Die neunte Kunst

Große Kunst in kleinen Büchern: Grusel-Reihe „Die Unheimlichen“

Syke - Von Jan-Paul Koopmann. Horror fängt oft ganz harmlos an: Da kommt der Carlsen-Verlag mit ein paar kleinen Büchlein um die Ecke, je 64 Seiten in schickem Schwarz, mit Namen drauf, die man in der Comic-Szene kennt: Isabel Kreitz, Nicolas Mahler, Barbara Yelin und so weiter. Die Serie „Die Unheimlichen“ versammelt die Großen und Wichtigen aus der Graphic-Novel-Sparte und lässt sie auf Klassiker der Gruselliteratur los.

Edgar Allan Poe ist zum Beispiel dabei – oder im soeben erschienenen fünften Band Theodor Fontanes „Unterm Birnbaum“, mit dem sich die Hamburger Künstlerin Birgit Weyhe auseinandersetzt.

Und während die kleinen Bändchen mit der Zeit zu einer stattlichen Bibliothek relevanter Positionen des deutschen Kunstcomics anwachsen, passiert auch an den Rändern immer wieder Bemerkenswertes. Dass da zum Beispiel ein außerordentlich vielversprechender Nachwuchskünstler wie Lukas Jüliger auftaucht, ist eine berechtigte, aber eben auch mutige Entscheidung. Gleichzeitig werden auch unter den Autoren der Vorlagen kleine Schätze gehoben. Da werden zu Unrecht vergessene Klassiker (John Kendrick Bangs) erinnert oder Genregrenzgänger (Elfriede Jelinek) selbstbewusst als Gruselstoff gesetzt. Wie das nun schon über fünf Bände auf ungebrochen hohem Niveau funktioniert, ohne langweilig oder beliebig zu werden, beweist, mit welchem Fingerspitzengefühl Isabel Kreitz die Reihe kuratiert.

Im Übrigen tut die schlanke Form dieser Novellen auch den Comickünstlern gut, die (abgesehen von Nicolas Mahler) ansonsten ja gerade im Graphic-Novel-Segment auf überlange Schwarten abonniert sind. Um es noch einmal zu sagen: Die klare formale Klammer und der inhaltliche Fokus auf „Gruselliteratur“ erweisen sich als perfekter Ausgangspunkt für den gemeinsamen Auftritt extrem unterschiedlicher Künstler. Und allen gelingt es hier, zugleich mal etwas ganz anderes zu machen – und sich trotzdem in ihrem je unverwechselbaren Stil zu präsentieren.

Die einzelnen Folgen sind nicht nummeriert und bauen nicht aufeinander auf. Ob Sie nun mit dem abstrakten Mahler einsteigen, der bildgewaltigen Weyhe oder Jüligers Internet-Schauerromantik ist reine Geschmackssache. Hauptsache, Sie tun es bald, denn am Ende werden Sie doch alle haben wollen. Und ist der Regalmeter erst voll, geht das auch bei 12 Euro pro Band irgendwann ins Geld.

Weiterlesen:

Isabel Kreitz (Hrsg.): „Die Unheimlichen“. Carlsen Verlag. Bislang fünf Teile, je 64 Seiten Hardcover, 12 Euro

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