In Hamburg ist die größte Einzelausstellung von Raymond Pettibon zu sehen

Unter schwarzer Flagge

„Händeschütteln? Damit?“: unbetiteltes Werk von 2007 Abbildung: Raymond Pettibon
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„Händeschütteln? Damit?“: unbetiteltes Werk von 2007 Abbildung: Raymond Pettibon

Hamburg - Von Rolf Stein. Am Anfang der künstlerischen Karriere von Raymond Pettibon steht eine Ikone: vier schwarze Streifen in Form einer stilisierten Flagge angeordnet. Diese Symbol ziert seit den frühen 80er-Jahren die Kutten zahlloser Punks. Es ist das Symbol der Gruppe Black Flag, deren Bassist Pettibon war, als die Band noch Panic hieß.

Auch wenn Pettibons Musikerkarriere damit im Grunde schon beendet war, blieb er der Szene treu, gestaltete Plattenhüllen von Bands wie den Minutemen und Saccharine Trust, die auf dem von seinem Halbbruder und Black-Flag-Gitarristen Greg Ginn gegründeten Label SST Records veröffentlichten, zeichnete Flyer und Plakate für Untegrund-Konzerte in Kalifornien. Seither soll er Zehntausende von Arbeiten geschaffen haben, ein großer Teil davon Zeichnungen in schlichtem Schwarz-Weiß, oft in klassischer Technik und versehen mit Text-Schnipseln.

Mit der Punk-Szene verband Pettibon nicht nur eine Vorliebe für deren Bands. Gewalt spielt eine große Rolle im Werk des Künstlers, der Niedergang der Hippie-Kultur, aber auch der Do-It-Yourself-Gedanke der Szene, die sich jenseits der Musikindustrie eigene Wege suchte, ihre Musik zu verbreiten, eigene Medien, sogenannte Fanzines, eine eigene Ästhetik – und nicht zuletzt eine Ablehnung der Wertvorstellungen der Mehrheitsgesellschaft.

In einem Interview mit der Szenezeitschrift Maximum Rocknroll von 2008 wird Pettibon mit den Worten zitiert: „Ich würde mich selbst im Grunde einen Anarchisten nennen.“

Seine Verbindungen zur Musikszene wurden ab Mitte der 80er-Jahre zwar zusehends lockerer, auch wenn er immer wieder Plattencovers gestaltete, wie für Sonic Youth oder die Foo Fighters. Allerdings kehrte er immer wieder zu Musik zurück. Als ihm 2001 der Wolfgang-Hahn-Preis in Köln verliehen wurde, trat er bei der Zeremonie mit dem Trio Blank auf und schleuderte dem verdutzten Publikum eine halbe Stunde lang frei improvisierte Rock-Musik entgegen, angereichet, wie seine grafischen Werke, mit Versatzstücken amerikanischer Popkultur, aus dem Kontext gerissenen Slogans.

In der Hauptsache ist Pettibon seit den späten 80er-Jahren allerdings als bildender Künstler bekannt. In den vergangenen Jahren wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, seine Arbeiten vielfach gezeigt, vor knapp zehn Jahren beispielsweise in einer Einzelausstellung in der Kestnergesellschaft in Hannover. Nun zeigt die Sammlung Falckenberg „die größte jemals präsentierte Ausstellung des Werkes des amerikanischen Künstlers“: 700 Zeichnungen Flyer, Plattenhüllen, Fanzines, Filme und Wandzeichnungen auf vier Etagen.

Raymond Pettibon: „Homo americanus“, Eröffnung:

Samstag, 27. Februar, 12 Uhr, bis 11. September, Sammlung Falckenberg, Deichtorhallen, Hamburg.

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