4. Philharmonisches Konzert

Glühend intensive Winterträume: Bremer Philharmoniker glänzen in der Glocke

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Die Bremer Philharmoniker.

Bremen - Von Markus Wilks. Ja, der Winter hat seine schönen Momente. Wenn aber Peter Tschaikowsky eine Sinfonie mit dem Titel „Winterträume“ komponiert, kann man sich sicher sein, beide Seiten der winterlichen Medaille hören zu können. Dementsprechend kontrastreiche Momente gab es gestern Vormittag beim 4. Philharmonischen Konzert in der Glocke zu erleben, in dem GMD Marko Letonja und sein Orchester auch noch Hörenswertes von Haydn und Hummel spielten.

Obgleich Peter Tschaikowsky mit seiner 1. Sinfonie keine Programmmusik (heutzutage: Filmmusik) komponiert hat, lassen die Originalüberschriften der beiden ersten Sätze eine Winterstimmung vermuten. Doch bereits im 1. Satz werden vermeintlich harmonische Momente von bedrohlichen unterbrochen. Marko Letonja und die bestens disponierten Bremer Philharmoniker geben diese Stimmungen gekonnt, aber nie übertrieben wieder. Wild, aber nicht zu ungestüm etwa die atemlosen Figuren der tiefen Streicher, die an den Wintersturm in Wagners „Walküre“ erinnern.

Überhaupt prägen die Streicher mit glühender Intensität die Atmosphäre in dieser effektvollen Sinfonie, immer wieder unterbrochen von lyrischen Momenten des Durchatmens – beispielswiese im Adagio mit flirrenden Flötentönen, die gemeinsam mit den Schrittbewegungen des Fagotts die Oboenmelodie flankieren.

Auch wenn diese Sinfonie insgesamt noch nicht die Lautstärke und Abgründe der späten Tschaikowsky-Sinfonien erreicht, lassen es sich die Philharmoniker im reißerischen Finale nicht nehmen, mit Virtuosität und Kraft zu glänzen, ohne dabei zu übertreiben.

Vor der Pause gibt es mit Haydns Sinfonie Nr. 73 und Hummels Trompetenkonzert Stücke, die dank der Anklänge an Jagdmusik andere Seiten des Konzertmottos „Winterzauber“ zeigen. Mit Tine Thing Helseth gastiert mal wieder eine der prominentesten Trompetensolistinnen der Klassikbranche in der Glocke. Sie gibt dem begeisterten Publikum genau das, was man erwarten konnte: eine brillant und scheinbar mühelos spielende Solistin, die die langen Melodien des 2. Satzes mit schier endlosem Atem formt und immer mit einem edlen Trompetenklang gefällt, der in der für diese Musik perfekt geeigneten Glocke wunderschön aufblüht.

Solistin Tine Thing Helseth

Alles andere als ein beliebiges Stück zum „Warmspielen“ für die Philharmoniker ist Haydns Sinfonie Nr. 73. Marko Letonja hat mit dem hier klein besetzten Orchester erkennbar an Transparenz, gegenseitigem Zuhören und den Details gearbeitet und sogar im heiklen Zusammenspiel der Streicherstimmen Beachtliches erreicht. Erwähnt werden soll exemplarisch das quasi konzertierende Miteinander der beiden Violinengruppen im 1. Satz und die schmetternden Hörner im Jagd-Finale. Jedem der vier Sätze geben die Philharmoniker nicht nur einen unterschiedlichen Charakter, sondern sie arbeiten viele musikalische Perlen heraus. So entsteht ein unaufgeregtes, kammermusikalisch geprägtes und spritziges Haydn-Bild, von dem man gerne mehr hören möchte.

Hören

Das Konzert wird am Montag und Dienstag um 19.30 Uhr in der Glocke wiederholt.

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