Klimawandel: Eine Ausstellung in Oldenburg wirft einen seltsam optimistischen Blick in die Zukunft

Gute Nachricht für den Ginkgo

Auch diese Produkte sollen den Ruhm der norddeutschen Innovationskraft mehren: Windkraftanlagen in der Oldenburger Klimawandel-Ausstellung.

Oldenburg - Von Johannes Bruggaier · Für Norddeutschland wird der Klimawandel besonders ungemütlich. Schmelzen die Polkappen, steigt der Meeresspiegel. Steigt der Meeresspiegel, brechen die Dämme. Und brechen die Dämme, steht die gesamte Tiefebene unter Wasser. So einfach ist das.

Eine Ausstellung im Oldenburgischen Landesmuseum Natur und Mensch befasst sich nun mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Region. Von einer Sintflut aber ist darin weit und breit nichts zu sehen. Was wohl seine Ursache in der erklärten Absicht der Initiatoren findet, verstärkt positive Beispiele für Auswege aus der Misere zu würdigen. Norddeutschland und der Klimawandel, das ist deshalb zuallererst Solarenergie und Windräder, Elektroautos und Ökostrom. Ein wenig befremdlich mutet das an, bedenkt man das ständig wachsende Verkehrsaufkommen mit immer noch viel zu hohem CO2-Ausstoß. Es hat ein wenig von Hochglanz-Prospekten der Energiewirtschaft, wenn EWE für sein elektronisch betriebenes Fahrzeug gelobt, die Unternehmen „Lichtblick“ und VW als Vorreiter der grünen Technologie gepriesen werden.

Eigentümlich erscheint die Auswahl zu befürchtender Folgen der Erderwärmung im norddeutschen Raum. So verziehe sich der Kabeljau ebenso rasch aus der südlichen Nordsee wie der Seelachs. Dafür gefalle das aufgewärmte Gewässer jetzt Sardinen, Sardellen sowie dem Wolfsbarsch. Was das für das Ökosystem bedeutet? Offenbar gar nichts. Angesichts des zu erwartenden Temperaturanstiegs, heißt es weiter, werden Ginkgo-Bäume mehr und mehr das Stadtbild bestimmen. Auch die Gurken-Magnolie komme mit dem Klima prima zurecht: Na, wenn‘s weiter nichts ist.

Schade ist das alles, weil die Einführung in das Phänomen des Klimawandels an sich durchaus überzeugt. Experten wie der renommierte Meeresforscher Mojib Latif oder der Ökonom Uwe Schneidewind melden sich in Videoclips mit ebenso knappen wie klaren Analysen zu Wort, Schaubilder erklären einleuchtend den Treibhauseffekt. So ist das Schmelzen der Polkappen keineswegs allein die Folge von Erwärmung, sondern zugleich auch eine Ursache weiteren Temperaturanstiegs. Denn Eisflächen werfen 60 bis 90 Prozent des einfallenden Sonnenlichts zurück in den Weltraum, die dunkle Meeresoberfläche hingegen nur etwa zehn Prozent: Die Brisanz des Klimawandels, eine kaum aufzuhaltende Kettenreaktion, wird an diesem Beispiel nachvollziehbar.

Prekär ist der in dieser Ausstellung erweckte Eindruck, die bestehenden Gegenmaßnahmen reichten auch nur annähernd aus, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Technische Innovationen wie Elektroautos sind fraglos wichtige erste Schritte: Sollen künftige Generationen in der norddeutschen Tiefebene noch eine Zukunft haben, werden aber erheblich umfangreichere Strategien nötig sein.

„Klimawandel: kalte Zeiten – warme Zeiten“, bis 1. August 2010 im Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag und Sonntag 10-17 Uhr.

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