Mo Yan, Walser, Strauß: Ein Ausblick auf die neuen Romane des Frühjahrs

Große Gefühle

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Wilhelm Genazino schildert in seinem neuen Roman „Tarzan am Main“ ein exotisch wirkendes Frankfurt.

Berlin - Von Brita Janssen. Trauer und Wut, Hoffnung und Enttäuschung und immer wieder die Liebe: Große Gefühle, Familienkonflikte, Zukunftsvisionen und Vergangenheitsbewältigung prägen die Romane bedeutender Schriftsteller im kommenden Frühjahr.

Viele internationale Bestseller-Autoren kommen mit neuen Belletristik-Werken auf den Markt. Aber auch gute alte Bekannte der deutschen Schriftstellerriege überraschen ihre Leser mit frischen Produkten ihrer Fantasie und Schreibkunst – eine Auswahl:

Mit Spannung wird der Roman „Frösche“ des chinesischen Literaturnobelpreisträgers 2012, Mo Yan, erwartet. Auf 560 Seiten befasst sich der Autor mit der Ein-Kind-Politik seiner Heimat (Hanser Literaturverlage). Als Tom Wolfe mit 56 Jahren seinen Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (1987) veröffentlichte, wurde der zum Weltbestseller. Im Blessing Verlag erscheint nun „Back to Blood“, die neue, 800 Seiten starke Gesellschaftssatire des 81-jährigen New Yorker Autors.

„Ich leide an Verfolgungswahn. Das ist das Einzige, was mich von meinen Verfolgern unterscheidet.“ So beginnt der lang erwartete dritte Band von Martin Walsers Meßmer-Büchern – eine Sammlung von Gedanken und Sinnsprüchen, die bei Rowohlt erscheint.

Ausgehend vom großen Dialog zwischen Göttervater Wotan und seiner Lieblingstochter Brünnhilde im 3. Akt der Walküre, rollt die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek die Ereignisse in Richard Wagners monumentalem Ring-Zyklus neu und sehr heutig auf. Dreh- und Angelpunkt ist die Bedeutung von Gold und Geld, ist in der Ankündigung des Rowohlt Verlages zu lesen.

Einige Jahre nach dem Tod seines Sohnes im Libanonkrieg legt einer der berühmtesten Autoren aus Israel ein sehr persönliches Buch vor – als „Totenklage und Hymnus auf das Leben zugleich“. David Grossman erzählt in „Aus der Zeit fallen“ (Hanser) von der Suche eines Mannes nach seinem toten Sohn.

Bei Hoffmann und Campe kommt David Gutersons Roman „Der Andere“ heraus. Ein Buch über zwei Freunde, die einmal in jugendlichem Idealismus verbunden waren und nun vor folgenschweren Entscheidungen stehen. Sein erster Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ machte den US-Amerikaner weltberühmt.

„Europe Central“ heißt das Mammutwerk von William T. Vollmann, das bei Suhrkamp erscheint. Es erzählt vom Zweiten Weltkrieg aus sowjetischer und deutscher Sicht, in 37 Geschichten von realen und fiktiven Personen, darunter Schostakowitsch und Käthe Kollwitz. Taiye Selasi legt mit „Die Dinge geschehen nicht einfach so“ im S. Fischer Verlag ihr als grandios angekündigtes Debüt vor. Selasi wurde in London geboren, ist in Massachusetts aufgewachsen. Ihre Eltern, beide Ärzte und Bürgerrechtler, stammen aus Ghana. Das Buch erzählt die Geschichte einer afrikanischen Familie, die in der ganzen Welt verstreut lebt. Ebenfalls bei S. Fischer erscheint J.R. Moehringers Roman „Knapp am Herz vorbei“. Der Autor des Bestsellers „Tender Bar“ erzählt darin die Geschichte des Bankräubers Willie Sutton.

Der Beziehungsfachmann unter den deutschen Schriftstellern, Botho Strauß, bringt bei Hanser sein neues Buch heraus. „Die Fabeln von der Begegnung“ berichten von dem einen, einzigen Augenblick, in dem sich das Leben ändert, die Liebe sich auflöst, die scheinbar stabilen Zusammenhänge verschwimmen. Wilhelm Genazino veröffentlicht ebenfalls bei Hanser „Tarzan am Main. Spaziergänge in der Mitte Deutschlands.“ Voller Witz beschreibt der Frankfurter Autor, der am 22. Januar 70 wird, seinen Weg durch Frankfurt, das exotischer wirkt als die Ferne, die mittlerweile fast jeder kennt.

Reinhard Jirgl überrascht mit „Nichts von euch auf Erden“ (Hanser) mit einem Zukunftsroman. Die Handlung spielt im 23. Jahrhundert. Auf der Suche nach neuen Märkten beginnt die Auswanderung der Mächtigen auf den Mond und den Mars, auf Erden bleiben die Schwachen zurück. Zwei Jahrhunderte später kehren die Ausgewanderten wieder zurück und reißen die Macht auf der mittlerweile friedlichen Erde an sich. Ein Roman über die uralten Fragen von Emigration und Heimkehr. · dpa

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