Griff ins obere Regal

Fotofestival „RAW“ kooperiert mit den großen Worpsweder Museen

Worpswede - Gut, dass Jürgen Strasser und Rüdiger Lubricht groß sind – sowohl von Statur als auch in ihren Visionen. Denn bei der dritten Auflage des von ihnen ins Leben gerufenen Worpsweder Fotofestivals „RAW“ greifen sie, wie Strasser bei der Vorstellung des Programms verriet, „ganz oben ins Regal“.

Dort finden sich renommierte Namen wie Gabriele König, deren Sammlung bedeutender DDR-Fotografien in Auszügen in der Kunsthalle ausgestellt wird. Besonders stolz ist man auf Rafael Goldchain, dessen Werke bisher erst einmal in Europa zu sehen waren. In seinem Zyklus „I’m my Family“ porträtiert der Kanadier sich mit einer Großbildkamera selbst in fiktiven Rollen seiner Urahnen. Mit dem Fokus „Mensch“ knüpfen er und drei weitere Fotografen im Haus im Schluh an den Schwerpunkt „Mensch“ an. Möglich sind einige Ausstellungen nur, weil erstmals alle vier örtlichen Museen kooperieren und die von einigen Künstlern geforderten Anforderungen an die Infrastruktur erfüllen.

Heißt es in der dritten Auflage nach 2016 und 2017 des zwischenzeitlich als Biennale und mittlerweile zur Triennale proklamierten Programms rund um das Fotoformat für Profis also „Mehr Klasse als Masse?“ Jein. Sicher, mit dem Qualitätsbegriff „Triennale“ sowie dem neuen Fokus auf die renommierten Ausstellungshäuser grenzen sich die Macher explizit von anderen Veranstaltungen wie den Horizonten Zingst oder dem Oberstorfer Photogipfel ab, die eher in die Breite gingen: „Wir wollen keinen Jahrmarkt und keine Verkaufsveranstaltung“, betont Hella Hahm vom „RAW“-Projektbüro.

Die Quantität kommt dennoch nicht zu kurz. Waren es 2016 noch zwölf Fotografen, die präsentiert wurden, sind es nun mehr als 40. Wie das möglich ist, wo doch einige Ausstellungsstätten wie das kultige „Kulturmobile“ weggebrochen sind? Nun, die vier Museen bieten einfach mehr Fläche. Damit erhoffen sich Strasser und Co. eine Symbiose, knüpfen die Foto-Ausstellungen doch an die inhaltlichen Schwerpunkte der Museen an. So geht es im Heinrich-Vogeler-Museum um Heimat, in der Großen Kunstschau um Landschaft und in der Kunsthalle um den Schwerpunkt Zeitenwende.

Doch auch in puncto Zielgruppen versprechen sich die Organisatoren Synergieeffekte, geht es doch darum, den Ort und die Ausstellungsorte auch für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Der Kulturtouristmus ist auch für den Worpsweder Bürgermeister Stefan Schwenke ein entscheidendes Kriterium, geht es für die ehemalige Künstlerkolonie doch darum, sich neu zu erfinden. „Malerei wird hier immer eine große Bedeutung behalten“; Fotografie als Fortführung der Malerei mit anderen Mitteln passe zum Kulturstandort – „und der wird durch die ,RAW‘ gestärkt.“

Auch wenn Lubricht sich im Zusammenhang mit Malerei und Fotografie mit der historischen Frage beschäftigt, „wer da eigentlich von wem abgeguckt hat“, ist der Fokus von „Changing Realities“ doch vor allem nach vorn gerichtet. Die Welt im Wandel: Dieses Motto verbindet auch das Rahmenprogramm – Workshops, Autorengespräche, Vorträgen oder Filme. Statt Dokumentationen über Fotografen geht es dieses Mal um Gesichtserkennung, Lost Places und Virtuelle Realität.

Diesen Schwerpunkt greift auch der von der Arbeitnehmerkammer als neuer Kooperationspartner initiierten Ableger „RAW Spezial“ auf, der das Festival erstmals in die Stadt bringt, nämlich nach Bremen Nord. Projektbüro-Teilnehmer Peer Rüdiger vom Medienhaven betont: „Es geht jedoch nicht darum, die ,RAW‘ zu kapern, sondern das Thema unterschiedlich zu präsentieren.“

„Changing Realities“ – dieses Motto subsumiert wohl auch das Festival selbst. Mit dem, was die Macher vorlegen, haben sie gute Chancen, die „RAW“ zukunftsfähig aufzustellen.

Sehen

Festivalwochen: 21. März bis 19. April; Ausstellungen bis 7. Juni; weitere Informationen im Internet: www.raw-photofestival.de/

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