Ausstellung zum 42. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst

Ein guter Jahrgang

Theatrale Wirkung: Die Installation „Fenster zum Hof“ vom diesjährigen Preisträger Lukas Zerbst. Foto: FRANZISKA VON DEN DRIESCH

Bremen - VON ROLF STEIN. Damit es nicht allzu spannend wird, sei es gleich verraten: Den 42. Förderpreis für Bildende Kunst 2018 erhält Lukas Zerbst für seine Arbeit „Fenster zum Hof“. Sie besteht aus drei Scheinwerfern, die von verschiedenen Fenstern aus den Peter-Zadek-Platz erhellen und vermessen, deren Schein sich dabei begegnet und auseinanderbewegt. Eine stille Choreografie, die, so heißt es in der Begründung der Jury, den Platz „auf subtile Weise zum Ausgangspunkt für vielschichtige Reflexionen werden“ lassen.

Dass ausgerechnet der Zadek-Platz diese zentrale Rolle spielt, hat einerseits natürlich mit seiner gegebenen Lage zwischen der vor allem den darstellenden Künsten gewidmeten Schwankhalle und der Städtischen Galerie zu tun. Dass die Lichtinszenierung aber auch mehr oder minder zufällig den Platz betretende und überquerende Menschen beleuchtet, verleiht diesen Auftritten und Abgängen theatrale Wirkung. Zerbst darf sich nun über ein Preisgeld von 6 000 Euro, eine Einzelkatalogförderung in Höhe von 3 000 Euro und eine Einzelausstellung in der Städtischen Galerie freuen.

Damit ist die Sache aber nicht ausgestanden. Dass der Förderpreisträger stets schon zur Eröffnung der Förderpreisausstellung verkündet wird, hat durchaus seinen Sinn. Zu sehen gibt es dort nämlich auch eine Art Bestandsaufnahme dessen, was die junge Szene zu bieten hat. Und das ist, wie schon in den Vorjahren, allerhand. Neben Zerbst finden sich unter den 14 Positionen, die in den kommenden Wochen zu besichtigen sind, noch einige andere Namen, die aufmerksame Beobachter des regionalen Geschehens bereits kennen dürften.

Da ist zum Beispiel David Hepp, dessen Einzelausstellung mit dem erratischen Titel „rips messina sr, fb090“ noch bis zum 23. März in der Galerie Mitte in Bremen zu sehen ist. Ist sein Eingriff in den dortigen Ausstellungsraum äußerst ausgedehnt, hat er es sich herausgenommen, mit einem schlichten Bock - wie ihn vielleicht Malermeister benutzen, um temporäre Arbeitsflächen zu schaffen - seine Marke in die Mitte der Ausstellung zu setzen. Die schlicht funktionale Form hat er allerdings ganz bildhauerisch in Muschelkalk nachgebildet - so nobel wie unspektakulär.

Oder Oliver Krebeck: In der Städtischen Galerie sind nun fünf in Beton gegossene Straßensperren aufgereiht, die ansonsten in der Neustadt an der Schule am Leibnizplatz als Skateboard-Hindernisse fungieren. Was natürlich Spuren hinterlässt und die Stücke einem permanenten Wandel unterwirft. Zeitweise waren diese grauen Blöcke allerdings auch schon Hindernisse anderer Art: In der Weserburg trennten sie im vergangenen Herbst während der Meisterschülerausstellung einen Raum ab.

Oder Felix Dreesen, 2017 mit dem Karin-Hollweg-Preis ausgezeichnet, dessen Arbeit nicht nur Besucher der Städtischen Galerie zur Kenntnis nehmen werden: Am Ufer der Kleinen Weser hat er mehrere Bauzaunelemente mit großformatigen Darstellungen des Bahnhofsvorplatzes aufgestellt. Mit Blick auf die Bebauung des Stadtwerders und dem in der Ferne aufragenden neuen Firmensitz von Kühne & Nagel regt Dreesen zur Beschäftigung mit Fragen zum öffentlichen Raum an, von Teilhabe und deren Einschränkung durch Standortüberlegungen bis hin zur Überwachung.

Neben diesen Interventionen in Stadt- oder auch Galerieräume gibt es in der Förderpreisausstellung auch klassischere Positionen zu sehen. Das Spektrum reicht dabei von Fotoarbeiten über Malerei, Installation, Videokunst und performative Ansätze hin zu den Fotogrammen von Franziska von den Driesch, die eher am Material entlang denkt und daraus faszinierende Strukturen schafft - die subtil davon ablenken, wie sie zustande kommen. Eindrucksvoll ist auch die Videoarbeit im Eingangsbereich: Hassan Sheidaei hat das Gesicht eines Mannes gefilmt, der den Auftrag hatte, zu weinen. Von ihm sieht man rund sieben Minuten lang lediglich das von einem eindrucksvollen Bart gerahmte Gesicht. Wenn er am Ende aufsteht und sich als Jeans und T-Shirt tragender Mann erweist, sind wir womöglich beschämt von den Assoziationen, in denen wir uns vorher ergangen haben.

Kurz: Es ist ein guter Jahrgang, der Besuch der Ausstellung sei Ihnen deshalb ausdrücklich ans Herz gelegt.

Zum Anschauen

3. März bis 5. Mai; Öffnungszeiten Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr, Dienstag bis Mittwoch nach Anmeldung.

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