Elisabeth Stöppler inszeniert am Oldenburgischen Staatstheater Charles Gounods „Faust“

Grandiose Höllenfahrt

Daniel Ohlmann sing und spielt den Oldenburger Doktor Faust.

Von Wolfgang DenkerOLDENBURG (Eig. Ber.) · Gounods Oper „Faust“ wurde in Deutschland, aus „Rücksicht“ auf Goethe, lange Zeit unter dem Titel „Margarethe“ gespielt, während die Faust-Oper von Arrigo Boito den Teufel zum Titelhelden macht – sie heißt „Mefistofele“. Das wäre angesichts einer großartigen Sängerleistung auch bei der Oldenburger Premiere von Gounods „Faust“ fast gerechtfertigt.

Da man bei der Regisseurin Elisabeth Stöppler sicher sein kann, dass sie nicht „aus dem Opernführer“ inszeniert, sondern eine eigene Sichtweise entwickelt, was sie u.a. bei „Orphée et Eurydice“ und bei „Werther“ bewiesen hat, beginnt Gounods „Faust“ ganz anders als gewohnt: Dezente Bar-Musik erklingt. Ein Ehepaar kehrt von einer Abendgesellschaft heim und legt sich ins Bett. Aber der Mann, es ist Dr. Faust, kann nicht schlafen, wird von einer Midlife-Crisis gequält und schaut verzweifelt aus seinem Fenster auf die New Yorker Skyline (Bühne von Rebecca Ringst). Dann erst setzt die Musik von Gounod ein. Stöpplers Inszenierung ist modern, aber das Werk wird dabei nicht im Mindesten beschädigt. Sie schickt Faust und Mephistopheles, ein tätowierter, herrlich „schmieriger“ Typ aus dem New Yorker Underground, auf eine grandiose Höllenfahrt.

Da werden die Soldatenszenen mit skurriler Phantasie und überbordender Aktion aufgeblättert, etwa beim „Rondo vom Goldenen Kalb“, die Kirchenszene rückt in die Nähe einer schwarzen Messe und in der Walpurgisnacht darf sich eine Schönheit sehr lasziv, aber ästhetisch aus ihrem Latex-Kostüm pellen. Aber Stöppler findet auch sehr ruhige, poetische Momente in ihrer Inszenierung.

Die Liebesszene zwischen Faust und Margarete, einem reizenden Teenager im Minirock, gerät in ihrer Schlichtheit und Wahrhaftigkeit zu einem anrührenden Augenblick. Eindrucksvoll auch die Schlußszene im Gefängnis, wenn Faust und Mephistopheles gleichzeitig an Margarete zerren und der Chor machtvoll sein „Gerettet!“ aus dem 3. Rang schmettert. Am Ende taucht Faust wieder in der ehelichen Wohnung auf. War alles nur ein Alptraum? Es ist bemerkenswert, wie Stöpplers Inszenierung in jedem Moment mit dem Text zusammenpasst. Ein intelligentes, sinnliches und emotionales Vergnügen ist dieser „Faust“!

Auch musikalisch konnte die Aufführung rundweg überzeugen. Daniel Ohlmann verfügt als Faust über einen kraftvollen Tenor mit besonders schönem Timbre. Dass ihm in seiner Arie „Salut“ ein exponierter Ton verrutschte, konnte man bei der vorzüglichen Gesamtleistung verschmerzen. Auch Mareke Freudenberg verdeutlichte als Margarete den leidensvollen Schmerzensweg mit klarem, wenn auch nicht allzu großem Sopran.

Schlichtweg überwältigend war Derrick Ballard als Mephistopheles: Ein Bass mit schwarzer Farbe, urgewaltig in Ausdruck und Spiel, ein wahrer „Teufelskerl“. Paul Brady war (mit kleinen stimmlichen Abstrichen) ein zornerfüllter Valentin, der seiner Schwester Margarete nur noch Verachtung entgegenschleudert. Als treuherziger Siebel stach Barbara Schmidt-Gaden aus dem restlichen Ensemble hervor.

Thomas Dorsch und das Oldenburgische Staatsorchester fächerten Gounods Musik mit klanglicher Opulenz auf; besonders die dramatischen Szenen erhielten überwältigende Wucht. Das gilt auch für den besonders geforderten Chor sowie den Extrachor in der Einstudierung von Thomas Bönisch.

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