Mitte von Spontaneität und Reflexion: Das Takacs Quartett spielt drei Werke von Beethoven / Fort von der Spielmusik, hin zum Sinfonischen

Großer Ton und wunderbare Klangfarben

Von Ute Schalz-LaurenzeBREMEN (Eig. Ber.) · „Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?“ soll Ludwig van Beethoven Franz Schuppanzigh, dem befreundeten Primarius des gleichnamigen Streichquartettes geantwortet haben, das die meisten Beethoven-Quartette damals uraufführte.

Besser kann man nicht die exorbitanten Schwierigkeiten nennen, die auch heute noch jede Wiedergabe der Quartette bedeutet. Hört man jedoch in Streichquartettkonzerten meist eines der 16 Quartette entweder aus der frühen Zeit (op. 18), der mittleren (op. 59) oder auch der späten (op. 127 bis 135), so entschloss sich das ungarische Takacs-Quartett, beim letzten Philharmonischen Kammerkonzert aus jeder Epoche eines zu spielen: für das Publikum eine einzigartige Möglichkeit, die kompositorische Entwicklung zu verfolgen.

Und dies umso mehr, als das Quartett insgesamt keine Wünsche offen ließ. Eine so mühelose Mitte zwischen Spontaneität und Reflexion, zwischen instrumentaler Pefektion und interpretatorischem Mut und Risiko. Da die Spieler, bei denen eindeutig nicht der erste Geiger Edwird Dusinberre mit seinem großen und irreal schönen Ton, sondern der zweite Geiger Károly Schranz führt, von der historischen Aufführungspraxis mit ihren meist klein gliederigen Artiukulationen erstaunlich unberührt sind, überzeugte das Werk op. 18/3 aus dem Jahr 1798 am wenigsten. Die Wiedergabe von op. 59/2 zeigte dann deutlich, wie jedes Stück immer wieder eine total neue Aufgabenstellung ist: die Ausweitung weg von der Spielmusik ins sinfonische, in den neuen großen romantischen Ton. Hier gelang alles bestens: Die Betonung der Charaktere wie dem russischen Volkslied und die Ausweitung des Klangraums, aber auch die geradezu witzigen Gesten im dritten Satz.

Und Höhepunkt des Beethovenverständnisses wurde dann in diesem Konzert die Wiedergabe von op. 127, dem frühesten der späten Quartette: Jede Stimme wurde individuell mit unzähligen wunderbaren Details profiliert – im Cello András Fejér und in der Bratsche von Geraldine Walther –, der zweite Satz überzeugte durch eine sensationelle Energie. Im Adagio fiel der unglaubliche Klangfarbenreichtum auf, der schon weit in die sinfonische Romantik führt, zu dem das ungemein fein geschliffene Finale so reizvoll kontrastierte. So viele große Quartette haben groß Beethoven gespielt, das Takacs gehört absolut dazu und macht einmal mehr klar, dass man mit der geistigen Dimension dieser Werke nie fertig wird.

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