Kulturministerin Johanna Wanka im Dauerlauf durch Worpswede / Erster Besuch in der Künstlerkolonie

Großer Bahnhof zum Masterplan

Johanna Wanka versuchte sich im Beisein der Lokalpolitiker ein Bild von den Baumaßnahmen zu machen.

Von Mareike BannaschWORPSWEDE (Eig. Ber.) · Selbst die Lokaljournalisten tragen heute Anzug. Es kommt ja auch hoher Besuch. Fragt sich nur: wann? Gespannte Blicke.

„Eben habe ich noch angerufen“, sagt Landtagsabgeordneter Axel Miesner und blickt nervös auf die Uhr: „In einen Stau ist sie nicht geraten.“ Es sieht aus, als wollte er am liebsten auf- und abhüpfen vor Aufregung. Doch da, der Wagen mit hannoverschen Kennzeichen biegt um die Ecke. Fotografen und Kameraleute sprinten nach vorne. Ein Bild beim Aussteigen, das wär‘s. Direkt hinter der Pressemeute: die Lokalpolitiker. Zum Handschlag bereit. Alles drängt auf sie zu – Kulturministerin Johanna Wanka (CDU), im rosa Kostüm.

Was führt solch hohen Gast nach Worpswede? Der Masterplan natürlich. Jahrelang geplant, ist er nun endlich da. Oder zumindest fast. Denn genaues weiß niemand. Macht aber nichts.

Nach dem Begrüßungsmarathon mit der Politprominenz führt Wankas Weg mit großen Schritten zum historischen Haus im Schluh. Immer verfolgt von den Kameras. Berit Müller, Urenkelin der Jugendstil-Ikone Heinrich Vogeler, wartet schon. Von den Baumaßnahmen des Masterplans ist nicht viel zu sehen. Nur eine blaue Plane auf dem Dach der alten Weberei nebenan. Doch das stört die Ministerin nicht. Sie ist gespannt, will viel erfahren. Zunächst geht es ins Innere des Hauses. Fototermin vor einem Bild Vogelers. Zeit für künstlerisches Fachsimpeln. „Die Landschaft auf dem Bild wirkt ja sehr russisch“, findet Wanka. „Ja“, sagt die Vogeler-Enkelin und lacht. Es klingt fast entschuldigend: „So sieht es hier manchmal aus.“

Es geht wieder nach draußen. Schnell noch die Übergabe eines kleinen Gastgeschenks: Der weite Weg von Hannover nach Worpswede verdient eine Belohnung. Vor der alten Weberei dann endlich die Gelegenheit für Fachfragen. Nicht für Journalisten – für Frau Wanka.

Die Ministerin will wissen, ob die Weberei auch Souvenire produziert: „Man will doch etwas kaufen, wenn man in Worpswede ist.“ Sie war also schon mal hier, in Worpswede? Etwa inkognito? Der Schein trügt, wie eine Nachfrage beweist. „Nein, aber ich bin ja auch noch nicht lange im Amt“. Na dann.

Genug geplaudert, auf zum nächsten Termin des „Rundgangs“: dem Barkenhoff. Hier ist das Heinrich-Vogeler-Museum beheimatet. Fotografenprogramm, Teil zwei: auf der Treppe diesmal, idyllisch im Garten und vor einem Bild des Künstlers. Wankas Lächeln wirkt jetzt etwas angestrengt. Und auf jedem Bild gruppieren sich im Hintergrund die Herren aus der Lokalpolitik. Ob ihr das wirklich recht ist? Bei Fragen zum Masterplan sind sie plötzlich alle verschwunden – ist ja auch kein Fotograf da.

Ein Blick auf die Uhr, der Zeitplan drängt zur Eile. Kein Problem, hier gibt es sowieso nichts zu sehen. Offenbar hat es der Masterplan noch nicht bis zum Barkenhoff geschafft.

Im Eiltempo geht es zur Pressekonferenz. Der Charme Worpswedes geballt in 500 Metern. Viel sieht man nicht. Was zählt, ist ohnehin nur der Masterplan. Und zu dem will sich Wanka jetzt äußern. Eine große Chance sei das alles, sagt sie: Schließlich sei Worpswede „weltberühmt“. Bürgermeister Stefan Schwenke lobt noch ihre Unterstützung. Das muss reichen.

Wankas Amtsvorgänger Lutz Stratmann hatte den Masterplan einst ins Leben gerufen. Nach ihm fragt heute niemand. Aber das kann bei so viel Zuversicht schon mal passieren.

Wer mehr wissen will, muss sich in diesen Tagen an Matthias Jäger wenden, den Geschäftsführer des Worpsweder Museumsverbunds. Ihn will niemand fotografieren, dabei ist er es, der die Zahlen kennt. Es geht um insgesamt neun Millionen Euro schwere Sanierungsvorhaben. Die große Kunstschau, die Kunsthalle, die Heinrich-Vogeler-Sammlung, das Heinrich-Vogeler-Museum, der Diedrichshof und die Kunsthalle werden um- und ausgebaut. 6,3 Millionen Euro zweigt das Land aus seinen EU-Strukturfördermitteln ab, der Rest komme aus einer „Kofinanzierung“. Bauende, sagt Jäger, sei 2014.

2014? Die Pressemappe spricht doch von einer Vision 2013? Kleiner Planungsfehler, hinterher hänge man dem Zeitplan aber nicht, versichert Jäger. Pünktlich zum 125-jährigen Geburtstag der Künstlerkolonie sei der Masterplan abgeschlossen.

Sollte Ministerin Johanna Wanka dann erneut nach Worpswede fahren, will sie echte Veränderungen sehen – nicht nur Luftschlösser.

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