Freerk Huisken veröffentlicht neues Buch

Gespräche über Flüchtlinge

Zwei gezeichnete Frauen unterhalten sich auf dem Cover.
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Freerk Huisken beleuchtet in seinem Buch den Diskurs um geflüchtete Menschen.

Was beeinflusst den Diskurs über geflüchtete Menschen? Warum kommt darin so oft ein „Aber“ vor? Fragen, die Freerk Huisken in seinem Buch „Flüchtlingsgespräche 2015 ff.“ beleuchtet.

  • Freerk Huisken hat sich in jede Diskussion um geflüchtete Menschen geworfen.
  • Thema ist noch immer aktuell, nicht nur in Gesprächen mit AfD-Anhängern.
  • Blick auf das zynische Hickhack rund um Moria.

Bremen – Ein Cartoon des Bremer Zeichners Harm Bengen ziert den Einband des neuen Buchs von Freerk Huisken, seinerseits lange Jahre Professor an der Bremer Uni. Da begegnen sich also zwei Frauen, von denen die eine jenen geradezu klassischen Satz sagt: „Ich hab’ ja nichts gegen Flüchtlinge, aber...“ Die zweite Frau entgegnet: „Ich hab’ ja nichts gegen dich, Jutta, aber dein ,aber’ kotzt mich an.“

Was hier ohne viel Mühe als widersprüchliche Äußerung zu erkennen ist, zieht sich durch den Diskurs über geflüchtete Menschen – oder mit Asterix gesprochen: Fremde, die nicht von hier sind; nicht erst, aber erst recht seit dem Jahr 2015. Und zwar, so könnte man sehr grob eine Kernthese dieses Buchs umreißen, nicht nur bei vermeintlich schlicht gestrickten Mitbürgern wie jenen, die Bengen exemplarisch vorstellt.

Bei jeder Gelegenheit in die Diskussion geworfen

Wo bei Bertolt Brecht, an dessen berühmte „Flüchtlingsgespräche“ der Titel erinnert, zwei tatsächlich auf der Flucht vor den Faschisten befindlichen Menschen miteinander sprechen, wird hier nun über jene Menschen gesprochen, die ihre Heimat notgedrungen verlassen haben. Immer allerdings auch über solche, die über diese Menschen reden, stets ein „Aber“ in Gepäck.

Dass da mindestens ein Widerspruch zu finden ist, ist offensichtlich – was wiederum bedeutet, dass wohl etwas nicht stimmen dürfte mit dem Gedanken. Um herauszufinden was, hat sich Huisken bei jeder Gelegenheit – und davon gab es bekanntlich in den vergangenen Jahren jede Menge – beherzt in die Diskussion geworfen, die hier mal als Erinnerungsprotokoll, als Korrespondenz oder (seltener) als Transkription wiedergegeben wird. Mal sucht er das Gespräch mit dem Gewerkschafter von nebenan, mal bei Vorträgen mit AfD-Gästen, mal am Rande einer Pegida-Demonstration (nein, er schont sich wahrlich nicht), mal mit engagierten Menschen, die darauf bestehen, es heiße „Geflüchtete“, nicht Flüchtlinge. Denen entgegnet Huisken sinngemäß, mit der Umbenennung sei wenig gewonnen, schließlich ende auch mit der Ankunft in Europa weder deren Elend noch notwendig ihre Flucht. Selbst wenn sie es nach Deutschland geschafft hätten, droht bekanntlich nicht wenigen von ihnen die Ausweisung.

Thema ist ungebrochen aktuell

Auch andere beliebte Ideen, wie die, dass man mit Rechtsextremen nicht diskutiert, lässt Huisken nicht durchgehen: „Hast du mal überlegt, wie du zu deiner Kritik an rechten Gedanken – worin auch immer die bestehen mag – gekommen bist? Geboren bist du mit der nicht. (…) Dir muss irgendwann auch eingeleuchtet haben, dass rechtsradikale Urteile falsch und gefährlich sind. Wieso traust du dieselbe Einsicht anderen Menschen nicht zu?“

Die Form des Bandes ist dabei nicht die einer wissenschaftlichen Ableitung, was es erleichtert, zwischen den verschiedenen Kapiteln zu springen – was aber nicht notwendig empfohlen sei. Das Thema ist, wie gesagt, ungebrochen aktuell, und zu diskutieren ist es, auch davon zeugt dieses Buch, eben nicht nur mit Anhängern der AfD. Es war schließlich ein Vertreter der CDU, der einst den aufschlussreichen Satz prägte: „Wir brauchen weniger Ausländer, die uns ausnützen, und mehr, die uns nützen.“

Im Postskriptum nach Moria

Den Abschluss der „Flüchtlingsgespräche 2015 ff.“ bildet ein Postskriptum über das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Moria – und das zynische Hickhack, das die deutsche Politik dazu veranstaltet. Ein letzter, aber keineswegs der einzige Beleg dafür, wie wichtig die Debatte ist. Und wer tatsächlich etwas gegen jene ja tatsächlich menschenfeindlichen Urteile unternehmen möchte, die über die Ärmsten der Armen kursieren, tut gut daran, ein paar überzeugende Argumente zu haben oder im Zweifelsfall die eigenen zu prüfen – für beides findet sich in diesem Buch viel Aufschlussreiches.

Das Buch

Freerk Huisken: „Flüchtlingsgespräche 2015ff.“, 144 Seiten, zwölf Euro. VSA Verlag.

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