Schirmer: „Das Nachkriegstheater revolutioniert wie kein Zweiter“ / Pade: „Auf intelligente Weise unverschämt und schamlos“

„Habe ihm alles geglaubt“: Regisseure und Schauspieler würdigen Zadek

Ulrich Wildgruber und Eva Mattes in Zadeks „Othello“-Inszenierung 1976: „Unverschämt und schamlos.“

BREMEN (joh) Peter Zadek hat das deutsche Sprechtheater maßgeblich beeinflusst. Die Nachricht seines Todes wurde gestern in der Theaterszene sehr unterschiedlich aufgenommen.

Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) erinnerte an die „legendäre Ära“ von Generalintendant Kurz Hübner am Theater Bremen. Peter Zadek sei hier „einer der wesentlichen Vertreter des ‚Bremer Stils‘“ gewesen. Der Regisseur habe, nicht nur in Bremen, Theatergeschichte geschrieben. Der Intendant des Deutschen Schauspielhauses, Friedrich Schirmer, hingegen würdigte den Regisseur für seine Hamburger Produktionen „Othello“, „Andi“, „Wintermärchen“ und „Lulu“: Über die Stationen Ulm, Bremen und Hamburg habe Zadek „das Nachkriegstheater revolutioniert wie kein zweiter Regisseur“. Regisseur Luc Bondy erklärte, Zadek habe „immer überraschende Dinge aus einer immerwährenden Tiefe“ gesagt: „Er fürchtete den Tod wie niemand, wie kann ich es ihm nachfühlen: Da er an nichts – mehr – nach dem Ende glaubte, hat er intensiv gelebt und gefühlt.“

Regisseur Christian Pade, der zuletzt in Bremen die Leitung des Schauspiels inne hatte, sprach gegenüber unserer Zeitung von einer intelligenten Art der „Unverschämtheit und Schamlosigkeit“, die Zadeks Stil wesentlich geprägt habe. Zadek habe mit einer Leichtigkeit Grenzen überschritten, die „seine Apologeten“ lediglich nachgeahmt hätten. Er selbst habe dies bei einem Besuch der Hamburger „Lulu“-Inszenierung 1988 erlebt: „Allein die Entscheidung, das Licht im Zuschauerraum anzulassen, hat auf eine fast unverschämte Weise das Publikum zu einer ganz besonderen Aufmerksamkeit animiert.“ Zadek habe mit seinem Stil den späteren Dekonstruktivismus eines Frank Castorf vorbereitet: „Wenngleich beide Regisseure diesem Vergleich wahrscheinlich widersprochen hätten.“

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, würdigte Zadek für sein „kritisches, politisches Engagement“, das sich aus seinem jüdischen Emigrantenschicksal gespeist habe: „Diese Wachsamkeit, seine Sensibilität für Kommendes, kurz, seinen politischen Instinkt und seine Liebe zum Menschen werden wir sehr vermissen.“

Gert Voss, der als Schauspieler sowohl im Berliner Ensemble als auch am Wiener Burgtheater mit Zadek zusammengearbeitet hat, erklärte, der Regisseur habe seine Schauspieler davon befreit, sich zu verstellen und sie dazu gebracht, sich zu enthüllen: „Ich habe ihm in der Arbeit alles geglaubt.“

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