konzertmeister ans Pult: die Orchesterbearbeitung des „Geister“-Scherzos aus dem Mendelssohn'schen Oktett war dann der wirkliche Schluss eines Sternstundenkonzertes.

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