Theater Osnabrück eröffnet mit dem „Dschungelbuch“ den Reigen der Weihnachtsmärchen

Hässlich und ganz nackig: der Mensch

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Gute Nacht? Los geht‘s! Das gilt für die cleveren Geier, aber auch für die Wölfe (Heaven, Martin Ignaz Schmeing, l.) und Shir Khan (Alexandre Pierre, r.).

Von Beate BößlOSNABRÜCK · Es gibt Dinge, die mögen Kinder besonders gern. Zum Beispiel, wenn eine durchgeknallte Affenbande Quatsch macht. Oder jemand ganz unvermittelt dröhnend laut in eine Tuba bläst.

Gleiches gilt für Luftballons, die halb aufgeblasen losgelassen werden, um dann sinnlos quietschend über die Bühne zu schnurcheln. „Das Dschungelbuch“, das jetzt als Weihnachtsstück vom Theater Osnabrück aufgeklappt wird, bietet einige solcher lustigen Turbulenzen. Darüber hinaus vereint die Inszenierung von Katja Lillih Leinenweber in hohem Tempo Spannung, Spaß und lustiges Schlangenzischen. Denn: Bei allem wilden Getier, das dort über die Bühne hüpft, wird besonders die Schlange Kaa zum Star. Die nämlich sieht ein wenig aus wie ein staksiger Elton John mit einer ausgefallenen, viel zu großen Brille. Wenn Kaa auftritt – sehr geschmeidig von Axel Brauch gespielt – dann geschieht das behäbig und tänzelnd. Außerdem ist es hübsch anzusehen, wie sich Kaa zwei-, dreimal aus einem bodenlangen Kleid aus einer Art dehnbarem, bunten Supermannanzug-Stoff häutet.

Insgesamt ist das Dschungelbuch natürlich mehr als eine züngelnde Solonummer. Ganz wie von Rudyard Kipling einst erdacht, geht es in dieser für die Bühne bearbeiteten Stückefassung um den kleinen Mowgli, der als Baby von vermeintlich wilden Tieren aufgegriffen wird. Es ist dabei recht niedlich anzusehen, wie sich beide Seiten anfangs beschnuppern. „Hässlich und ganz nackig!“ sei das Fundstück, sagen die einen erschrocken. „Ein typisches Menschenjunges eben!“, sagen die anderen. Das kleine Findelkind (Marie Bauer übernimmt dessen Part) rollt dazu über die Bühne, mag sich wundern über die behaarten, merkwürdigen Spielkameraden, die es allerorts beäugen.

In der etwa eineinviertelstündigen Aufführung ohne Pause gibt es ausführlich Gelegenheit, die verschiedenen Charaktere des Stückes kennenzulernen. Als da wären etwa Bagheera, der schwarze Panther, das Wolfsrudel oder der böse Löwe Shir-Kahn. Lieb gewinnen mag mancher Zuschauer natürlich Balu, der im Stück jedoch eher eines von vielen Tieren ist, wenngleich sein Kult-Song „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ natürlich auch zum Soundtrack der Osnabrücker Aufführung wird. So tapsig steht Balu beim Singen auf der Bühne, dass man einfach lachen muss.

Eingebettet ist das große, wilde, aber dennoch herzliche Tierreich, in dem die Affen vielleicht eine Spur zu wild daherkommen, in das hübsche Bühnenbild von Katja Bathon. Farbige Strahler tauchen den Urwald mal in sattes Grün, dann in ein leuchtendes Farbenspiel aus Rot und Violett. Hinzu kommen Effekte, mit denen man kleine und große Besucher gleichermaßen fürs Theater begeistert: Ein fliegender Vogel, der an einem Seil über der Bühne schwebt. Oder ein überraschender Feuereffekt.

Am Ende war so viel in dem Stück los, dass manche Eltern froh sein dürften, wenn ihre Kind darüber den allerersten Satz des Abends vergessen hatten: „‚Gute Nacht‘ heißt für uns ‚Los geht’s‘!“, sagte da nämlich der clevere Geier. Eine echte Steilvorlage für Dschungel-Fans, die nicht schlafen wollen.

Weitere Vorstellungen: am 13. November um 11 Uhr sowie am 28. November um 9.15 Uhr.

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