Eine Ausstellung in Hannover zeigt Kunst von John Lennon

Grafikmeister dank Yoko Ono

John Lennon und der Preis des Ruhms: „Fame“. - Abbildung: Estate of John Lennon

Hannover - Wenn ein Schauspieler zu singen beginnt oder ein Sänger zu schauspielern, ist das nicht immer ein Anlass zu bedingungsloser Freude. Und wenn ein Musiker zeichnet? Das kann offenbar zumindest im Einzelfall klappen: John Lennon ist ein solches Beispiel, wie die Ausstellung „The Art of John Lennon“ im hannoverschen Theatermuseum belegt.

Gerade in Deutschland gelten ja Mehrfachtalente schnell als verdächtig – Wilhelm Busch etwa traute sich dereinst nicht, seine Landschaftsmalereien, so gut sie auch sein mochten, der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Lennon als Zeichner ist hier wenig bekannt“, bestätigt denn auch der Frankfurter Michael-Andreas Wahle, aus dessen Sammlung sich die Ausstellung zu allergrößten Teilen speist. Dabei hat der wohl komplexeste und komplizierteste Charakter im Beatles-Quartett schon früh zum Stift gegriffen, lernte später die Freuden der Lithografie kennen und wurde offenbar durch just jenes Ereignis zum Grafikmeister, das in der Wunschwelt zahlreicher Fans niemals hätte stattfinden dürfen: die Begegnung mit Yoko Ono.

Dass die japanische Fluxus-Künstlerin das Ende der Beatles herbeigeführt hätte, hält übrigens auch Wahle für ein Märchen: „In der Band gab es zu dem Zeitpunkt schon jede Menge Differenzen.“ Dass die Dame allerdings durchaus eigenwillig sei, kann der Sammler bestätigen, der manches erlesene Stück in seiner Kollektion der persönlichen Bekanntschaft mit Ono verdankt. Auch der 2015 verstorbenen Cynthia, Lennons erster Ehefrau, ist Wahle begegnet. Sie versteigerte einst Blätter aus der Serie der „Apple Years“ von 1967/68, so genannt, weil sie teilweise auf Briefpapier der von den Beatles gegründeten Plattenfirma Apple gezeichnet wurden.

Diese Blätter zeigen allerlei Mutationen aus dem Bereich der Fauna und sind soweit ganz drollig, verdienen aber bestenfalls das Prädikat „begabt“. Reduktion, Charme und Geist stimmig zu vereinen, gelang Lennon erst später – aufschlussreich ist dabei ein Blatt mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken, nach dem der Musiker die japanische Sprache zu erlernen versuchte. Das war zwar offenbar nur begrenzt von Erfolg gekrönt, doch kristallisierte sich hier eine neue Qualität der Konzentration heraus. Und die 1976er Lithographie „Two Is One“ kommt tatsächlich mit wenigen Strichen auf den Punkt, mag man es auch für kitschig halten, wie die Gesichter von Lennon und Ono zur Einheit zusammengeführt werden.

Der Ruhm kostete Lennon das Leben

Überhaupt ist diese spezielle Liebesgeschichte mitsamt ihren Verklärungen und Publicity-Aspekten sicherlich ebenso diskutabel wie das etwas naiv anmutende politische Engagement des Paares oder die gemeinsamen musikalischen Aktivitäten, die durch Onos Gesangsstil oft eine, nun ja, ungewohnte Wendung nahmen (wobei man dem Doppelalbum „Fly“ durchaus einmal eine Chance geben sollte).

Das ändert jedoch nichts daran, dass eine Lithografie wie der paradiesische „Family Tree“, unter dem sich Lennon und Ono süß zusammengekuschelt haben, echt empfunden zu sein scheint. Und wenn Lennon 1977 den „Fame“, den Ruhm beschwört, zeigt er die Kehrseite der Medaille in Form von Paparazzi, die dem Paar beim Gang durch den Central Park auflauern. Drei Jahre später sollte der Ruhm Lennon das Leben kosten: Einen x-Beliebigen hätte der Attentäter vor dem Dakota Building wohl kaum erschossen.

Sympathisch an dieser Ausstellung ist, dass man John Lennon von einer neuen Seite kennenlernen kann, aber auch der Fan als solcher bedient wird. Denn an Schallplatten, Gitarren, Fotos, Kleidungsstücken, Filmen und anderen Devotionalien herrscht kein Mangel. Zeit zur ausführlichen Betrachtung von alledem gibt’s noch reichlich: Die Schau läuft bis zum 5. Juni.

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